Fahrradfahren in Berlin : CDU protestiert gegen Radspur auf der Frankfurter Allee

Die Berliner CDU kündigt heftigen Widerstand gegen die Pläne des Senats an, die Hauptverkehrsstraße fahrradfreundlicher zu machen.

Zwischen dem U-Bahnhof Frankfurter Allee und der Niederbarnimstraße wird stadtauswärts ein 900 Meter langer Abschnitt zu einem Fahrradweg umfunktioniert.
Zwischen dem U-Bahnhof Frankfurter Allee und der Niederbarnimstraße wird stadtauswärts ein 900 Meter langer Abschnitt zu einem...Foto: Julica Osterhage

Die CDU kündigt einen „massiven Widerstand“ an, der bis zu einer Blockade der Senatsverkehrsverwaltung durch Bürger aus Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf führen könne. So wollen Fraktionsmitglieder verhindern, dass auf der Frankfurter Allee ein knapp einen Kilometer langer Fahrradstreifen auf der Fahrbahn angelegt wird, wie es die Verwaltung unter Senatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) plant. Die Unterlagen sind jetzt ans Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg geschickt worden.

Verwaltungssprecherin: Alle profitieren!

Bei der Blockade könne die politische Leitung der Verwaltung am eigenen Leib erleben, wie es sei, wenn man nicht zur Arbeit komme, erklärten mehrere Fraktionsmitglieder, die durch die Wegnahme einer Autospur Dauerstau befürchten. Den Streifen soll es allerdings nur stadtauswärts zwischen der Niederbarnimstraße und der Müggelstraße geben. Stadteinwärts, wie die meisten zur Arbeit fahren, bleibt es bei den drei vorhandenen Autospuren.

Nach Ansicht von Verwaltungssprecherin Dorothee Winden profitieren alle von der Idee: Fußgänger, weil sie sich nicht mehr den schmalen Gehweg mit Radfahrern teilen müssten; Radler, weil sie einen teilweise durch Poller geschützten Extraweg bekämen, Fahrgäste aus der U-Bahn, weil sie am Bahnhof Samariterstraße nicht mehr den Radweg kreuzen müssten, Autofahrer, deren zwei Spuren breiter würden; nämlich 3 Meter statt wie jetzt 2,66 Meter, und Lieferanten, weil es Extralieferzonen geben solle.

CDU: Alle werden belastet!

Anderer Ansicht ist die CDU: Das Verkleinern der Verkehrsfläche gehe zu Lasten aller, die auf der Straße unterwegs seien. Der Wirtschaftsverkehr und der Busverkehr seien ebenso betroffen wie der Individualverkehr. Busse fahren allerdings hier nur nachts.

Die einseitige Politik zugunsten weniger Verkehrsteilnehmer sei nicht akzeptabel, erklärten der wirtschaftspolitische Sprecher Christian Gräff, der verkehrspolitische Sprecher Oliver Friederici sowie die Abgeordneten Danny Freymark aus Lichtenberg und Mario Czaja aus Marzahn-Hellersdorf gemeinsam. In beiden Bezirken gebe es einen massiven Zuwachs der Bevölkerung, für die die Frankfurter Allee eine Hauptverkehrsader sei.

Dreispurig war sie nicht einmal am Sonntag durchgehend zu nutzen. Am Mittag blockierten zwei Liefer- und drei Personenwagen den rechten Streifen, der zur Radspur werden soll.

Entwickelt worden war der Plan bereits in der rot-schwarzen Koalition vom damaligen Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD), der ebenfalls aus Lichtenberg kommt. Nach Widerstand der CDU sei die Idee damals nicht weiter verfolgt worden, sagte Friederici am Sonntag. Und am Widerstand habe sich nichts geändert.

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Ein neu angelegter Radweg in Bukarest, Rumänien. Hier werden beide Richtungen auf einer Straßenseite geführt und durch feste Barrieren vom Kraftverkehr getrennt. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Beispiele von guten Radwegen aus aller Welt an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
1 von 78Foto: Thomas Bierwagen
07.11.2018 10:38Ein neu angelegter Radweg in Bukarest, Rumänien. Hier werden beide Richtungen auf einer Straßenseite geführt und durch feste...
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