Greenpeace-Protest in Tiergarten : "Wir haben noch keine Rechnung erhalten"

Für ihre Farbaktion an der Siegessäule erntete Greenpeace viel Gegenwind. Die BSR will 15.000 Euro für die Reinigung. Interview mit einem Sprecher der Organisation

Unter dem Motto "Sonne statt Kohle" haben Greenpeace-Aktivisten gegen die Sitzung der Kohlekommission protestiert.
Unter dem Motto "Sonne statt Kohle" haben Greenpeace-Aktivisten gegen die Sitzung der Kohlekommission protestiert.Foto: dpa

Herr von Lieven, die Greenpeace-Farbaktion auf den Straßen des Großen Stern wird teuer. Die BSR will 15.000 Euro Reinigungskosten. Haben sich schon empörte Mitglieder gemeldet, die den Umgang mit ihren Spendengeldern kritisieren?


Wir haben bisher keine Rechnung erhalten. Wir haben nur in der Presse gelesen, dass etwas angedacht sein soll. Wenn wir eine Rechnung erhalten und die berechtigt ist, werden wir natürlich bezahlen.


Ja, denken Sie denn, dass eine Rechnung unberechtigt sein könnte?


Das kann ich noch nicht sagen, es gibt ja noch keine.


Wenn Sie Straßen beschmieren, ist doch klar, dass eine Rechnung kommen wird.


Warten wir es doch mal ab, ich bin noch gar nicht sicher, dass da etwas kommen wird. Aber wenn es berechtigte Forderungen sind, bezahlen wir die natürlich.


Betroffene Autofahrer haben sich allerdings schon gemeldet.


Ja, zehn bisher. Die wollten die Kosten für die Waschstraße bezahlt haben, die mussten ihr Fahrzeug reinigen lassen. Sie haben Fotos beigelegt. Da haben wir gesagt: Klar, wenn ihr betroffen seid, bezahlen wir natürlich. Und wir haben uns für die Unannehmlichkeiten entschuldigt.


Gegen Greenpeace wird auch wegen Verdachts der Gewässerverunreinigung ermittelt. Tolle Werbung für eine Umweltorganisation.


Von mutmaßlichen Ermittlungen wissen wir nur aus den Medien. Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, uns etwas vorzuwerfen. Wir haben prüfen lassen, ob die Farbe umweltverträglich ist. Ergebnis: keine Gefahr. Wir hatten auch nach der Aktion Kontakt mit dem Hersteller. Und wir haben ein hydrologisches Gutachten eingeholt, das uns ebenfalls die Umweltverträglichkeit der Farbpigmente bestätigt hat. Aus unserer Sicht war die Aktion mit dieser Farbe zu verantworten.


Es bestand die Gefahr, dass Radfahrer auf dieser Farbe ausrutschen. Haben Sie Unfälle als Kollateralschaden einkalkuliert?


Nein, natürlich nicht. Deshalb standen wir an allen Radwegen mit zwei Leuten mit Warnschildern und Warnwesten und haben auf die nasse Fahrbahn hingewiesen. Wir hatten uns vorgenommen, dafür zu sorgen, dass auf keinen Fall Unfälle passieren. Das ging aber nur, solange wir selbst da waren.

Ein kleines Problem hatten wir aber: Die Polizei erteilte uns einen Platzverweis und nahm unsere Schilder weg. Ab diesem Moment, davon gehe ich aus, liegt die weitere Verantwortung bei denen, die uns wegschickten. Während wir da waren, gab es meiner Kenntnis nach keine Unfälle, die im Zusammenhang mit unserer Arbeit standen.


Einen Fahrradunfall gab es.


Ich war die ganze Zeit vor Ort. Dieser Unfall ist auf dem Radweg passiert, wo es keine Farbe gab. Da ist ein anderer Radfahrer mit überhöhter Geschwindigkeit in eine Frau reingefahren, die an einer Ampel stand. Das hatte aber nichts mit der Aktion zu tun.

Christoph von Lieven, 55, ist Klimaexperte von Greenpeace und zugleich Sprecher der Umweltorganisation. Er war bei der Farbaktion von Greenpeace am Großen Stern
vor Ort.


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