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Hans-Christian Ströbele wird 80 : „Ich steh daneben und wundere mich"

Der ehemalige Kreuzberger Bundestagsabgeordnete und Mitbegründer der Grünen bleibt auch als APO-Opa politischer Aktivist. Eine Gratulation.

Die Politik lässt ihn nicht los. Hans-Christian Ströbele feiert seinen 80. Geburtstag
Die Politik lässt ihn nicht los. Hans-Christian Ströbele feiert seinen 80. GeburtstagFoto: Rolf Zoellner/epd

Mensch, irre, Ströbele wird 80! Gäbe es in Kreuzberg einen Mount Rushmore, der hagere Charakterkopf des Grünen-Urgesteins gehörte auf jeden Fall in den Fels gehauen. AL-Mitbegründer, Verteidiger des liberalen Rechtsstaats, Milchtrinker, Hanf-Aktivist und radfahrender Ehrengast auf jeder 1.-Mai-Demo. Geboren am 7. Juni 1939. Echt jetzt?

„Daran erinnere ich mich nicht mehr“, sagt er. Und wo beginnen sie, die Erinnerungen des Hans-Christian Ströbele. „Vielleicht fünf Jahre später, vor dem Volksempfänger, da wurden am Ende der Nachrichten immer die Siege der Wehrmacht vermeldet.

Und als der Krieg zu Ende war, da habe ich als Kind gedacht: Jetzt haben sie nichts mehr zu melden, nun bringen sie nur noch Wetterberichte.“

Wie es ihm geht? „Schlecht.“ Eine längere Krankheitsphase liegt hinter ihm, den Krebs vor einigen Jahren hat er zwar überstanden, aber das Gehen fällt schwer: „Ich kann mich in der Wohnung nur noch mit dem Stock bewegen, draußen brauche ich Begleitung.“ Sogar beim Grünen-Landesparteitag Anfang April habe er gefehlt. „Ich glaube, das ist mir noch nie passiert.“

Ein paar Zwischenfragen für Bundestagsdebatten hätte er noch

Die Grünen kommen ohne ihn klar, „das muss auch so sein“. Aus dem Bundestag hat er sich 2017 verabschiedet. Aber einen wie Ströbele lässt die Politik natürlich nicht los. „Wenn ich Bundestagsdebatten höre, ärgere ich mich schon manchmal, dass ich keine Zwischenfrage mehr stellen kann.“

Aber politisch aktiv kann man ja auch außerhalb des Parlaments sein, wer wüsste das besser als der alte APO-Aktivist. Heute, zu seinem 80. Geburtstag, lädt er Familie und Weggefährten zur Bootsfahrt über Spree und Landwehrkanal ein.

Auf einem Solarboot selbstverständlich. „Das ist auch eine politische Botschaft“ – Ströbele will ein Zeichen setzen für die Verkehrswende auf dem Wasser.

Dass dort die großen Schiffe immer noch ungefiltert herumdieseln dürfen, ist ihm ein Graus. Außerdem müsste es in der Wasserstadt Berlin viel mehr Anlegestellen für die umweltfreundlichen Boote geben, findet er. Christian, der Kampf geht weiter!

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