Kinobesitzer Mohamed Soliman : Vom Feuerschlucker zum Kinozar

Mohamed Soliman war um 1900 nach Berlin gekommen, in Rummelsburg eröffnete er eines der ersten Stummfilmkinos. Nun erinnert eine Gedenktafel an den Kinobesitzer.

Soliman gründete in Rummelsburg eines der ersten Stummfilmkinos Berlins. Hier ist das ehemaligen Stummfilmkino Delphi zu sehen.
Soliman gründete in Rummelsburg eines der ersten Stummfilmkinos Berlins. Hier ist das ehemaligen Stummfilmkino Delphi zu sehen.Foto: Thilo Rückeis

„Ein echter Orientale, feurig, beweglich, von rascher Auffassung“, dazu ein „vorzüglicher Geschäftsmann“ und „eine führende Persönlichkeit der Gegenwart“ – die von nationalen Klischees nicht ganz freie, doch überaus positive Würdigung erfuhr der aus Ägypten stammende Geschäftsmann Mohamed Soliman 1921 in einer Berliner Zeitung. Damals war er auf dem Unterhaltungs- und besonders dem Kinosektor der deutschen Hauptstadt eine große Nummer, an den heute hier aber nur noch wenig erinnert.

Immerhin, es gibt einen imposanten Grabstein auf dem Islamischen Friedhof am Columbiadamm, wo Soliman und seine deutsche Ehefrau Martha begraben liegen und den er als Mitglied des Orientclubs finanziell unterstützt hatte. Und es gibt nun auch, wie die Senatskulturverwaltung am Donnerstag mitteilte, eine „Berliner Gedenktafel“ in der Oranienburger Straße 65 in Mitte, der letzten Adresse des Kinobesitzers und Theaterdirektors. Sie war tags zuvor enthüllt worden, in Anwesenheit von Solimans Enkelin Miriam Mahdi.

Mohamed Soliman (1878–1929) war um 1900 als orientalischer Zauberkünstler und Feuerschlucker aus Kairo nach Berlin gekommen – neben seinen Fertigkeiten offenbar auch mit einem ausgeprägten Geschäftssinn ausgestattet. Sechs Jahre später eröffnete er in Rummelsburg ein Kino, vor dem er ägyptische Studenten mit rotem Fez für die Aufführungen werben ließ.

Von 1910 bis 1923 leitete er im Luna-Park in Halensee die „Orientalische Abteilung“, samt damals üblicher Völkerschauen. In seinem „Somalidorf“ gab es Beduinen, Somalis und Sudanesen samt ihren Tieren zu bestaunen, gern besucht war auch seine „Straße in Kairo“. 1915 konnte er dann sogar in der berühmten Kaiser-Passage zwischen dem Boulevard Unter den Linden und der Friedrich- Ecke Behrenstraße Fuß fassen.

Er wurde Direktor das Passage-Panoptikums, des Passage-Theaters und des Linden-Cabarets, richtete auch im ehemaligen Café Keck eine Orientalische Diele ein. Das Theater wandelte er in ein Kino-Varieté um, in dem unter anderem Filme von Charlie Chaplin ihre deutsche Uraufführung hatten. Als Geschäftsmann förderte Soliman Kino und Theater, wurde auch Anlaufstelle für exilierte Ägypter wie den im Berliner Exil lebenden, hier auch gestorbenen Führer der Ägyptischen Nationalpartei, Mohammad Farid. Soliman selbst starb 1929 unerwartet mit nur 51 Jahren.

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