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„Müssen einem Hochsicherheitstrakt gleichen“: Berliner SPD-Spitzenkandidat Krach will gegen Strom-Attacken aufrüsten
Videoüberwachung und die Schaffung von Redundanzen: Nach dem verheerenden Anschlag in Berlin ist die Liste der Forderungen lang. SPD, Grüne, Linke und AfD haben ihre eigenen Vorstellungen.
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Anlässlich eines erneut erfolgreichen Anschlags auf das Berliner Stromnetz fordern die Spitzenkandidierenden von SPD, Grünen, Die Linke und AfD teils drastische Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit.
Steffen Krach, Bürgermeisterkandidat der Berliner SPD, will alle neuralgischen Stellen im Stromnetz zu einem „Hochsicherheitstrakt“ machen. „Dazu gehört für mich auch 24/7-Videoüberwachung sowie starker Schutz durch bauliche Maßnahmen“, sagte Krach dem Tagesspiegel am Montag.
Versorgungsgebiete sollten mit zusätzlichen Leitungstrassen doppelt abgesichert werden, zudem brauche es zusätzliche Reserven an Notstromaggregaten oder mobilen Transformatoren, forderte Krach.
Er kritisierte zudem, viele Daten über die kritische Infrastruktur seien aus Transparenzgründen zu leicht zugänglich. „Der Schutz der kritischen Infrastruktur muss Vorrang haben und über dem Anspruch der Datentransparenz stehen“, sagte Krach. Die Bundesvorgaben müssten dringend dahingehend angepasst werden.
Grüne fordern „Stromnetzcheck“
Werner Graf, Spitzenkandidat der Berliner Grünen, forderte genau wie Krach einen schnellstmöglichen Schutz der „bekannten vulnerablen Stellen im Stromnetz“ durch eine sichere Umhausung bei oberirdischen Leitungsabschnitten […] oder durch sichere Backup-Lösungen bei Beschädigung.
„Um alle verletzlichen Stellen sicher schützen zu können, hätte es insbesondere nach dem Anschlag in Adlershof einen umfassenden Stromnetzcheck gebraucht, bei dem eine Risiko- und Bedarfsanalyse des gesamten Stromnetzes durchgeführt wird“, kritisierte Graf.
Nichts an diesem Anschlag ist links.
Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp
Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Berliner Linke, forderte indes eine Stärkung des desolat aufgestellten Katastrophenschutzes in der Stadt. „Unklare Zuständigkeiten, mangelnde Koordination zwischen Behörden und Bezirken und Sparen an der falschen Stelle schwächen die Handlungsfähigkeit unserer Stadt“, kritisierte Eralp. „Das darf so nicht bleiben, gerade in Zeiten wie diesen“, ergänzte sie.
Zukünftig müssten Krisenvorsorge, Katastrophenschutz und soziale Sicherheit zusammen gedacht werden, erklärte Eralp und distanzierte sich von den mutmaßlich linksextremen Drahtziehern der jüngsten Attacke auf das Stromnetz. „Nichts an diesem Anschlag ist links: Dieser Anschlag hat arme, alte und kranke Menschen getroffen und sogar in Lebensgefahr gebracht. Das ist aufs schärfste zu verurteilen“, sagte Eralp im Gespräch mit dem Tagesspiegel.
AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker kündigte an, im Fall einer Regierungsübernahme „umgehend diverse aus unserer Sicht fehlgeplante Finanzmittel“ etwa für die Pflanzung neuer Bäume oder den Erwerb von BVG-Elektrobussen zur Ertüchtigung der Strom-Infrastruktur umzuwidmen.
„Mit diesen Mitteln würden wir zunächst das eine Prozent der Berliner Stromleitungen, das noch oberirdisch verläuft, unter die Erde legen lassen“, erklärte Brinker und forderte die Schaffung von Redundanzen, damit Anschläge keine Kaskadeneffekte auslösen können oder zumindest schnelle Umleitungen möglich werden.
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