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Verkehrssenatorin Regine Günther und und Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (beide Grüne) am versenkbaren Poller in der Körtestraße in Kreuzberg.

© Christian Latz

Versenkbare Sperre gegen Autoverkehr: Ein Poller, der Berlins Straßen erobern soll

Mit versenkbaren Pollern will Friedrichshain-Kreuzberg den Verkehr in Wohnkiezen beruhigen. Die Verkehrssenatorin will das System stadtweit.

Nur wenige Sekunden braucht der Metallzylinder, um im Boden zu verschwinden. Nachdem das Auto des Straßen- und Grünflächenamts Friedrichshain-Kreuzberg durchgerollt ist, fährt er schnell wieder hoch. Mit mehreren Pollern, darunter ein versenkbarer verhindert der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg seit Mittwoch die Durchfahrt für Kraftfahrzeuge durch die Körtestraße in Kreuzberg.

Versenkbare Poller im Straßenraum sind für sich keine Revolution. Schon heute existieren sie in Berlin etwa in der Wilhelmstraße vor der britischen Botschaft. Der Bezirk betritt damit dennoch Berliner Neuland und schlägt ein neues Kapitel der Verkehrswende in der Hauptstadt auf. Das versenkbare Element in der Körtestraße dürfte nur der erste von vielen weiteren dieser Poller sein, die künftig den Verkehr in den Kiezen der Hauptstadt beruhigen sollen.

„Es ist ein wichtiger Schritt für die Verkehrswende“, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) am Mittwoch bei der offiziellen Inbetriebnahme. „Der Poller heute ist ein Leuchtturm, wie wir künftig die Stadt entwickeln wollen.“

Über die neue Technik auf der Straße freute sich auch Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne). Zugleich sei es auch traurig, dass es soweit überhaupt kommen musste, sagte sie: „Wir haben sehr lange allen Autofahrern die Chance gegeben, sich an die Verkehrsregeln zu halten. Aber wir haben hier doch eine gewisse kriminelle Energie und Ignoranz erlebt.“

Die Körtestraße ist seit Juli 2020 Teil der Fahrradstraße vom Südstern zum Mariannenplatz. Nachdem kurze Zeit später zwei Männer in einem Sportwagen bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei durch die Straße rasten, wollte der Bezirk die Durchfahrt verhindern.

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Zunächst wurde dafür die Straße neu markiert, provisorische Schilder aufgestellt und die Straße mit Blumenkübeln gesperrt. Doch viele Autofahrer hielten sich nicht daran, umkurvten die Hindernisse, oder stellten sie zur Seite. Auch von Herrmann selbst wollten sie sich nicht abhalten lassen, als diese ihnen an einem Abend die Durchfahrt versperrte.

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Mit den Pollern soll sich die Situation nun ändern. Für Notfälle soll die Straße dennoch frei sein. Die knapp 40.000 Euro teuren Durchfahrtssperren lassen sich digital absenken, erklärte Felix Weisbrich, Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes. Rettungswagen erhielten dazu etwa eine Funkfernbedienung. Auch bei Anruf auf einer speziellen Nummer, führe der Poller automatisch ein, sobald ein Fahrzeug auf einer Induktionsspule vor der Sperre stehe.

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Das dürfte bald auch für andere Straßen gelten. „Das hier ist der Anfang. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir an anderen Stellen in Friedrichshain-Kreuzberg mit versenkbaren Pollern nachsteuern werden“, sagte Herrmann. Überall wo Fahrradstraßen eingerichtet worden seien und nur noch beschränkte Einfahrten in Straßen gelten würden, gebe es Probleme. Herrmann verwies auch auf die Initiativen zur Einführung von Kiezblocks im Bezirk. „Die Leute wollen den Durchgangsverkehr nicht mehr in ihren Kiezen haben. Wir werden auch dort höhenverstellbare Poller einführen müssen“, erklärte sie. Dies sei eine Wende, den öffentlichen Raum in der Stadt neu zu gestalten. Zunächst könnten die Poller im Samariterkiez und am Lausitzer Platz folgen, sagte die Bezirksbürgermeisterin. Wahrscheinlich würden die Metallzylinder auch im Bergmannkiez eingerichtet werden.

Versenkbare Poller sollen bald auch in anderen Bezirken stehen

In der Senatsverkehrsverwaltung kommt das Engagement für die Verkehrswende in Friedrichshain-Kreuzberg gut an. „Ich freue mich, dass Friedrichshain-Kreuzberg ein Zeichen gesetzt hat, wieder vorne zu sein“, sagte Günther. Der Bezirk habe eine Vorbildfunktion für die ganze Stadt. Mit dem neuen Prinzip der Durchfahrtssperren solle daher nicht an den Grenzen des Bezirks Schluss sein. „Wir werden das auch woanders einsetzen“, sagte die Verkehrssenatorin. Für konkrete Orte gebe es bereits Ideen, noch sei das jedoch nicht spruchreif. Sie könne die Technik jedem Bezirk nur empfehlen, sagte Herrmann. „Wir stellen unser Wissen gerne anderen Bezirken zur Verfügung.“

Bei aller Freude über die Einrichtung sitze das eigentliche Problem jedoch tiefer, erklärten die Grünen-Politikerinnen. „Wir haben ein Kontrollproblem“, sagte Herrmann. Der Bezirk reagiere mit neuer Infrastruktur, weil die Kontrollen im Straßenverkehr fehlten. „Da muss der Innensenator ran“, so Herrmann. Auch Günther erklärte die Verkehrswende erst für erfolgreich, wenn ein solches Missachten der Verkehrsregeln nicht mehr zu sehen sei. „Dann bauen wir die Poller auch wieder ab.“

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