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Endspurt beim Berliner Stadtschloss : Humboldt Forum soll Ende 2020 teilweise eröffnen

Die Corona-Pandemie hat den Bau des Stadtschlosses noch mal verzögert. Doch jetzt sieht die Stiftung das Humboldt Forum auf einem guten Weg.

Seit Ende Mai mit Kreuz: die Kuppel des Stadtschlosses.
Seit Ende Mai mit Kreuz: die Kuppel des Stadtschlosses.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Der historisierende Nachbau des Berliner Stadtschlosses soll bis Ende 2020 fertig werden und das Humboldt Forum im Dezember zumindest teilweise eröffnen. Das kündigte die Stiftung Humboldt Forum am Dienstag nach einer Sitzung des Stiftungsrates an. Damit bekräftigte die Stiftung die Absicht, nach wiederholten Verzögerungen den zuletzt verkündeten Termin einzuhalten. 

Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung unternehme "alles", um die Abnahme der Gebäudetechnik rechtzeitig zu ermöglichen. "Eine erste Eröffnung des Humboldt Forums kann damit im Dezember 2020 stattfinden", hieß es. "Voraussetzung ist natürlich, dass keine weitere Behinderung durch die Pandemie entsteht."

Der bisher 644 Millionen Euro teure Bau soll als Kultur- und Ausstellungszentrum dienen. Das 40.000 Quadratmeter umfassende Gebäude bespielen dann die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei ihrer Museen, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. 

Gezeigt werden sollen Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins. Diskutiert wird dabei auch über die koloniale Vergangenheit von Ausstellungsstücken.

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Die Corona-Pandemie ist nur die letzte von vielen Bauverzögerungen am Stadtschloss. Im vergangenen Jahr war die Eröffnung zunächst auf September 2020 verschoben worden. Anfang April gab es ein Feuer auf der Baustelle. Während dieses die Fertigstellung des Gebäudes nicht beeinträchtigte, wurde am Rande bekannt, dass es wegen des europaweiten Lockdowns Probleme mit Materiallieferungen und der Anreise von Arbeitskräften gab

Im Mai wurde die Eröffnung deshalb auf das Jahresende verschoben. Wegen Einreisebeschränkungen und Quarantänevorgaben seien nur 70 bis 75 Prozent der Arbeitskräfte auf der Baustelle gewesen, hieß es.

Bauarbeiten kamen zuletzt gut voran

In den vergangenen Wochen und Monaten seien die Bauarbeiten in den Erdgeschossbereichen innen wie außen gut vorangekommen, hieß es nun jedoch. Hervorgehoben wurde das Aufsetzen des Kuppelkreuzes am 29. Mai - eine Inschrift erinnert an den Versandhaus-Gründer Otto, seine Witwe ist eine Großspenderin.

In den Ausstellungsbereichen der Museen im zweiten und dritten Obergeschoss gehe der Aufbau der komplexen Vitrinenstrukturen gut voran, teilte die Stiftung am Dienstag mit. Sie geht davon aus, dass in diesem Jahr „weite Bereiche im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss dauerhaft geöffnet werden können“.

Langzeitdokumentation vom Bau des Berliner Stadtschlosses
Platz genommen, liebe Leute. Wir präsentieren - zum x-ten Mal - einen weltexklusiven Rundgang ...Weitere Bilder anzeigen
1 von 715Foto: Kitty Kleist-Heinrich
05.10.2019 16:07Platz genommen, liebe Leute. Wir präsentieren - zum x-ten Mal - einen weltexklusiven Rundgang ...

Dazu gehörten die Ausstellungen der Stiftung zur Geschichte des Ortes im Skulpturensaal im Ostflügel, zwischen Portal 1 und 2 und im historischen Schlosskeller auf der Westseite des Gebäudes. Im ersten Obergeschoss würden auf 5000 Quadratmetern Fläche die Ausstellung der Stiftung Stadtmuseum Berlin / Kulturprojekte Berlin und mit dem Humboldt Labor die Präsentation der Humboldt-Universität zu sehen sein.

Wenn die Pandemie es zulässt: Auch Veranstaltungen geplant

Mit der Eröffnung will die Stiftung auch Veranstaltungs- und Vermittlungsangebote starten. Welche Möglichkeiten es dafür unter Corona-Bedingungen gebe, werde mit den beteiligten Akteuren fortlaufend geprüft. Auch Shop und Gastronomie im Erdgeschoss sollen zum Jahresende öffnen.

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Die Ausstellungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst sowie weitere Sonderausstellungen in den oberen Geschossen und die Dachterrasse mit dem Restaurant folgten wie angekündigt im kommenden Jahr. Bis Herbst 2021 soll das gesamte Gebäude zugänglich sein.

Die Rekonstruktion ist seit Jahrzehnten umstritten. Kritik lösten zuletzt Kreuz und Kuppel mit einem weithin sichtbaren Bibelspruch aus. Darin wird die Unterwerfung aller Menschen unter das Christentum gefordert. Die Pläne des italienischen Architekten Franco Stella kombinieren Rekonstruktionen vor allem der Fassade des 1950 zerstörten früheren Stadtschlosses der Hohenzollern mit einer modernen Fassung des Gebäudes. (Tsp, dpa)

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