Landtagswahl in Brandenburg : Marie Schäffer holt erstes grünes Direktmandat

Das erste Grüne Direktmandat freut vor allem die Jüngeren in der Partei.

Katharina Wiechers
Die 28-jährige Marie Schäffer kam zum Informatikstudium nach Potsdam. Nun wird sie Landtagsabgeordnete.
Die 28-jährige Marie Schäffer kam zum Informatikstudium nach Potsdam. Nun wird sie Landtagsabgeordnete.Foto: PNN / Ottmar Winter

Marie Schäffer kommt – natürlich – mit dem Rad in das Potsdamer Café, in das der Pressesprecher der Brandenburger Grünen Journalisten im Halbstundentakt bestellt hat. Sie trägt Jeans und T-Shirt, schnallt sich beim Hereinkommen den Helm ab, atmet durch, grüßt mit festem Händedruck. Schäffer ist an diesem Montag eine der gefragtesten Gesprächspartnerinnen im Land, schließlich ist der 28-Jährigen eine Sensation gelungen: Als erste Grünen-Kandidatin überhaupt hat sie bei der Landtagswahl in Brandenburg ein Direktmandat gewonnen – ausgerechnet das von Klara Geywitz, die mit Olaf Scholz an die Spitze der SPD will.

Gerade hat Schäffer ihre ersten TV-Interviews gegeben. „Gewöhnungsbedürftig“ findet sie das große Medieninteresse. „Aber es war natürlich zu erwarten, dass das auch Aufmerksamkeit generiert, wenn wir zum ersten Mal das Direktmandat erreichen.“

Ein kompletter Neuling in der Politik ist sie nicht, schon seit vier Jahren sitzt die Informatikerin im Landesvorstand der Grünen. Doch der Öffentlichkeit wurde sie erst im Januar diesen Jahres bekannt, als sie überraschend bei der Kandidatenkür antrat – und sich gegen Janny Armbruster durchsetzte, die einige Monate zuvor bei der Potsdamer Oberbürgermeisterwahl gescheitert war.

Von einer Kampfkandidatur will Schäffer heute nicht mehr sprechen, es sei bei den Grünen „ganz normal“, dass die Basis mitentscheide, wer antritt, „ohne, dass es vorher ausgeklüngelt wird“. Tatsächlich gab es wohl aber einige, die von Schäffers Vorpreschen nichtgerade begeistert waren. Mittlerweile wird sie von den meisten Parteifreunden offenbar wohlwollend betrachtet. Es gebe viele junge Neu-Mitglieder bei den Grünen, sagt einer, der schon lange dabei ist. Dieser Trend habe Schäffer „hochgespült“. Sie habe aber einen guten Stand, gelte als wenig erfahren, dafür fleißig.

Das Gesicht der jüngeren Grünen-Generation

Über Potsdam hinaus aufgefallen war Marie Schäffer im Februar beim Landesparteitag der Grünen in Fürstenwalde. Bei der Aufstellung der Landesliste hielt sie eine Rede, die aufhorchen ließ, selbstbewusst, kämpferisch. Sie wolle das erste Direktmandat der Grünen in Brandenburg holen, verkündete sie, und wurde dafür vor allem von jüngeren Parteimitgliedern mit Applaus bedacht. Beim letzten Parteitag vor der Wahl in Potsdam, bei dem sich die Grünen im August auf den Wahlkampf einschworen und Schäffer als Potsdamerin die Eröffnung oblag, wirkte sie plötzlich leiser, etwas unsicher, so, als würde ihr klar werden, was da auf sie zukommen könnte als Landtagsneuling.

Mit der einstigen Konkurrentin Armbruster arbeitet Schäffer heute übrigens in der Potsdamer Stadtfraktion zusammen: seit der Kommunalwahl ist sie Stadtverordnete, ihre erste Parlamentserfahrung. „Macht Spaß“, sagt sie. Ob sie als junge Frau ernst genommen werde von den anderen Stadtverordneten? „Ich vermute mal spätestens jetzt.“ Man kann sich gut vorstellen, dass Schäffer eine ist, die leicht unterschätzt wird. Nahbar und unprätentiös tritt sie auf, zurückhaltend und höflich. Wie sie da im Café vor ihrer Apfelschorle sitzt, ungeschminkt und mit Pferdeschwanz, könnte man sie für noch jünger als 28 halten. Doch wenn es um Politik geht, wird ihre Mimik ernst und die Argumentation scharf, Unangenehmes moderiert sie routiniert ab – siehe Kampfkandidatur. Das hat sie schon verinnerlicht.

Wegen der Finanzkrise sei sie mit 18 den Grünen beigetreten, erzählt sie. Die FDP habe gerade damals so gute Umfragewerte bekommen, das machte sie wütend. Da lebte sie noch bei ihren Eltern in Bremen, später zog sie zum Studium nach Potsdam. Heute wohnt sie in Babelsberg, von ihrem Job bei der Landesdatenschutzbeauftragten wird sie jetzt freigestellt, nur noch ein paar Mal wird sie dort auftauchen. Dann geht es für Schäffer am Alten Markt weiter – im Brandenburger Landtag. (mit HK/mak)

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