Millionen-Investition in Berlin : Megaprojekt Siemensstadt kommt in Gang

600 Millionen Euro will Siemens in der Siemensstadt investieren. Und es geht schnell voran: Jetzt wurde ein Industriecampus nach dem Konzerngründer benannt.

Mehr als 600 Millionen Euro will Siemens in die Siemensstadt investieren.
Mehr als 600 Millionen Euro will Siemens in die Siemensstadt investieren.Foto: imago images/Schöning

Der Konzern entdeckt den Kiez, denn der ist für den Erfolg „gigantisch wichtig“. Karina Rigby, Projektleiterin des Großprojekts Siemensstadt 2.0, wünscht einen „Kiez der Macher“ rund um Nonnendammallee und Rohrdamm, wo Siemens Produktionswerke betreibt und wo der Konzern in den kommenden elf Jahren 600 Millionen Euro investiert. Und es geht voran.

Ein 200 Seiten umfassendes Papier über die städtebauliche Entwicklung ist „zu 99 Prozent“ abgestimmt, erfuhr der Tagesspiegel aus Senatskreisen. Das ging flott, denn erst im November hatte der Konzernvorstand die Entscheidung für Berlin getroffen. 3000 Wohnungen sollen im nächsten Jahrzehnt entstehen, Einzelhandel, Schulen und Grünflächen. Und natürlich Cluster auf verschiedenen Technologiefeldern: Energie, intelligente Infrastruktur und Mobilität der Zukunft sind große Themen, die in 30 „Reallaboren“ mit Siemens-Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft bearbeitet werden.

Ein „erstes Schnellboot“ der Siemensstadt 2.0 wurde am Donnerstag vorgestellt: Das „Werner-von-Siemens Center for Industry and Science“, das vom Senat und Siemens mit jeweils 7,5 Millionen Euro ausgestattet wird. Wissenschaftsstaatsekretär Steffen Kracht überbrachte dazu die Entscheidung des Senats, drei Professuren an der TU einzurichten, die sich mit der Erforschung digitaler Produktionstechnologien befassen. 1,5 Millionen Euro gibt das Land im Jahr dafür aus.

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TU-Präsident Christian Thomsen freute sich und betonte die vielversprechende Verbindung von Industrie und Wissenschaft in der Siemensstadt 2.0. Zum Beispiel beim 3-D-Druck und in der Materialkunde verfüge die TU über herausragende Expertise. Ingomar Kelbassa, der für Siemens den Wissenschaftscampus leitet, erläuterte Rahmenbedingungen und Zielsetzung des neuen Standorts.

Vor allem kleine Firmen ziehen in die Siemensstadt

Das Hochlohnland Deutschland sei viel mehr als andere von Innovationen abhängig; Klimawandel und Energiewende beeinflussten weite Teile von Wirtschaft und Gesellschaft, und da „wir die Chancen der Digitalisierung noch nicht vollständig gehoben haben“, verspricht sich der Siemens-Manager mehr Schnelligkeit bei der Umsetzung von Innovationen in marktfähige Produkte.

Dazu holt sich der Konzern neben der TU, dem Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik und der Bundesanstalt für Materialforschung vor allem kleinere Firmen sowie Start-ups nach Siemensstadt. Die Kleinen sollen vom Großen lernen und gleichzeitig den Großen beweglicher machen.

Ein hoher Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen wird im Übrigen auch von der Politik erwartet, die über verschiedene Projekte rund um die Siemensstadt 2.0 einen dreistelligen Millionenbetrag in diesen Zukunftsort stecken wird. Dazu gehört dann auch die mögliche Ansiedlung der neuen Unternehmenszentrale des Siemens-Geschäftsbereichs Energie- und Kraftwerkstechnik, der ausgegliedert und an die Börse gebracht wird.

Ein bisschen crazy

Dann wäre Berlin, wo Siemens 1847 von Werner von Siemens gegründet wurde, wieder Standort einer bedeutenden Unternehmenszentrale. Nach Krieg war die Zentrale nach München verlegt worden.

Aufgrund der Tradition habe man sich für den Namen „Werner-von-Siemens Center for Industry and Science“ entschieden, sagte Ulrich Panne, Präsident der Bundesanstalt für Materialforschung. Heute rede alle Welt von Steve Jobs oder Mark Zuckerberg, doch Werner von Siemens habe 1847 zusammen mit Johann Georg Halske ein Unternehmen gegründet, „das unseren Wohlstand in Berlin und Deutschland mit ermöglicht hat“.

Darauf könne man stolz sein, daran wollen man in der neuen Siemensstadt anknüpfen. Projektleiterin Rigby setzt dazu noch auf die Berliner Vielfalt und die hohe Attraktivität der Stadt für Talente aus aller Welt. „Hier kann man auch ein bisschen crazy sein.“

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