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Sie sehen: das Brandenburger Tor.

© Bernd Matthies

Image-Kampagne des Bundeslandes: Ein Stück Brandenburg für jeden

Brandenburg bringt ein Brandenburger Tor zum Brandenburger Tor. Das konnte sich Bernd Matthies nicht entgehen lassen. Eine Glosse.

Brennende Liebe in den Herzen möchte Brandenburg entfachen, das Land, in dem bekanntlich alles so einfach sein kann. Und auch das mit der Liebe ist einfach, denn wer am Montagmittag am Brandenburger Tor eine der Ansichtskarten „Sie wollen so richtig aufblühen?“ mitgenommen hat, der kann sich aus den dort eingebauten Samen das gleichnamige Nelkengewächs ziehen, dazu auch Kornblumen, Klatschmohn...
Wir sehen: Hier hat jetzt eine richtige Kampagne begonnen, gesteuert von Leuten, die einen Spruch nach dem anderen raushauen. Auch zum Brandenburger Tor, wo Staatskanzleichef Thomas Kralinski eine Stunde lang persönlich Rede und Antwort steht, hatten sie eine Idee. „Sie sehen eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands“, steht auf einem Großplakat: ein Brandenburger Tor. Welches dann natürlich nur ein Weidezauntor im Grünen ist.
Nur nicht bräsig sein, nur nicht so behäbig Wachtmeister-Krause-haft, wie alle Welt sich Brandenburg vorstellt! Dies hier zwischen den internationalen Selfie-Gewittern am Tor ist ein bisschen Guerilla-Marketing, nur kurz vorher an die Redaktionen in der Nähe durchgesagt, und durch kleine Geschenke unterstützt. Kralinski, der neue Strippenzieher in Potsdam, hat junge Bäume mitgebracht, drei Dutzend vielleicht, die er an Passanten verschenkt, alte Apfelsorten vor allem wie den Roten Berlepsch oder den Edelborsdorfer, aber auch Schröders späte Knorpelkirsche, nicht verwandt mit Putins Altkanzler.
Kein Pflanzentopf ohne werbliche Botschaft, sie lautet „Entdecken Sie unser Wachstumspotenzial“. Die Grundidee ist natürlich auch in einem Slogan verdichtet, der heißt: „Jeder hat ein Stück Brandenburg verdient“ und steht auf den roten T-Shirts der Helfer. Das Ganze erinnert in seiner geschmeidigen Redseligkeit an modernen Wahlkampf, und auch Thomas Kralinski plaudert entspannt in jedes Mikrofon. Natürlich richte sich die Kampagne an Berlin, „das ist ja nun mal die Stadt, um die wir drumherum sind“. Aber der Blick geht auch in weitere Ferne, zumal, wenn in dieser Woche die Online-Kampagne beginne.
Ein kleiner Film steht schon auf der Website, und er wäre ohne Berlin nicht denkbar. Die Stadt ist ein Techno-Moloch mit tausend Klingelschildern, gefilmt in grämlichem Schwarz-Weiß, man möchte sich wegducken, fliehen, bis plötzlich Sonne und Farben aufgehen – da sitzen junge brandenburgische Menschen mit dem Notebook am Wasser, vertreiben badend pikierte Enten, tun auch mal gar nichts. Berlin und Brandenburg zusammen, das könnte zweifellos am einfachsten sein. Ist aber nur gerade kein Thema.

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