Flache Flugbahn, steile Lernkurve : So geht Berlins neue Trendsportart

Quidditch und Bier-Yoga gibt's schon – jetzt wird Minigolf mit Frisbeescheiben gespielt: Beim Discgolf kann jeder mitmachen, einfach ist es trotzdem nicht.

Felicia Klinger
Henri Wolff (23) beim Discgolf. Henri Wolff (23) beim Discgolf. Sonst spielt er Ultimate-Frisbee.
Henri Wolff (23) beim Discgolf. Henri Wolff (23) beim Discgolf. Sonst spielt er Ultimate-Frisbee.Foto: Jörg Carstensen

Auf allen Vieren durch den Treptower Park krabbeln, nur mit dem Kopf Tischtennis spielen oder wie Harry Potter beim Quidditch auf einem Besen fliegen. In Berlin treffen Trendsportarten auf ein dankbares Publikum. Der nächste Hype: Discgolf – eine Art Golf mit Frisbeescheiben. Wie das geht, kann man auf einer Grünanlage am Eduard-Spranger-Promenade in Lichterfelde beobachten.

An einem Spätsommertag sind dort mehrere kleine Gruppen unterwegs. Auch Henri Wolff ist da, sein Blick ist fokussiert, die Beine sind gebeugt, der rechte Arm holt weit aus.

In der Hand hält er eine kleine weiße Frisbeescheibe, die sogenannte Disc. Der 23-Jährige zielt auf einen von zehn Metallkörben, da soll die Disc rein.

Seit Juli gibt es hier eine Discgolf-Anlage. Beim Discgolf geht es darum, die Frisbeescheibe mit möglichst wenigen Würfen in einen Korb zu befördern. Besonders beliebt ist der Sport in den USA und in Finnland, aber auch in Berlin gibt es immer mehr Fans.

„Das Prinzip ist ähnlich wie beim Minigolf“, erklärt Manuel Franz. Er ist Übungsleiter beim Turn- und Sportverein Lichterfelde und bietet wöchentlich ein Schnuppertraining an. Diesmal sind fünf Interessierte gekommen.

Manuel Franz (r.) erklärt Angela Kausche (l.) die richtige Handhaltung beim Discgolf.
Manuel Franz (r.) erklärt Angela Kausche (l.) die richtige Handhaltung beim Discgolf.Jörg Carstensen

Eine von ihnen ist Angela Kausche. Ihr Bruder hat sie auf die ungewöhnliche Sportart gebracht. „Bislang gab es das nicht in Berlin und ich wollte das ausprobieren“, sagt sie, „außerdem scheint die Technik wichtig zu sein.“ Tatsächlich: Manuel Franz beginnt direkt, ein wenig zu fachsimpeln.

Frisbee ist nicht gleich Frisbee

Merke: Frisbee ist nicht gleich Frisbee. Auf jeder Plastikscheibe sind vier Zahlen notiert. Eine steht für die optimale Fluggeschwindigkeit, eine für die Flugzeit, eine für die Flugkurve und eine für das Flugverhalten der Frisbee beim Landen. Außerdem müsse man noch die spezifische Plastiksorte beachten. „Das alles wirkt sich auf das Flugverhalten der Disc aus“, sagt Manuel Franz.

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Die beiden Mädchen, die mit ihrer Mutter gekommen sind, hören konzentriert zu. Auch die Erwachsenen versuchen ihm zu folgen. „Ich dachte, Discgolf hat keine großen sportlichen Einstiegshürden und deswegen probiere ich das mal aus“, sagt Jochen Schneider.

Abgesehen von den technischen Feinheiten sei der Sport wirklich nicht schwierig zu lernen, bestätigt Trainer Manuel Franz. „Vom Grundschulkind bis zum Senior können das alle spielen.“ Ein 70-Jähriger hat ihm Discgolf im Fehmarn-Urlaub erklärt. Und Franz war begeistert.

Die ersten Discs landen im Gebüsch

An der ersten Bahn zeigt er, wie ein optimaler Wurf aussehen könnte: Für die 92 Meter lange Strecke brauchen sehr gute Spieler drei Würfe. Die Anfänger zielen aus etwa zehn Metern Entfernung auf den Korb und – die ersten Discs landen im Gebüsch. Das gehört dazu.

„Wir haben extra eine Stelle eingerichtet, bei der man verlorene Discs melden kann“, sagt Manuel Franz. „Man muss immer sehr gut zählen, wie viele Scheiben man mal hatte“, so Franz.

Jochen Schneider hat sich an den Rasenrand gestellt und zielt auf den Korb. Um die Spannung und Kraft zu prüfen, zieht Manuel Franz an der Disc des Neulings. Die Kraft stimmt, er darf werfen. Doch die Scheibe eiert kurz durch die Luft und stürzt dann ab. „Das hätte etwas athletischer sein können“, analysiert Manuel Franz.

Er packt ein kleines Handtuch aus und lässt es es so schnell durch die Luft fahren, dass es zischt. „So viel Energie müsst ihr in die Scheibe stecken“, sagt er.

Die richtige Wurftechnik ist schnell gelernt

Nachdem Angela Kausche den Winkel ihrer Beine korrigiert hat, wirft sie ihre Disc in Richtung des Korbs. Auch sie trifft nicht. Manuel Franz tröstet und erklärt, dass die Armbewegung so sein sollte, „als ob ihr mit dem Ellenbogen die Scheibe eines Feueralarm-Kästchens einschlagen würdet.“ Beim fünften Versuch landet Angela Kausches Disc nur noch knapp neben dem Korb.


„Das ist das Tolle an Discgolf. Die Lernkurve ist unglaublich steil“, sagt Manuel Franz. Die Wolken leuchten inzwischen rosa und es riecht nach feuchtem Gras. „Wenn man Glück hat, bekommt man zu einem schönen Wurf noch einen schönen Sonnenuntergang. Und dann ist alles gut“, sagt Franz, der die Discgolf-Abteilung im Verein gegründet hat.

[Weitere Discgolf-Anlagen in und um Berlin gibt es hier: Im Volkspark Rehberge in Wedding kann Discgolf auf einigen wenigen Körben gespielt werden. Auf der Sportanlage Rennbahnstraße in Pankow kann der Sport ausprobiert werden. Eine Discgolf-Anlage befindet sich auch in der Bürgerheide in Finsterwalde.]

Alle können die Anlage frei nutzen

Mitglied Nummer zwei von derzeit elf ist Jo Liebers. „Manuel ist dafür verantwortlich, dass Discgolf nach Lichterfelde gekommen ist“, sagt er stolz. Zusammen sind die beiden früher nach Potsdam gefahren, um dort Discs in Körbe zu werfen.

Irgendwann habe Franz sich in den Kopf gesetzt, eine Discgolfanlage in Berlin zu bauen. Finanziert wurde das 11.000 Euro teure Areal in Lichterfelde von der Aktion Mensch und dem Landessportbund Berlin. Man muss nicht im Verein sein, um sie zu nutzen, sie ist frei zugänglich.

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Doch wer schnell einen Korb treffen will, sollte bei Manuel Franz in die Lehre gehen. Henri Wolff macht als Discgolfer schon eine ganz gute Figur. Meistens spielt er zwar Ultimate-Frisbee, aber die neun Körbe in Lichterfelde trifft auch er zielsicher. Die Metallketten des Korbs rascheln. Henri Wolffs Disc ist im Korb gelandet.

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