Firma der Woche: Reisetopia : Berlins Globetrotter und Meilensammler

„Jedes Luxushotel soll bei uns buchbar sein“. So lautet das ambitionierte Ziel des Reise-Start-ups Reisetopia aus Berlin.

Das Gründerteam: Severin Gerstenkorn, 20, Leo Glatzel, 26, Jan Wanderer, 23, Moritz Lindner, 25, und Moritz Stoldt, 22 (v.l.n.r.)
Das Gründerteam: Severin Gerstenkorn, 20, Leo Glatzel, 26, Jan Wanderer, 23, Moritz Lindner, 25, und Moritz Stoldt, 22 (v.l.n.r.)Foto: promo

Fünf Jungs hatten eine Leidenschaft: das Fliegen. Und aus dieser Leidenschaft von Severin Gerstenkorn, 20, Leo Glatzel, 26, Jan Wanderer, 23, Moritz Lindner, 25, und Moritz Stoldt, 22, ist längst ein einträgliches Geschäft geworden. 17 Mitarbeiter beschäftigt ihre Firma Reisetopia mittlerweile, im September beziehen sie alle ein gemeinsames Büro in Berlin.

Lindner, der Abschlüsse in Politikwissenschaften und European Studies hat, und Gerstenkorn, der derzeit noch ein duales Studium in Steuer- und Prüfungswesen macht, erstellten die Internetseite im Mai 2016 als Reiseblog. Sie schrieben darüber, wie einfach sich Flugmeilen sammeln lassen und wie diese möglichst effektiv für Luxusflüge eingesetzt werden können. Wanderer, der BWL und E-Business studiert, und Stoldt, dem nur noch die Bachelor-Arbeit zum Wirtschaftsinformatiker fehlt, stießen bald dazu. Der Kontakt kam über eine Vielfliegergruppe bei Facebook zustande. Als Letzter kam Glatzel dazu, der hauptberuflich als Fluglotse arbeitet.

Schnell wuchs die Community und der Gedanke, daraus ein richtiges Unternehmen zu machen. „Wir hatten damals noch Probleme, die 1000 Euro für die Anmeldung der Gesellschaft zu finden. Heute machen wir in einem guten Monat 100 000 Euro Umsatz“, erklärt Lindner.

Auf mehr als eine Million Klicks im Monat kommt Reisetopia mittlerweile. Jeden Tag entstehen in der dreiköpfigen Redaktion Dutzende neue Artikel, auch die Gründer selbst schreiben fleißig weiter. Flugprodukte und Reiseklassen werden bewertet, Luxushotels getestet, Tipps und Tricks für Meilensammler veröffentlicht. Was den Gründern wichtig ist: absolute Unabhängigkeit. Sie zahlen alle Flüge und Hotels selbst.

Anfangs verdiente das Start-up vor allem Geld über die Vermittlung von Kreditkartenanträgen. Klickt ein Besucher auf die Empfehlung für die Eurowings Visa oder die goldene Amex und schließt anschließend tatsächlich einen Antrag ab, fließt ein Betrag auf das Reisetopia-Konto. Zuletzt ist ein Bereich dazugekommen, der stark wächst: Buchungen von Luxushotels.

Über das Start-up können pompöse Herbergen wie das Park Hyatt, das Waldorf Astoria oder Hotels des Virtuoso-Programms mit Vorteilen gebucht werden, etwa mit kostenlosem Frühstück, einem Upgrade, Hotelguthaben von 100 Dollar und spätem Checkout. „Unsere Kunden können so Raten buchen, die sonst nur Luxus-Reiseberatern zugänglich sind“, erklärt Wanderer.

Von Beginn an profitabel

Für die Buchung arbeitet das Start-up mit dem Berliner Reisebüro Cube-Travel zusammen. Für jeden Abschluss gibt es eine anteilige Provision, die im einstelligen Prozentbereich liegt. Der Plan für 2020: „Jedes Luxushotel soll bei uns buchbar sein“, sagt Lindner. Bis zu 30 Buchungsanfragen kommen pro Tag rein, mittlerweile gibt es einen eigenen Mitarbeiter, der sich nur darum kümmert. Bisher bekam das Unternehmen auch Provisionen bei der Verlinkung auf Flugangebote. Diese reichen die Gründer ab sofort weiter: Alle Provisionen für Flugbuchungen landen künftig direkt bei dem Klimaschutzportal Atmosfair, das damit Projekte finanziert, die Treibhausgase kompensieren.

Der nächste Schritt ist die globale Expansion. Auf Reisetopia.ch gibt es für den Schweizer Markt maßgeschneiderte Inhalte. Viel ändern mussten sie nicht. Der Inhalt ist größtenteils ohnehin international, er lässt sich beliebig skalieren. 2018 machte das Unternehmen einen Umsatz von 435 000 Euro, dieses Jahr soll er siebenstellig werden. Von Anfang an war das Start-up profitabel, es gab nie eine Fremdfinanzierung, lediglich drei Business-Angels sind mit geringen Beträgen beteiligt, der Rest gehört den fünf Gründern.

Der nächste Markt wird bald Frankreich sein. Dafür muss die ganze Seite übersetzt werden, ein Muttersprachler kommt ins Team, neue Inhalte dazu. Anschließend sind Österreich oder Italien geplant. „Dafür, dass Reisetopia mal aus Spaß gegründet wurde, haben sie schon heute ein sehr tragfähiges Konzept“, findet Coach Heiko Franken, einer der Business-Angels. Christian Wermke (HB)

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