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Klima-Demo in Berlin : Altmaier will streikende Schüler treffen

Schüler demonstrieren am Freitag in Berlin für mehr Klimaschutz. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will mit ihnen über ihre Anliegen sprechen.

Mehrere hunderte Schüler demonstrierten am 18.01.2019 für das Klima vor dem Bundestag in Berlin.
Mehrere hunderte Schüler demonstrierten am 18.01.2019 für das Klima vor dem Bundestag in Berlin.Foto: RubyImages/F. Boillot

Mit Plakaten wie "Keine Kohle in Bowle" und "Wir haben keinen Planeten B" demonstrierten mehrere tausend Schüler am Freitag in Berlin - und in ganz Deutschland - für einen besseren Umweltschtuz. Vor dem Bundeswirtschaftsministerium in der Invalidenstraße versammelten sich Schüler aus dem ganzen Bundesgebiet - neben Berlinern kamen auch Grund- und Oberschüler aus Mainz, Freiburg und Hamburg.

Manche berichteten, dass sie für die Demo die Schüle geschwänzt und Tests verpasst hätten - auf die sie dann eine sechs bekommen hätten. Andere erzählen von Gesprächen mit der Schulleitung, die daraufhin einer Exkursion zur Demo zugestimmt hätte.

Es ist bislang die größte Demo junger Menschen in Deutschland für Klimaschutz. Auch Ai Weiwei war mit seinem neunjährigen Sohn und seiner Partnerin bei dem Protest. "Ich bin beeindruckt von der Energie und Kraft der jungen Leute", sagte er. Aber die Rettung der Erde gehe Menschen jeglichen Alters etwas an.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat Verständnis für ihre Anliegen geäußert. Für12 Uhr hatte er ein Treffen mit Schülern vereinbart, die am Freitag vor seinem Ministerium in Berlin demonstrieren.

"Ich werde mit den Beteiligten reden und auf sie zugehen", sagte Altmaier dem "Spiegel" am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Er freue sich immer, wenn "gerade junge Menschen vom Demonstrationsrecht Gebrauch machen". Der Minister fügte hinzu: "Ob sie das während der Schulzeit tun müssen, sollen sie mit ihren Lehrern klären."

Luisa Neubauer, die den Berliner Streik mitorganisiert, bestätigt das Treffen . Sie selbst geht heute nicht zur Universität, um an der Demonstration teilzunehmen. "Ein wenig latenten Gegenwind erfahre ich schon", sagt sie zu den Reaktionen ihrer Kommilitonen. Wegen des Streiks werde sie wahrscheinlich eine Prüfung nicht schaffen. "Aber der Einsatz für eine lebenswerte Zukunft auf der durch den Klimawandel bedrohten Erde ist es mir wert."

Zur womöglich entscheidenden Sitzung der Kohlekommission am Freitag in Berlin wollen Jugendliche erneut die Schule boykottieren und für Klimaschutz demonstrieren. Nach Angaben des Aktionsnetzwerks Fridays for Future werden dazu tausende Schüler und andere junge Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet. Sie wollen vor dem Bundeswirtschaftsministerium protestieren. Auch eine Zwischenkundgebung am Bundeskanzleramt ist geplant.

In einem Aufruf macht der BUND-Jugend Berlin sein Anliegen deutlich: „Wir durchlöchern die Erde auf der Suche nach Metallen für Handys und Co., verheizen klimaschädliche Kohle und schmeißen tonnenweise Plastikmüll ins Meer. Wir gehen mit der Welt um, als hätten wir eine zweite im Keller. Wenn alle Menschen so leben und wirtschaften würden wie in Deutschland, wären Berechnungen zufolge sogar mehr als drei Planeten notwendig.“ Auch die Schülerinitiative „Fridays for Future“ mobilisierte im Vorfeld für die Schülerdemo. Wirtschaft, Politik und Bürgerschaft sollten endlich tiefgreifende Schritte zum Stopp des Klimawandels tun.

Angesichts der Dramatik der Lage „gehen wir nicht in die Schule, zur Uni, zur Arbeit“. Aus vielen Städten seien Busreisen von jungen Menschen nach Berlin geplant, nach der Initiative der schwedischen Schülerin Greta Thunberg. Laut Senatsbildungsverwaltung gilt die Schulpflicht, es gebe aber Ermessensspielräume – etwa im Rahmen von Projekttagen zum Klimaschutz. In Berlin startet der Auftaktprotest um 12 Uhr (Bundeswirtschaftsministerium, Invalidenstraße 48), dann Kanzleramt, 13 Uhr; um 13.30 Uhr Kundgebung zwischen Kanzleramt und Bundestag; ab 14 Uhr zurück zum Ministerium, Abschlusskundgebung. In Berlin tagt an dem Tag die Kohlekommission.

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