Friedrichshainer Lichtspiele übernehmen Kiezkino : „Intimes“ soll wiedereröffnet werden

Endlich wieder großes Kino: Im April lief der letzte Film im Friedrichshainer „Intimes“. Jetzt will ein neuer Betreiber das Kiezkino wiedereröffnen.

Das Kiezkino Intimes soll wiedereröffnet werden.
Das Kiezkino Intimes soll wiedereröffnet werden.Foto: imago images / PEMAX

Gute Nachrichten für das Kino „Intimes“: Schon Anfang 2020 wird das kleine Kiezkino in Friedrichshain voraussichtlich wieder öffnen. Nachdem der Betreiber im vergangenen April bekanntgegeben hatte, das Intimes dichtzumachen, hat die Mietergenossenschaft jetzt eine Lösung gefunden. Die traditionsreichen „Tilsiter Lichtspiele“ übernehmen das Intimes und bauen es um, um es am 1. Februar wieder zu eröffnen.

„Das ist insofern schön, weil die Tilsiter schon seit vielen Jahren in Friedrichshain aktiv sind“, sagt Peter Weber, Vorstand der Mietergenossenschaft SelbstBau e.G., der das Haus seit mehr als 20 Jahren gehört. „Die Tilsiter Lichtspiele werden als das zweitälteste Berliner Kino gehandelt und das Kino Intimes als das älteste durchgehend bespielte Kino.“ Die Betreiber seien bereit, die Umbauarbeiten durchzuführen, die erforderlich sind, um es wirtschaftlich zu betreiben.

„Die Mitglieder der Genossenschaft im Haus haben eine sehr günstige Anfangsmiete für das Intimes akzeptiert, damit es auf die Beine kommt“, sagt Weber. „Für die ersten fünf Jahre gibt es eine Gewerbemiete, die mehr als ungewöhnlich ist. Es war uns wirklich wichtig, dass dieses Traditionskino in unserem Haus erhalten bleibt.“ Die Mieter hätten ihren Beitrag leisten wollen, um in der Gegend „nicht die dreißigste Kneipe im Haus zu haben“.

Der Vertrag ist unterschrieben. Am 1. November sollen die Bauarbeiten beginnen, schon ein Vierteljahr später soll das Intimes voraussichtlich wieder eröffnet werden, sagt Weber. Eine Baugenehmigung sei bereits in der Vergangenheit erteilt worden. Der Film-Dienstleister Cine-Logistics hatte das Kino 2014 übernommen, wurde 2016 aber selbst von der Ymagis Gruppe übernommen. Sie betrieb das Intimes bis zum Schluss im April.

Andere Interessenten von hohen Investitionskosten abgeschreckt

Mit vielen Interessenten seien Gespräche über die Weiterführung des Kinos geführt worden, doch alle seien vor den notwendigen Investitionen zurückgeschreckt, sagt Vorstand Peter Weber und zählt auf: „Ein zweiter Saal, ein zeitgemäßer Standard, Belüftung, Sitze auf denen man nicht nach anderthalb Stunden Rückenschmerzen hat. Diese Dinge belaufen sich auf eine Investitionssumme von mindestens 500 000 Euro.“

Die Tilsiter Lichtspiele haben sich also viel vorgenommen. Anruf bei Programmdirektor Sven Loose: Warum wollen Sie das Kino übernehmen? „Ich als Programmleiter des Kinos fand die Idee schon immer gut“, sagt er. Mit dem Vorwissen, dass das Kino von zwei Hausbewohnern betrieben wurde, bevor es an die Firma Cine-Logistics verkauft wurde, sei ihm die Idee attraktiv erschienen.

„Eine Achse des Guten“

„Ich fand die Idee gut, eine Achse des Guten zu haben“, sagt Loose. Die Tilsiter betreiben außerdem das „Kino Zukunft am Ostkreuz“ und im Sommer das Freiluftkino Pompeji. Blickt man auf die Karte, liegen die Tilsiter in der Richard-Sorge-Straße Nordwesten Friedrichshains, das Kino Zukunft im Südosten am Ostkreuz – und das Kino Intimes genau dazwischen, an der Boxhagener Straße Ecke Niederbarnimstraße.

„Das wäre unser viertes Kino und unser zweites historisches Kino“, sagt Loose. Auch er erinnert an die Geschichte der beiden Häuser: Das Intimes sei seines Wissens 1907 eröffnet worden. Die Tilsiter, gegründet 1908, feierten in diesem Jahr ihren 111. Geburtstag.

Voraussichtliche Wiedereröffnung im Februar

Die Pläne für den Umbau in ein Zweisaalkino seien schon vom Vorbesitzer erarbeitet worden, sagt Loose. Die Finanzierung erfolge aus dem notwendigen Eigenanteil, zudem würden Anträge bei der Filmförderung FFA gestellt. Derzeit gehe man aller Voraussicht nach von einer Wiederöffnung am 1. Februar aus. Wie realistisch das sei, könne man jedoch vor Baubeginn noch nicht beurteilen, sagt Programmdirektor Loose. Doch es sei wünschenswert, den Umbau so schnell wie möglich über die Bühne bringen, damit das Kino nicht zu lange geschlossen bleibt.

„Gutes Programmkino mit Arthouse-Filmen“

Auch hinsichtlich des Programms im Intimes – dann mit einem weiteren, kleineren Saal – gibt es schon Pläne: „Gutes Programmkino mit Arthouse-Filmen“ wollen die Tilsiter dort veranstalten. „Wir werden das Programm ganz sorgfältig aufteilen, je nach Kino“. Das sei jetzt schon im Zukunft am Ostkreuz mit jungem deutschen Kino, schwul-lesbischen Filmen und Genrefilmen der Fall, ebenso in den Tilsitern, die einen Saal nur für Dokumentationen haben. „Diese Aufteilung werden wir beibehalten“, sagt Loose, damit das Programm kontrastreich bleibe.

Dazu gehöre auch, gut laufende Filme an mehreren Standorten zu spielen. „Die großen guten Arthouse-Filme wollen wir zuerst oder bevorzugt im Intimes zeigen, weil es der bessere, lukrativere Standort ist“, sagt Seven Loose. Ein Monatsprogramm wie traditionell bei Tilsitern und Zukunft werde es nicht geben, doch die Programme sollen miteinander abgestimmt werden.

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