Müllers Knaller : Neujahrsansprache des Regierenden

Lob oder Tadel? Emotionen oder nüchterne Prognose? Was Michael Müller in diesem Jahr einfallen wird. Eine Kolumne.

Michael Müller bei seiner Neujahrsansprache 2017.
Michael Müller bei seiner Neujahrsansprache 2017.Foto: Britta Pedersen/dpa

Alle Jahre wieder ... kommt die Neujahrsansprache der Regierungschefs. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel das Prozedere bereits zum 15. Mal (!) absolviert, ist es für Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller erst die sechste Auflage seit seinem Amtsantritt 2014.

Ein Blick ins Neujahrsarchiv zeigt: Echte Kracher sind von den Ansprachen – wie von denen seiner Amtskollegen in anderen Ländern – kaum zu erwarten. Wünschte sich Müller bei seiner Premiere 2014 eine „echte Reform-Olympiade“ für Berlin, die dann weder in der Verwaltung noch im sportlichen Bereich zustande kam, stellte er die Rede 2015 unter den Titel „Berlin muss Heimat für alle bleiben“.

Keine einfache Aufgabe am Ende eines Jahres, in dem allein 70.000 Geflüchtete in die Hauptstadt gekommen waren. 2016 ging es dem Regierenden im Stil der BVG-Kampagne „Weil wir dich lieben“ um ein Berlin, „das so weiterlebt, wie wir es lieben“. 2017 wähnte Müller die von Spar-Runden ausgezehrte Stadt „am Beginn eines Jahrzehnts der Investitionen“ und im Vorjahr warb der nicht gerade als Netz-Aktivist bekannte Müller dafür, Berlins Zukunft digital und sozial zu gestalten.

Und 2019? Die Ist-Analyse fällt zwiespältig aus: Hier das boomende Berlin – beliebt bei Touristen, anziehend für tausende Neu-Berliner und bewundert für die Fähigkeit, selbst peinlichstes Scheitern in lässige Coolness zu verklären. Dort klaffende Wunden bei Wohnungsbau, Bildung und Infrastruktur.

Was Müller dazu sagen wird? Wir könnten es heute schon schreiben. In der Eile hat das Presse- und Informationsamt die Sperrfrist für die Veröffentlichung der Ansprache im Vergleich zum Vorjahr gar nicht erst angefasst. Berichtet werden darf ab dem 31. Dezember 2018 – was ist schon passiert seitdem? Machen wir aber nicht, der Spannung wegen. Vielleicht zündet Michael Müller ja diesmal einen echten Kracher. Noch ist das Böllern schließlich nicht komplett verboten.

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