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Massiver Stellenabbau wegen Coronakrise : Easyjet plant Halbierung der Berliner Flotte

Die Fluggesellschaft Easyjet plant massive Kürzungen an den Flughäfen Tegel und Schönefeld. Verdi kritisiert Entscheidung.

Die Billigairline Easyjet plant einen massiven Stellenabbau.
Die Billigairline Easyjet plant einen massiven Stellenabbau.Foto: Peter Cziborra/Reuters

Der Billigflieger Easyjet will wegen der Coronakrise seinen Standort Berlin verkleinern. Die Airline habe mit den Vertretern von Piloten und Flugbegleitern Gespräche darüber aufgenommen, die Zahl von Flugzeugen und Beschäftigten in Berlin zu reduzieren, erklärte Easyjet am Mittwoch in London. Das sei im Rahmen des schon früher angekündigten Stellenabbaus notwendig, weil der Luftverkehr voraussichtlich erst 2023 das Vorkrisenniveau erreichen werde.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erklärte, geplant sei eine Halbierung von Flotte und Arbeitsplätzen. Zudem wolle sich Easyjet aus dem innerdeutschen Flugverkehr zurückziehen. Die Airline äußerte sich dazu nicht. Ein mit dem Vorgang Vertrauter bestätigte jedoch die Aussagen der Gewerkschaft. Derzeit hat Easyjet in Berlin rund 1500 Beschäftigte, an den Flughäfen Schönefeld und Tegel sind 34 Jets stationiert.

"Diese Entscheidung ist für uns nicht nachvollziehbar und auch nicht mit den Pandemie-Folgen zu erklären", erklärte Verdi-Luftfahrtsekretär Holger Rößler. Mit der Eröffnung des Flughafens BER im Herbst gebe es neue Chancen für die Anbindung der Hauptstadt.

Fluggesellschaft hatte Flotten von Air Berlin übernommen

Berlin bleibe strategisch wichtig für das Netzwerk von Easyjet, erklärte Airline-Chef Johan Lundgren. "Obwohl wir der größte Carrier in Berlin bleiben, müssen wir unseren Flugplan an die Nachfrage anpassen und auf profitables Fliegen fokussieren." Die Briten hatten 2017 einen großen Teil der pleite gegangenen deutschen Fluggesellschaft Air Berlin übernommen. Ende Mai hatte die Billigairline angekündigt, bis zu 4500 ihrer rund 15.000 Arbeitsplätze wegen der Corona-Krise zu streichen.

Am Dienstag hatte die britische Pilotenvereinigung Balpa die Fluggesellschaft vor übereilten Entlassungen gewarnt. Die britische Billig-Airline hatte Ende Mai mitgeteilt, wegen der Coronavirus-Pandemie bis zu 4500 der insgesamt 15.000 Arbeitsplätze zu streichen.

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Auch die Standorte London Stansted, London Southend and Newcastle sollen wegfallen. Anfliegen will Easyjet die drei Flughäfen aber weiterhin. Die Verhandlungen darüber haben nun begonnen.

Easyjet-Chef Johan Lundgren begründete den Schritt mit einem Einbruch bei der Nachfrage. Es handle sich um „schwierige Vorschläge“, doch es sei eine beispiellose und schwierige Zeit für die Airline und die gesamte Branche.

Easyjet hat nach eigenen Angaben 163 Flugzeuge an elf Standorten in Großbritannien und bedient 546 Strecken. (Tsp/reuters/dpa)

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