• "House of One" in Berlin: Unternehmerin Dussmann zieht sich wegen Gülen-Bewegung aus Religionsprojekt zurück

"House of One" in Berlin : Unternehmerin Dussmann zieht sich wegen Gülen-Bewegung aus Religionsprojekt zurück

Das "House of One" soll Christen, Muslime und Juden vereinen. Doch aus Sicht der Unternehmerin Dussmann erzeugten die muslimischen Vertreter Konflikte.

Am Petriplatz in Mitte soll das "House of One" entstehen.
Am Petriplatz in Mitte soll das "House of One" entstehen.Foto: epd

Die Berliner Unternehmerin Catherine Dussmann zieht sich aus dem interreligiösen Projekt „House of One“ zurück. Sie erklärte ihren Rückzug aus der Stiftung für das Drei-Religionen-Haus am Petriplatz in Mitte. Zur Begründung erklärte Dussmann in einer Pressemitteilung, sie könne die polarisierende Präsenz des muslimischen Trägervereins nicht mehr akzeptieren.

Dieser Verein gehört der Gülen-Bewegung an, die der türkische Präsident Erdogan für den Putschversuch 2016 in der Türkei verantwortlich macht, seither sitzen tausende tatsächliche oder vermeintliche Gülen-Anhänger in Haft. Die Gülen-Bewegung weist die Putschvorwürfe aber strikt zurück. Andere muslimische Verbände und Moscheevereine lehnen die Gülen-Bewegung als Partner ab. Allerdings sind diverse Moscheevereine aufgrund ihrer Ausrichtung auch umstritten.

Dussmann ist weiterhin von dem Vorhaben überzeugt

„Ich kann kein Projekt unterstützen, das anstelle Verständigung und Dialog zwischen und innerhalb der Religionen zu fördern, neue Konflikte erzeugt“, heißt es in dem Statement von Catherine Dussmann. Sie sei aber weiter von dem Vorhaben „House of One“ überzeugt, weil die Hauptstadt einen Dialog-Raum der Religionen benötige.

Es gab schon früher Kritik und Diskussionen um den Verein, weil er die einzige muslimische Vertretung in der Stiftung ist. Die anderen Träger des Projekts sind die evangelische Gemeinde St. Petri-St. Marien und das Abraham-Geiger-Kolleg, ein Rabbiner-Seminar.

Der Bau soll im nächsten Jahr beginnen

„Das House of One“ soll drei Religionen vereinen. Dort soll es drei sakrale Räume geben, die um einen vierten Raum platziert sind, der von allen Religionen genutzt werden kann. Der Bau soll an jenem Platz entstehen, an dem früher die Petrikirche stand, die 1945 zerstört und 1964 abgetragen wurde. Die Grundsteinlegung ist für 2020 geplant.

Dussmanns Rückzug kam nur zwei Tage, nachdem der Berliner Senat der Stiftung das Grundstück für einen Euro per Erbpacht für 99 Jahre übertragen hat. Der Bau soll 43,5 Millionen Euro kosten. 8,5 Millionen sind durch Spenden finanziert, der Bund überweist zehn Millionen Euro, wenn das Land Berlin den gleichen Betrag beisteuert. Die noch verbleibende Restsumme soll durch weitere Spenden gedeckt werden.

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