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Ballspiele zur Ablenkung. Für die Kinder, die derzeit als Flüchtlinge in acht Turnhallen in Berlin leben müssen, ist Abwechslung besonders wichtig. Bernd von Jutrczenka/dpa

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Neue Containerdörfer in Berlin: Flüchtlinge ziehen schon bald aus Turnhallen aus

Bis Mitte April sollen alle Flüchtlinge in Berlin aus den Turnhallen ausgezogen sein. Allerdings ist das verbunden mit hektischem Suchen: Die neuen Containerdörfer stehen noch nicht zur Verfügung.

Der Schuss war unhaltbar, direkt unters Lattenkreuz, Volltreffer. Der Torschütze, ein Jugendlicher, schwarz gelockt, mit knielangen weißen Hosen, jubelte, seine Mitspieler umarmten ihn. Die Truppe spielte Fußball, sie tobte am Freitag auf dem Sportplatz hinter der Turnhalle in der Lippstädter Straße, Lichterfelde. Fußball, einer der wenigen Ablenkungen für diese Jugendlichen, für diese Flüchtlinge aus aller Welt. Ihre Heimat ist die Turnhalle zehn Meter weiter, eine Welt, zusammengeschrumpft auf Handballfeld-Größe, mit Zelten auf dem Hallenboden. Hier leben sie, ihre Eltern, ihre Geschwister. Hier leben mehr als 100 Menschen. In ganz Berlin sind es mehrere Hundert, aufgeteilt in acht Turnhallen, verstreut über die ganze Stadt.

Doch ab Ostern soll das Leben in dieser tristen Umgebung ein Ende haben. Ab Mitte April sollen die Flüchtlinge aus den Turnhallen ausgezogen sein. Das hat Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) nun angekündigt. Im Rat der Bürgermeister, der Runde aller Bezirke, teilte er mit: „Wir werden alles daran setzen, dass die Turnhallen ab Ostern wieder für den Sport genützt werden können.“ Reinhard Naumann (SPD), der Bezirks-Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, hatte den Satz auch gehört, er teilte ihn am Donnerstag der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) mit.

Die Flüchtlinge ziehen also aus, nur: wohin? Zum Beispiel, irgendwann, in die neuen Containerdörfer, die geplant sind (siehe beistehenden Kasten). Allerdings steht Mitte April lediglich ein Teil des neuen Heims in Buch zur Verfügung. Und auch dort kann erst mal nur ein Teil der insgesamt 480 Plätze belegt werden. „Wir werden Flüchtlinge erhalten, die mindestens seit drei Monaten in Berlin leben“, sagt Snežana Prvulovic-Hummel, Geschäftsführerin des Kreisverbands Mitte der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Die AWO betreibt das Heim in Buch.

2015 werden rund 20.000 Asylbewerber erwartet

Doch bei der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales gibt man sich einigermaßen entspannt. Pressesprecherin Constance Frey sagt: „Jeden Flüchtling, der in Berlin seinen Anspruch auf Asylverfahren wahrnimmt, haben wir bisher untergebracht und werden es auch weiterhin tun. Wir akquirieren ja immer wieder zusätzliche Kapazitäten und arbeiten unter Hochdruck.“

Der ist auch nötig. Allein zwischen 1. und 18. März sind 984 Flüchtlinge neu nach Berlin gekommen. Im Januar waren es 1540. Im gesamten Jahr 2015 könnten rund 20.000 Asylbewerber in der Stadt eintreffen. 2014 waren es noch 12.227.

Möglicherweise kann es deshalb auch wieder dazu kommen, dass die Senatsverwaltung erneut Turnhalle zu Notunterkünften umwandelt. Auf eine entsprechende Frage geht die Senatsverwaltung nicht direkt ein. Pressesprecherin Frey sagt nur: „Aufgrund des anhaltenden Zustroms von Flüchtlingen müssen auch Notunterkünfte eingerichtet werden. Auch wenn diese Art der Unterbringung nur eine vorübergehende sein kann, haben die Menschen dort mehr als ein Dach über dem Kopf.“ Sie würden dort vom Betreiber versorgt und betreut.

Die Traglufthallen, die Ende vergangenen Jahres in höchster Not errichtet worden sind, fallen als Anlaufstelle allerdings aus. Denn deren Betriebserlaubnis erlischt mit Ende der Kälteperiode, also in wenigen Tagen. Aber die Hallen waren ja nie als Dauerlösung gedacht. Auch das Übergangswohnheim Marienfelder Allee ist voll besetzt. „Wir haben alle 700 Plätze belegt“, sagt Anja Hiller, die Heimleiterin. „Wir können niemanden mehr aufnehmen.“

Das Containerdorf in der Alfred-Randt-Straße in Köpenick, Ende Dezember eröffnet, stellt dagegen für die Verantwortlichen, die dringend freie Plätze suchen, einen winzigen Lichtblick dar. Organisatorische Gründe haben bisher eine Vollbelegung verhindert. 400 Plätze hat Heimleiter Peter Hermanns zu bieten. Nur 386 sind belegt.

Sechs Standorte für 2200 Flüchtlinge

Ballspiele zur Ablenkung. Für die Kinder, die derzeit als Flüchtlinge in acht Turnhallen in Berlin leben müssen, ist Abwechslung besonders wichtig. Bernd von Jutrczenka/dpa

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Für die Unterbringung der unerwartet hohen Zahl von Flüchtlingen muss Berlin in nächster Zeit mehrere Containerdörfer bereitstellen. Eines ist schon im Dezember in Betrieb genommen worden. Gesamtkapazität: 2200 Plätze.

Köpenick, Alfred-Randt-Straße: Dieses Containerdorf ist Ende 2014 eröffnet worden. Es bietet Platz für 400 Menschen. Im Außenbereich müssen noch kleinere Arbeiten erledigt werden, aber im Heim läuft längst der Alltag. Betreiber ist der Internationale Bund.

Buch, Karower Chaussee: Dieses Heim für 480 Personen wird Mitte April eröffnet. Am 25. März gibt es einen „Tag der offenen Tür“. Die Unterstützung durch den Bezirk ist vorbildlich“, sagt Snežana Prvulovic-Hummel, Geschäftsführerin des Betreibers AWO-Kreisverband Mitte.

Lichtenberg, Hausvaterweg: Das Heim bietet Platz für 280 Personen und wird im Juli eröffnet. Betreiber ist das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk.

Zehlendorf-Steglitz, Ostpreußendamm: Containerdorf mit 300 Plätzen. Betreiber und Eröffnungstermin noch nicht bekannt.

Zehlendorf-Steglitz, Osteweg: Heim für 340 Menschen. Betreiber und Eröffnungstermin stehen noch nicht fest.

Marzahn-Hellersdorf, Schönagelstraße: Heim mit 400 Plätzen, auch hier sind Betreiber und Eröffnungstermin noch unbekannt.

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