Getötete Polizisten in Berlin : Grüne fordern einen zentralen Gedenkort für alle

In Neukölln werden Straßen nach zwei getöteten Polizisten umbenannt. Einen zentralen, offenen Gedenkort gibt es nicht. Das wollen Berlins Grüne ändern.

Vorbild Brandenburg: Die "Stätte der Erinnerung und Mahnung" für getötete Polizisten wurde im November in Potsdam eingeweiht.
Vorbild Brandenburg: Die "Stätte der Erinnerung und Mahnung" für getötete Polizisten wurde im November in Potsdam eingeweiht.Foto: Bernd Settnik/dpa

Bislang hat die Berliner Polizei an die Dienst getöteten Berliner Polizisten jedes Jahr am Volkstrauertag mit internen Veranstaltungen erinnert. Jetzt aber fordert der Grünen-Innenpolitiker Benedikt Lux, dieses Gedenken für die Öffentlichkeit zu öffnen und in einem größeren Rahmen zu begehen.  

Damit greift Lux einen Antrag seines Parteikollegen Christian Hoffmann aus Neukölln auf. Der bringt in eineinhalb Wochen einen Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung ein. Demnach soll sich das Bezirksamt beim Senat dafür einsetzen, einen berlinweit zentralen Gedenkort einzurichten.

Erst in dieser Woche hatte der Verkehrsausschuss der Bezirksverordneten entschieden, dass zwei Straßen nach den beiden im Dienst getöteten Polizisten Uwe Lieschied und Roland "Boulette" Krüger zu benennen.

Die Gräber der beiden Polizisten auf dem Parkfriedhof in Britz wurden Anfang April verwüstet und mit Hakenkreuzen geschändet. Zusätzlich soll, so der Beschluss des Ausschusses, ein zentraler Gedenkort im Neuköllner Rathaus eingerichtet werden.

Christian Hoffmann reicht das nicht aus. Es handle sich um eine Aufgabe für das gesamte Land Berlin. Der Senat müsse dafür Sorgen, dass an einem öffentlich zugänglichen Gedenkort an die getöteten Beamte erinnert wird. Bislang hat die Polizei in ihrem Präsidium am Platz der Luftbrücke eine Gedenkbuch ausgelegt. „Da kommt man aber nicht so einfach hinein“, sagt Hoffmann.

Auch der Grünen-Innenpolitiker Lux erachtet es als notwendig. Das Gedenken an im Dienst verstorbene Polizisten jeden November im Polizeipräsidium in kleinem Kreis sei zwar würdig und angemessen. „Es könnte aber auch öffentlich und in einem größeren Rahmen stattfinden“, sagte Lux dem Tagesspiegel.

Als Beispiel führt Lux das Nachbarland Brandenburg an. Dort hatte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) im November auf dem Gelände des Polizeipräsidiums in Potsdam eine Gedenkstätte für im Dienst ermordete Polizisten eröffnet.

Die „Stätte der Erinnerung und Mahnung“ soll für Angehörige und Kollegen ein zentraler Ort zum Trauern und Gedenken sein. Neben einer mehr als zwei Meter hohen Stele stehen drei kleinere - mit den Namen der vier getöteten Brandenburg Beamten. 

In Berlin ist die Zahl der getöteten Polizisten noch weitaus höher – und Berlin habe dennoch keinen solchen Gedenkort, sagte der Innenpolitiker. Und Berliner Feuerwehr und Rettungsdienst nutzten den „Feuerwehrbrunnen“ am Mariannenplatz für das jährliche Gedenken.

„Die Polizeimitarbeiter üben ihren Dienst unter erhöhter Gefährdung für Leib und Leben aus. Seit 1945 haben 362 Polizist in Deutschland ihr Leben im Dienst verloren, darunter mehr als 30 in Berlin“, sagte Lux.

Polizeigewerkschaft unterstützt den Vorschlag

Deshalb will der Grünen-Politiker nun das Gespräch mit dem Senat, der Polizei, aber auch mit den Angehörigen der getöteten Polizisten suchen. Dabei solle es um die Frage gehen, wo „ein angemessenes und würdiges Gedenken an die für unsere Sicherheit gestorbenen Polizisten stattfinden kann, an dem auch mehr Polizistinnen und Polizisten, aber auch interessierte Berlinerinnen und Berliner teilnehmen können“, sagte Lux. Auch ob ein dauerhafter Erinnerungsort in Berlin gewünscht sei, müsse besprochen werden.  

Norbert Cioma, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), unterstützt den Vorschlag der Grünen: "Es wäre ein spürbares Zeichen der Wertschätzung, das längst überfällig ist", findet er. "Unsere Kolleginnen und Kollegen riskieren tagtäglich ihr Leben für die Sicherheit der Menschen in dieser Stadt, einige von ihnen haben diesen Einsatz mit ihrem Leben bezahlt. Wir sind es ihnen schuldig, dass ihr Andenken nicht nur im stillen Kämmerchen am Platz der Luftbrücke hochgehalten wird, sondern auch öffentlich jedem in Erinnerung ruft, welche Anerkennung ihnen gebührt."

Immerhin ist es auch ein Durchbruch, dass die beiden Beamten Lieschied und Krüger jetzt mit Straßennamen in Neukölln geehrt werden. Lieschied war Zivilfahnder im Abschnitt 55 in Neukölln. Am 17. März 2006 wurde er bei einem Einsatz in der Hasenheide durch einen Kopfschuss schwer verletzt, vier Tage später verstarb er im Krankenhaus. Lieschieds Revier grenzte an die Morusstraße.

Krüger wurde im April 2003 in den Kopf geschossen, als er an der Spitze eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) eine Wohnung in der Kopfstraße stürmte. Dort sollte ein Mitglied einer libanesischen Großfamilien festgenommen werden, der Mann war an einer Messerstecherei in einer Diskothek - einer Auseinandersetzungen zwischen Clans - beteiligt gewesen. Roland "Boulette" Krüger verstarb am 27. April, sein Todestag hat sich vor wenigen Tagen gejährt.

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