Glosse zum Prinzenbad : Ein Schlag ins Wasser

Wasser am völlig falschen Ort, unfreundliche Mitarbeiter, eine stinkende Abgaswolke: Kolumnist Stephan Wiehler war im Prinzenbad - und hat einiges zu meckern. Ein Erfahrungsbericht.

Wenigstens die Bademeister haben unseren Autor in Ruhe gelassen. Er war mit seiner Familie im Kreuzberger Prinzenbad.
Wenigstens die Bademeister haben unseren Autor in Ruhe gelassen. Er war mit seiner Familie im Kreuzberger Prinzenbad.Symbolfoto: picture alliance / dpa

Die Stimme scheppert laut, aber unverständlich durch die Gegensprechanlage am Kassenhäuschen, der Ton ist barsch. Das Prinzenbad ist ein öffentliches Bad, irgendwie scheint das in Berlin dazuzugehören, dass Mitarbeiter eines kommunalen Unternehmens einen rauen Umgangston mit Kunden pflegen. Man wird hier in der Regel abweisender behandelt als im privat geführten Fitnessclub. Was schon deshalb merkwürdig ist, weil wir die öffentlichen Bäder und ihr Personal nicht nur durchs Eintrittsgeld, sondern zusätzlich mit unseren Steuern subventionieren.

Wer dafür Höflichkeit erwartet, ist schief gewickelt. Dabei ist es an diesem Sonntag noch früh, wir sind mit unseren Kindern schon um kurz vor neun Uhr da, um nicht in der Schlange stehen zu müssen und die unangenehmeren Gäste zu meiden, die später kommen, wenn auch die Security den Dienst am Einlass antritt. Für Stress gibt es also keinen Anlass. Die Sonne scheint.

Trotzdem ist es um die Willkommenskultur am Kiosk nicht besser bestellt. Auf die Frage, ob es Kekse gebe, bekommt man zur Antwort: „Nö.“ Damit ist alles gesagt, aber wenig Kundenfreundlichkeit gezeigt. Auf der Liegewiese angekommen, staunen wir, dass die Rasensprenger ausgerechnet um diese Zeit im vollen Einsatz sein müssen. Wäre es nicht sinnvoller, das Wässern der Wiesen abends nach Schließung des Bades zu erledigen? Ganz weit hinten finden wir noch ein trockenes Plätzchen.

Auch dort bleiben wir nicht verschont. Ein Mitarbeiter tuckert mit einem kleinen Servicefahrzeug über den Rasen. Er steigt vom Wagen, um die Frischwasserleitungen zu schließen. Den Motor lässt er laufen, eine Abgaswolke hüllt unser Handtuchlager ein. „Hallo!? Würden Sie den Motor bitte abschalten!“, fragen wir. „Ja, gleich“, ruft es zurück. Aber wir warten vergeblich, um Atemluft ringend. Es vergehen lange Minuten. Dann endlich sitzt der Mann wieder auf und braust stinkend davon.

Es war trotzdem schön im Prinzenbad. Die Bademeister haben uns in Ruhe gelassen.

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