Klimafreundliche Stadtentwicklung : Berlin kürt schönstes Gründach

Der Wettbewerb um die schönste Dachbegrünung ist im vollen Gang. Jeder kann online für seinen Favoriten stimmen.

Berlins irrste Dachgärten. Berühmt (aus der U.Bahn): der Garten an der Oberbaumbrücke.
Berlins irrste Dachgärten. Berühmt (aus der U.Bahn): der Garten an der Oberbaumbrücke.Foto: promo/BWB

Berlin soll grüner werden – zumindest oben herum. Während der Boden immer weiter zugebaut wird, können bewachsene Dächer die Nebenwirkungen der zunehmenden Versiegelung wie fehlende Versickerungsmöglichkeit für Regenwasser und die Hitzeentwicklung im Sommer lindern. Im nächsten Frühjahr will die Umweltverwaltung ein „1000 grüne Dächer“-Förderprogramm auflegen, und schon jetzt versuchen die Berliner Wasserbetriebe (BWB), das Thema breit bekannt zu machen. Als Betreiber der Kanalisation haben sie auch ein ganz praktisches Interesse daran, dass Berlin zur „Schwammstadt“ wird, die Regenwasser speichert, statt bei Unwettern die Kanalisation zu überfluten und die Gewässer zu verschmutzen.

13 überzeugende Bewerbungen

Also haben die Wasserbetriebe einen Wettbewerb „Berlins schönstes Gründach“ gestartet, der jetzt in die Schlussphase geht: Von diesem Montag an kann jeder online seinen Favoriten wählen. Dem Gesamtsieger winken Ruhm und ein Wassersprudler. Im Rennen sind noch fünf Dächer. Fachleute der BWB hatten aus den Bewerbungen zunächst 13 überzeugende ausgewählt, die dann einer Fachjury vorgelegt wurden. Der gehörten neben Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) BWB-Vorstandschef Jörg Simon, Darla Nickel als Chefin der hauseigenen Regenwasseragentur, Jan Edler vom Projekt Flussbad Berlin, Martin Erdmann vom Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, Gunther Mann vom Bundesverband Gebäudegrün sowie der Autor dieses Textes an. Fünf Finalisten waren zu küren; bewertet wurden gestalterische Qualität, der Effekt für Lebens- und Umweltqualität und der Beitrag der Fläche zu Stadtklima und Regenwassermanagement.

Claus Lutterbecks Apfelbäumchen erhielten die meisten Punkte

Spontane Begeisterung löste in der Jurysitzung der Dachgarten des Schöneberger Hauseigentümers Claus Lutterbeck aus: Kräuter, Gemüse, Blumenpracht und sogar ein Apfelbäumchen auf 150 Quadratmetern über den Dächern eines Altbaukiezes. Ein geländerloser Platz an der Sonne für Schwindelfreie. Für einen Schwindelfreien, genau genommen, was ein bisschen gegen diesen Garten sprach. Denn von anderen Grünflächen wie auf Krankenhäusern und Bürogebäuden profitieren viele. Zugleich betonte BWB-Chef Simon, privates Engagement beeindrucke ihn oft mehr als das von Unternehmen. Deshalb fiel auch das Gründach der Investitionsbank IBB durch, zumal das nicht für die Mitarbeiter nutzbar ist. Nickel und Erdmann lobten den enormen Effekt der „vom Dach aus begrünten“ Fassade des St. Joseph-Krankenhauses in Weißensee für Mikroklima und Gebäudeisolierung. Ein 1450 Quadratmeter großes Baugruppendach in der Haasestraße in Friedrichshain löste mit seinen schlichten Beeten und dem Rasen mit Sandkasten wenig Euphorie, aber viel Anerkennung aus: „Die haben das in der Baugruppe ausdiskutieren müssen“, bemerkte Edler, und Erdmann lobte den sozialen Aspekt eines Dachs, das als Kleingarten und Nachbarschaftstreff – einschließlich Yoga und Konzerten – für 100 Bewohner fungiere.

Die fünf Finalisten

Trotz unterschiedlicher Geschmäcker fiel das Votum der Jury relativ klar aus. Die meisten Punkte – jedes Mitglied durfte fünf vergeben – erhielt Lutterbecks Privatdach, gefolgt vom begrünten Friedrichshainer Baugruppendach. Dahinter folgt das Marzahner Einfamilienhaus von Ingo Stutz, der sein Dach mit dickblättrigen Gewächsen bepflanzt hat, was im Sommer kühlt und sich bei Regengüssen vollsaugt und dadurch die Kanalisation entlastet. Außerdem schafften es das St. Joseph-Krankenhausdach und der direkt an der Oberbaumbrücke auf Höhe des U-Bahn-Viadukts gelegene Firmendachgarten der different GmbH: Aus 90 Kübeln sprießen Kräuter für den Tee im Winter, Gemüse für die Mittagspause und Blumen für Geburtstagssträuße. Dazwischen gibt es Pausenplätze, von denen die meisten Büromenschen nur träumen können.

Abstimmung: www.bwb.de/gruendach.

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