Lebenshungrige Rallyefahrerin : Berlin nimmt Abschied von Heidi Hetzer

Bei der Gedenkveranstaltung in der Gedächtniskirche wurde geweint und gelacht. Unter den Trauergästen waren viele Prominente.

Robert S. Mackay, früherer Ehemann der Opelhändlerin, und die gemeinsame Tochter Marla Mackay Breuss spielten Sprachnachricht der Verstorbenen ab.
Robert S. Mackay, früherer Ehemann der Opelhändlerin, und die gemeinsame Tochter Marla Mackay Breuss spielten Sprachnachricht der...Foto: Soeren Stache/dpa

Breites Lächeln, den Blick in die Ferne gerichtet, auf dem Kopf die klassische Brille der Rallyefahrer: Heidi Hetzer blickte am Donnerstag noch einmal mit ihrem ganzen strahlenden Optimismus in die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, von zwei Fotos. "Ach, sagte Pfarrerin Kathrin Oxen zur Begrüßung, "wenn wir doch ewig Auto fahren könnten!" Nicht ganz ernst gemeint, aber doch im Sinne der legendären Autonärrin, die Ostern im Alter von 81 Jahren gestorben war. Es war eine sehr weltliche Gedenkfeier zwischen Tränen und Lachen, mit kuriosen, höchst weltlichen Gassenhauern und Chansons von der Orgel; beerdigt worden war Heidi Hetzer bereits am Dienstag in Gatow im kleinen Familienkreis.

Die Feier wurde gestaltet von alten Freunden, ehemaligen Mitarbeitern, Rallye-Fans und ihrem Ex-Mann Robert S. McKay, die alle persönliche Erinnerungen, Anekdoten, Würdigungen mitbrachten. McKay - die Ehe scheiterte bereits 1991 - spielte eine Tondatei vom Handy ab, die zeigte, wie vital und lebenshungrig Heidi Hetzer noch wenige Tage vor ihrem Tod war. Sie meldete sich Mitte April aus Kapstadt, schlug vor, man könne sich ja bald in Amerika treffen: "Mir geht es gut, ich bin glücklich!"

Sie hatte verrückte Ideen - und war erfolgreich

Heike Herzog, die Vertriebschefin von Opel für Ostdeutschland, würdigte den geschäftlichen Erfolg der Firma: "Heidi war eine der erfolgreichsten Opel-Händlerinnen in Deutschland, ein Nein hat sie selten akzeptiert". Noch vor zwei Jahren habe sie auf einer Fachveranstaltung ihre Prinzipien dargelegt: "Sie liebte Autos, aber die Menschen waren ihr nicht weniger wichtig." Offenbar waren die meisten Trauergäste in der gut besetzten Kirche Mitarbeiter der Firma, von der sich die Chefin erst 2012 trennte.

Ronald Hess, der damals eine Führungsposition innehatte, erinnerte an eine der verrückten Ideen seiner Chefin, die vor der Berliner Wahl 1999 über die Plakate nachgedacht hatte und vorschlug, man könne doch am Montag nach der Wahl damit was Lustiges, Werbewirksames machen. Alle Bedenkenträger unterlagen: Rund tausend Aufkleber mit dem Text "Absolute Mehrheit für Opel-Hetzer" wurden am frühen Morgen in der Innenstadt geklebt.

"Enge Vertraute" und prominente Trauergäste

Weitere Erinnerungen kamen von Thomas Leonhardt, einem Oldtimer-Kenner, der Heidi Hetzer als Beifahrer gedient hatte und wusste, dass es in dieser Rolle nichts zu melden gab: "Sie kam da um die Ecke geflogen, ohne Scheinwerfer und alles, sie wollte immer nur Auto fahren". Der Hotelmanager Paolo Masaracchia, der als "enger Vertrauter" eingeführt wurden, nannte sie "meine beste Freundin".

Die Unternehmerin mit dem Faible für Auto-Handtaschen war am 21. April im Alter von 81 Jahren gestorben.
Die Unternehmerin mit dem Faible für Auto-Handtaschen war am 21. April im Alter von 81 Jahren gestorben.Foto: dpa

Das offizielle, politische Berlin nahm an der Feier nicht teil, allerdings war Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann gekommen. Man sah Klaus Wowereit im Hintergrund, den Schauspieler Claus-Theo Gärtner, den FDP-Politiker Sebastian Czaja. Pfarrerin Oxen blickte zurück in die große Zeit des Autos, in der Heidi Hetzer groß geworden sei, und in der die Autos viel weniger Probleme gemacht hätten, als sie dies heute tun - insofern stehe ihr Tod auch für das Ende einer Ära. "So leb dein Leben", sang der Schaupieler Claudio Maniscalco zum Abschluss, die deutsche Version von Sinatras "My Way".

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