Muslimbruderschaft als Partner? : Ein gefährlicher Tanz mit Radikalen

Eine Kooperation Berlins mit der Muslimbruderschaft wäre ein fatales Signal. Die Bruderschaft ist Teil des Problems, nicht Teil der Lösung. Ein Gastkommentar.

Seyran Ates
Weltpolitik in Berlin. Kürzlich wurde in Mitte für die Rückführung der Kinder von IS-Kämpfern aus Syrien demonstriert.
Weltpolitik in Berlin. Kürzlich wurde in Mitte für die Rückführung der Kinder von IS-Kämpfern aus Syrien demonstriert.Foto: P. Zinken/dpa

Seyran Ates ist Rechtsanwältin, Autorin und Frauenrechtlerin sowie Mitbegründerin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Moabit, die für einen liberalen Islam steht.

Das Staunen wandelte sich schnell zur Sorge, als ich vom Plan der SPD las, mit der Muslimbruderschaft kooperieren zu wollen, um militante Salafisten zu deradikalisieren. Der Argumentation des SPD-Innensenators Andreas Geisel kann ich weder zustimmen noch ist sie für mich schlüssig.

Auf der ganzen Welt sind wir Zeugen der Aktivitäten von Islamisten, die versuchen, Demokratien auszuhöhlen und das öffentliche Leben eng an der Scharia auszurichten. Wir sind auch in Europa nicht gefeit vor diesem Trend, in England sind Scharia-Gerichte traurige Realität. Wenn Frauen von oben bis unten mit schwarzen Vorhängen verhüllt werden, dann verschwindet der Mensch ein Stück weit mit.

Viele der Ideen, die Islamisten vertreten, verkörpern gesellschaftliche Vorstellungen von vor 100 oder mehr Jahren. Die Muslimbruderschaft ist bei dieser Entwicklung Teil des Problems, nicht Teil der Lösung.

Die Gruppierung ist auch nicht per se gewaltfrei. Die Hamas, ein Arm der Muslimbruderschaft, zeigt das fast täglich. Das Netzwerk der Gruppierung ist weltweit aktiv und wenn man Aussagen über eine weltumspannende Gruppierung trifft, sollte der Horizont nicht hinter Wannsee enden. Sollte es ausreichen, sich öffentlich als gewaltfrei zu inszenieren, aber verfassungsfeindliche Ziele zu verfolgen, um als seriöser Kooperationspartner des Staates zu gelten, wäre das doch fatal.

Muslimbrüder bekennen sich nie zu ihrer Mitgliedschaft

Der legalistische Zugang ist in Wahrheit ein getarnter, der Stück für Stück die Grenzen von rechtsstaatlichen Normen zu verschieben versucht und diese an ein Weltbild heranführt, das wir in Deutschland längst abgelegt haben. Die Tarnung ist dabei so gut, dass Mitglieder der Muslimbruderschaft sich nie zu ihrer Mitgliedschaft bekennen und nur dann offen sprechen, wenn sie unter sich sind oder sich sicher wähnen.

Dann ergeben sich aber erstaunliche Botschaften, die weit außerhalb unseres Grundgesetzes liegen. Der sogenannte double talk wurde bereits vor zehn Jahren von Caroline Fourest am Beispiel Tariq Ramadan exzellent aufgearbeitet.

Wir müssen auch wachsam sein, wenn es um die Finanzierung von Religion geht. Katar und die Türkei sind die wichtigsten Gönner der Bruderschaft. Wollen wir Moscheen in Deutschland, die am Ende des Tages verlängerte Arme der jeweiligen Regierungen sind?

Dieser Einfluss kann den Boden für Antisemitismus bereiten

Ich erinnere an die Islamkonferenz in Köln zu Beginn des Jahres, wo Muslimbrüder und die offizielle Türkei in trauter Einigkeit eine Konferenz über europäischen Islam abhielten. Für Deutschland war in dieser Konferenz offenbar kein Platz und der Kölner Bürgermeister fühlte sich sprichwörtlich „hinter die Fichte geführt“.

Meine Befürchtung ist, dass dieser Einfluss den Boden für Antisemitismus, für Hetze gegen Schwule und Hetze gegen unsere freie und selbstbestimmte Lebensweise bereitet. Zu viele junge Muslime haben sich genau auf diesem Boden von der Demokratie abgewandt und sich radikalisiert.

Geben wir Gruppierungen wie der Muslimbruderschaft jetzt auch noch einen Persilschein für ihr Wirken, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich die Spirale beschleunigt und die Gesellschaft weiter auseinanderdriftet.

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