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Nicht alles, was zwischen Aktendeckel passt, ist lesbar und verständlich.

© Thilo Rückeis

Nach Glosse von Harald Martenstein: Einfach Behördensprache: Bürokratie ist vermeidbar

Berlin hat Regeln gegen Amtsdeutsch – eigentlich. Andere Städte wie Bochum arbeiten mit der Universität zusammen. Und auch Brandenburg lernt dazu.

Von Ulrich Zawatka-Gerlach

„Die Schriftsätze sollen knapp, klar und vollständig sein. Auf eine leicht verständliche Darstellung in gutem Stil und höflicher Form ist Wert zu legen. Es sind einfache Sätze zu bilden und geläufige Wörter zu verwenden.“ Das steht in der Gemeinsamen Geschäftsordnung (GGO), die für die gesamte Berliner Verwaltung gilt. Als weitere Vorgabe für Sprache, Stil und Form behördlicher Mitteilungen wird in Paragraf 43 formuliert: „Unentbehrliche Fachausdrücke sind zu erläutern, wenn dies zum Verständnis erforderlich ist. Zu vermeiden sind überflüssige Zusätze und Wiederholungen, ein steifer Satzbau mit vielen Hauptwörtern sowie entbehrliche Modewörter.“

Es kann nicht schaden, auf all das noch einmal hinzuweisen, nachdem ein wirrer Brief der Schulverwaltung verschickt worden war. Diesem hatte sich Tagesspiegel-Kolumnist Harald Martenstein in einer Glosse gewidmet - woraufhin eine große Leserdebatte entstanden ist. Am Montag nun äußerte sich dazu auch die Schulverwaltung.

Generell soll die Berliner Verwaltung fremdsprachliche Ausdrücke nur dann verwenden, wenn dies aus fachlichen Gründen unumgänglich ist und die Verständlichkeit des Schreibens nicht beeinträchtigt wird. Als entscheidendes Ziel behördlicher Briefe formuliert die GGO: „Wer angeschrieben wird, soll von der Richtigkeit und Notwendigkeit der getroffenen Entscheidung oder Maßnahme überzeugt werden.“ Die Begründung habe deshalb nicht nur den rechtlichen Erfordernissen zu entsprechen, sondern müsse auch dem Verständnis der angeschriebenen Person angepasst sein. So weit die Theorie.

Bochum arbeitet mit seiner Universität zusammen

Zur Praxis: Die Brandenburgische Landesakademie bietet auch in diesem Jahr für öffentlich Bedienstete Kurse zu folgendem Thema an: „Verständlich formulieren – Amtsdeutsch vermeiden“. Und die Stadt Bochum gibt ihren Mitarbeitern in Zusammenarbeit mit der Ruhr-Universität „Tipps zum einfachen Schreiben“. Hier ein paar Ratschläge: Fachwörter, Hauptwörter und Bandwurmsätze vermeiden, abstrakte Vorgänge veranschaulichen, Abkürzungen ausschreiben, auf Begriffe wie „Vorbezeichnetes“ oder „Rechtshilfebelehrung“ bitte verzichten. Auch in Berlin gab es schon Tagungen zum Verwaltungsdeutsch, das von einem Referenten als „bürokratische Vergewaltigung“ der Sprache bezeichnet wurde.

Das Problem ist also erkannt und es gibt Regeln, die nur noch angewandt werden müssen.

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