Musiker als KZ-Häftlinge : Empörung über Rammstein-Werbevideo

Auf einem Video posieren die Rammstein-Musiker auf einem Galgen und spielen mit KZ-Symbolik. Jüdische Verbände sind entsetzt.

Rammstein-Sänger Till Lindemann
Rammstein-Sänger Till LindemannFoto: Jens Kalaene/dpa

Ein Video der Band Rammstein sorgt für Empörung. Eine Inszenierung als „todgeweihte KZ-Häftlinge stellt die Überschreitung einer roten Linie dar“, sagte der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, der „Bild“-Zeitung. Wenn dies rein verkaufsfördernd sein solle, handle es sich um eine „geschmacklose Ausnutzung der Kunstfreiheit“.

Zuvor hatte Videokünstler Specter den Clip auf Instagram veröffentlicht: Die Mitglieder von Rammstein stehen darin mit Stricken um den Hals auf einem Galgen. Ihre Kleidung erinnert an die Bekleidung der Insassen von NS-Konzentrationslagern. Am Ende steht die Einblendung „Deutschland“ sowie das Datum vom Donnerstag in lateinischen Ziffern. Medien und Fans deuteten dies als Hinweis auf ein neues Album oder eine neue Single der Gruppe.

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, warf den Musikern eine „Instrumentalisierung und Verharmlosung des Holocaust“ vor. Die Band habe eine Grenze überschritten, sagte sie der „Bild“. „Wie Rammstein hier das Leid und die Ermordung von Millionen zu Entertainment-Zwecken missbraucht, ist frivol und abstoßend.“

Die Sprecherin der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem rief zu einem verantwortlichen Umgang mit der Erinnerung an die ermordeten Juden auf. Yad Vashem kritisiere „nicht generell künstlerische Arbeiten, die an Holocaust-Bilder erinnern“, sagte sie der Zeitung. Respektvolle künstlerische Darstellungen könnten legitim sein. Sie dürften die Erinnerung an den Holocaust jedoch keinesfalls beleidigen, herabsetzen oder schänden - und nicht nur als „bloßes Werkzeug“ dienen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. (KNA)

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