Moritzplatz und Lichtenberg : Senat will Wärmeräume an Kältebahnhöfen einrichten

Zuletzt gab es Streit über Müll, Scherben und Drogenkonsum. Nun will der Senat das Angebot in den Bahnhöfen, in denen nachts Obdachlose schlafen, aufstocken.

Silvia Perdoni
Am Bahnhof Lichtenberg haben Obdachlose ihr Nachtquartier aufgeschlagen.
Am Bahnhof Lichtenberg haben Obdachlose ihr Nachtquartier aufgeschlagen.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Immer wieder haben Senat, BVG und Anwohner in den vergangenen Wochen über die Kältebahnhöfe für Obdachlose gestritten, nun soll das Angebot in den Stationen Lichtenberg und Moritzplatz ausgebaut werden. "Bis Ende Januar stellen wir am Moritzplatz einen Wärmecontainer auf, in dem sich Menschen nachts aufhalten können", sagt Regina Kneiding, Sprecherin der Sozialverwaltung. Am Bahnhof Lichtenberg suche man nach Gewerberäumen in der Umgebung, um einen Anlaufpunkt zu schaffen.

Die Menschen sollen dabei nicht in den Wärmeräumen schlafen, dafür fehlt der Platz. Sie können aber zusammensitzen, einen Tee trinken und auch ins Gespräch mit Sozialarbeitern kommen.

Die Pläne sind das Ergebnis aus Beratungen zwischen Staatssekretär Alexander Fischer, der BVG, der Stadtmission und dem sozialen Träger Karuna. Die Runde kam am Diensttagnachmittag zusammen und soll künftig regelmäßig tagen.

Drogenhilfeverein soll Suchtkranke betreuen

Zuletzt waren immer wieder Beschwerden über Müll, Scherben, Drogenkonsum und Streits unter den Obdachlosen laut geworden. Am vergangenen Wochenende starb auf der Zwischenetage im Bahnhof Moritzplatz ein Mann. Die genaue Todesursache ist noch unklar, die Polizei geht aber nicht von einem Verbrechen aus. Auch ein Kältetod gilt als unwahrscheinlich, da der Mann in einem Schlafsack gelegen habe, so die Polizei.

"Wahrscheinlich ist, dass der Mann an einer Vorerkrankung litt", sagt Sprecherin Kneiding. In den Kältebahnhöfen übernachten häufig Drogenabhängige und Alkoholkranke, die hier, anders als in den Notquartieren der Kältehilfe, keine Regeln befolgen müssen. "Der Bahnhof Moritzplatz ist bekannt als Drogenumschlagplatz für Dealer und Konsumenten", sagt Kneiding. "Gemeinsam mit dem Drogenhilfeverein Fixpunkt wollen wir hier ein Angebot schaffen."

Wie das genau aussehen kann, werde noch verhandelt. Fixpunkt betreibt schon einen Drogenkonsumraum in Kreuzberg. Mitarbeiter sind zudem mit einem Van unterwegs, indem Abhängige Drogen nehmen können.

Etwa 50 Personen übernachten laut Senatsverwaltung im Schnitt pro Nacht in den Kältebahnhöfen. Gleichzeitig sind nicht alle Plätze in den Notquartieren, etwa in der Lehrter Straße oder in der Traglufthalle an der Frankfurter Allee, belegt. "Von 1200 Betten waren zum Beispiel am 14. Januar 215 frei", sagt Regina Kneiding. Künftig will der Senat nicht nur in einer App, sondern auch auf Twitter jeden Tag über freie Plätze informieren.

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