• Jung, kulturnah und gut vernetzt: „Wie kann die Kirche eine Stimme in der Berliner Gesellschaft haben?“

Jung, kulturnah und gut vernetzt : „Wie kann die Kirche eine Stimme in der Berliner Gesellschaft haben?“

Friederike Krippner ist neue Direktorin der Evangelischen Akademie. Unter ihr soll die Kirche sichtbarer werden und mehr junge Menschen begeistern.

Friederike Krippner ist die neue Direktorin der Evangelischen Akademie zu Berlin.
Friederike Krippner ist die neue Direktorin der Evangelischen Akademie zu Berlin.Foto: Fotostudio Charlottenburg.

Ihr Eckbüro liegt direkt am Gendarmenmarkt. Vom Fenster aus blickt sie auf die Französische Friedrichstadtkirche, das Konzerthaus und schräg über den Platz zur Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, ihrem ehemaligen Arbeitsplatz.

Doch seit Montag ist Friederike Krippner in einer anderen Akademie beschäftigt: Als Nachfolgerin des nach Schleswig-Holstein gegangenen Theologen Rüdiger Sachau leitet die 38-jährige promovierte Literaturwissenschaftlerin die Evangelische Akademie zu Berlin.

Und schon der berufliche Werdegang von Krippner ist für eine solche Stelle bemerkenswert: Denn Krippner studierte Theologie nur im Nebenfach. Erfahrungen sammelte sie hingegen im Kultur- und Medienmanagement: In der Akademie der Wissenschaften gehörte sie zu den Organisatorinnen einer der bekanntesten Veranstaltungen der Akademie, des Salons Sophie Charlotte. Und an der Humboldt-Universität war sie für drei Monate Gründungskoordinatorin des Zentralinstituts für Katholische Theologie.

„Mir geht es um die Frage: Wie kann die Kirche eine Stimme in der Berliner Gesellschaft haben?“, sagt Krippner. „Ich glaube, dass wir gerade in den ethischen Fragestellungen sehr viel zu sagen haben.“ Die Akademie sei einer der zentralen Orte, an denen die Kirche in den Diskurs mit der Gesellschaft treten könne. „Wir sind hier schließlich mitten am Gendarmenmarkt.“

Doch während sich in der Evangelischen Akademie in der Vergangenheit nahezu alle Mitglieder des Bundeskabinetts ein Stelldichein gaben, ist es um die Einrichtung, zu der neben den Räumen am Gendarmenmarkt auch die evangelische Tagungsstätte auf der Havelinsel Schwanenwerder gehört, in den letzten Jahren ruhiger geworden.

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„Man muss uns stärker in der Stadt wahrnehmen“, sagt Krippner. Innerhalb der evangelischen Kirche stehe die Akademie gut da. An der Präsenz in Stadt und Gesellschaft könne man aber noch arbeiten. Dazu kann sicher von Nutzen sein, dass Krippner als Mitglied im „Forum Zukunft Kultur“ und in der „Stiftung Zukunft Berlin“ mit Akteuren der Stadt gut vernetzt ist.

Mehr junge Menschen begeistern

Krippner hat sich auch vorgenommen, ein jüngeres Publikum an die Akademiearbeit heranzuführen. „Wir wollen die Menschen, die da sind und die uns wichtig sind, nicht verlieren – aber durch die Zusammenarbeit mit externen Partnern auch ein neues Publikum erschließen.“

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Vorerst freilich geht das in der Evangelischen Akademie nur per Videokonferenz. Erst im Herbst sollen, soweit es die Corona-Lage dann erlaubt, die ersten Veranstaltungen wieder als Präsenzveranstaltungen stattfinden, sagt Krippner. Und wenn es nach der neuen Akademiedirektorin geht, soll es dann auch vermehrt Termine in Brandenburg geben.

„Wir sind schließlich nicht nur die von der EKD und der Landeskirche getragene Akademie in Berlin, wir sind die Akademie der ganzen Landeskirche“, sagt Krippner. „Und ich habe im Sommerurlaub in Brandenburg gemerkt, wie schwer es ist, dort eine Veranstaltung zu verfolgen, die per Videokonferenz durchgeführt wird – das geht einfach gar nicht.“

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