Kartenspiel "Bergnein" : Das Berghain kann auch spießig

Einmal Türsteher im berühmten Technoclub Berghain sein, über cool oder nicht cool genug entscheiden - ein Spiel macht's möglich. Der echte Club findet das allerdings gar nicht cool.

Julia Kopatzki
Hat natürlich nichts mit dem Berliner Technoclub zu tun.
Hat natürlich nichts mit dem Berliner Technoclub zu tun.Bergnein

Beim Berghain ist man sauer. Jemand hat sich erdreistet, den Hype um den Club aufzugreifen. Ohne vorher zu fragen! Alexander Kandiloros, ein schwedischer Designer, hat ein Kartenspiel entworfen, das dem Berghain möglicherweise ähnlich sieht. Und dann heißt es auch noch „Berghain ze Game“ – jaja, die Deutschen und ihr lustiges Englisch.

Kandiloros, nach eigenen Angaben großer Berghain-Fan, hat allerdings nicht gewusst, oder wollte nicht wissen, dass die Betreiber des Techno-Tempels auf so etwas sehr wirsch reagieren können: Als die Berghain-Macher davon Wind bekamen, waren sie, wie so oft, eher unbegeistert und klagten direkt mal gegen das Spiel. In Deutschland, in Schweden und auf europäischer Ebene. Das Berghain hält es bei Klagen offensichtlich wie einige der Partygäste: Viel hilft viel.

Das Erstaunliche daran ist die Spießigkeit, die das Berghain damit umgibt. Sonst gesetzlos und wild, hört der Spaß auf, wo Markenrechte verletzt werden.

Die Spieler werden zu Türstehern

Dabei dürfte das Spiel vor allem zum Hype um den legendären Club beitragen. Die Spieler werden zu Sven Marquardt, Türsteher-Legende: coole Leute rein, uncoole Leute weg. Gewonnen hat der, dessen Partycrowd am coolsten ist. Leute in Lack und Leder bringen 5 Punkte, ein Tourist Minuspunkte. Fast wie im echten Leben.

Das Berghain aber hat darauf keinen Bock: Leute, die sich für einen Abend am Küchentisch fühlen dürfen, als seien sie der Chef-Türsteher schlechthin? Wo kämen wir denn dahin! Also wird geklagt. Zwischenzeitlich versuchten sie auch die Crowdfunding-Kampagne zu stoppen.

Fast, wie in echt.
Fast, wie in echt.Bergnein

Noch ist das Spiel online erhältlich. Erfinder Kandiloros hat es aber umbenannt: „Bergnein“ heißt es jetzt und auf der Website steht „Falls es nicht eh schon klar ist: Bergnein hat auf keinen Fall in keiner Form irgendetwas mit dem Berghain zu tun.“ Besänftigt sind die Berghainis, wie sie liebevoll genannt werden, trotzdem nicht. Die Klagen laufen.

Hätte das Berghain weniger Brimborium gemacht, wenn Kandiloros vorher gefragt hätte? Schließlich gibt und gab es genug berghainbezogenen Kram, der nicht vor Gericht landete: ein Spiel, mit dem man trainieren kann, wie man an den Türstehern vorbeikommt, oder das Birdhain, ein Vogelhaus in der Silhouette des Clubs. Das Problem beim Nachfragen: Für Normalsterbliche ist ein Kontakt zum Berghain quasi unerreichbar. Es tutet und tutet und tutet. Auch für uns.

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