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02.01.2026, Berlin: Ein zerstörter Kältebus der Stadtmission steht auf einem Parkstreifen. Bereits vor einigen Tagen kam es zu einem Brandanschlag auf die Fahrzeuge der Stadtmission. Dabei wurden zwei Busse beschädigt. Beim jüngsten Anschlag konnte die Polizei einen Tatverdächtigen stellen.

© dpa/Paul Zinken

Update

Berliner Stadtmission erneut betroffen: 43-jähriger Wohnungsloser zündet weiteren Kältebus an

Wieder ein Schock für die Helfer: Ein dritter Kältebus der Berliner Stadtmission brennt. Der mutmaßliche Täter wird festgenommen, er ist wohnungslos. Für zwei Busse gibt es bereits Ersatz.

Stand:

Wenige Tage nach den schweren Bränden an zwei Kältebussen ist erneut ein Fahrzeug der Berliner Stadtmission angezündet worden. Wie der Verein auf Instagram mitteilte, ertappten der Sicherheitsdienst und ein Mitarbeiter einen 43-Jährigen am Donnerstagnachmittag auf frischer Tat. Der Mann hat in Deutschland keine Meldeanschrift und ist wohnungslos, teilte eine Polizeisprecherin dem Tagesspiegel mit. Er ist demnach bereits mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten.

Fahrten der Kältebusse nicht eingeschränkt

Die Schäden sind auch in diesem Fall so gravierend, dass der Bus nicht mehr eingesetzt werden kann, sagte Stadtmissionssprecherin Barbara Breuer. Doch die Stadtmission setzt darauf, die Kältebusfahrten gerade angesichts des Winterwetters uneingeschränkt fortzusetzen.

Denn die Autovermietung Allround und der Berliner Verein Zukunftssicherung haben zwei neue Fahrzeuge bereitgestellt. Einen VW-Bus mit Rollstuhlrampe hatte der Träger der Stadtmission kurzfristig zur Verfügung gestellt. „Somit haben wir drei Kältebusse, die direkt fahren können“, sagte Breuer dem Tagesspiegel. Im Zuge einer „Welle der Hilfsbereitschaft“ seien die Autovermietung und der Verein auf die Stadtmission zugekommen, die Angebote habe man dankend angenommen.

Auch in der vergangenen Nacht habe der Ausfall des dritten Kältebusses keine größeren Auswirkungen gehabt. „Gestern waren zwei unterwegs, das war regulär so geplant“, erklärte Breuer. „An Sonn- und Feiertagen sind einfach weniger Menschen unterwegs, und dann rufen auch weniger Menschen den Kältebus.“ Zwei Fahrzeuge seien dann in der Regel ausreichend. 

43-Jähriger war bei Brandattacke betrunken

Der Mann soll noch am Freitag einem Haftrichter vorgestellt werden, teilte die Polizei am Freitagmorgen mit. Gegen 14.30 Uhr am Neujahrstag sollen die Beschäftigten den Mann ertappt und das Feuer noch vor Eintreffen der Einsatzkräfte gelöscht haben.

Nach seiner Festnahme wurde der Mann einem Atemalkoholtest unterzogen. Das Ergebnis: 1,6 Promille. Kurz darauf wurde er in ein Polizeigewahrsam gebracht und dem Brandkommissariat überstellt, heißt es in der Mitteilung der Polizei.

Noch sind allerdings wichtige Fragen ungeklärt: Was könnte das Motiv gewesen sein, einen Kältebus anzuzünden, der eingesetzt wird, um obdachlose Menschen in Notunterkünfte zu fahren, um sie vor dem Erfrieren zu retten oder ihnen in kalten Winternächten Tee, Suppe und Schlafsäcke zu bringen? Auch die Stadtmission hat dafür noch keine Erklärung: „Wir hoffen, dass da jetzt ein wenig Licht ins Dunkel gebracht wird“, sagte Barbara Breuer.

Der VW-Crafter der Helfer war in der Nacht zu Sonntag vollständig ausgebrannt. Die Polizei vermutet Brandstiftung.

© imago/epd/IMAGO/Rolf Zoellner (Zöllner)

Unklar ist auch, ob es einen Zusammenhang mit dem Vorfall in der Nacht zu vergangenem Sonntag gibt. Dabei war ein Kältebus der Stadtmission komplett ausgebrannt, ein anderer teilweise. Die Polizei ging auch dabei von Brandstiftung aus. „Nach dem ersten Vorfall konnten wir uns noch vorstellen, dass es Zufall war. Jetzt kommt die Frage auf, ob ein System dahintersteckt“, sagte Breuer dem Tagesspiegel.

Das war natürlich eine Riesenfreude und eine Supernachricht

Barbara Breuer, Sprecherin der Berliner Stadtmission, über die Spende der Deutschen Bahn.

Die Deutsche Bahn Stiftung, die das Geld für den zerstörten Bus 2022 gespendet hatte, hat inzwischen 70.000 Euro für die Anschaffung eines neuen Busses zur Verfügung gestellt. „Das war natürlich eine Riesenfreude und eine Supernachricht“, sagte Breuer. 

Überhaupt seien die Reaktionen überwältigend gewesen. Es habe viel Zuspruch, große Hilfsbereitschaft und auch etliche Spenden gegeben. Die Stadtmission hatte sich dafür bereits auf Instagram bedankt und ihre Erfahrungen so kommentiert: „Ihr seid einfach krass“. (mit dpa)

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