Nach Siemens und Philip Morris : Jetzt streicht auch Paypal Hunderte Stellen in Berlin

Die Berliner Niederlassung des Online-Bezahldiensts Paypal will an ihrem Standort in Berlin-Wilmersdorf kurzfristig 309 von 355 Stellen streichen.

Paypal ist ein Bezahldienst mit Zentrale im San José in Kalifornien und beschäftigt weltweit (noch) rund 13.000 Mitarbeiter.
Paypal ist ein Bezahldienst mit Zentrale im San José in Kalifornien und beschäftigt weltweit (noch) rund 13.000 Mitarbeiter.Foto: Reuters/Amir Cohen

Das teilte die Gewerkschaft Verdi am Montag in Berlin mit. Die Nachricht sei dem Betriebsrat der PayPal Europe SE vor einer Woche mitgeteilt worden, hieß es. Der Konzern mit Hauptquartier in San José in Kalifornien und Europazentrale im Steuerparadies Luxemburg war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Auf einer Eigenbeschreibung auf den Arbeitgeberbewertungsportal Kununu.de hatte das Unternehmen zu einem nicht bekannten Zeitpunkt über den Standort geschrieben, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kunden unter anderem bei Fragen zu Umsätzen, Risikomanagement und Finanzen beraten würden. „Wir sind stolz, eine Arbeitsumgebung mit echten Entwicklungs- und Karrierechancen anzubieten“, heißt es da.

Paypal ist nicht allein. Gefühlt häufen sich die Ankündigungen von Massenentlassungen bei Unternehmen der Hauptstadtregion. Das Jahr begann mit dem Insolvenzantrag des Unternehmens Unser Heimatbäcker, bekannt für seine Kette „Lila Bäcker“: Mindestens 430 von 2700 Jobs in Nord- und Ostdeutschland sollen wegfallen, hieß es Anfang Juni. Die Pläne des Industriekonzerns Siemens, seine Energiesparte auszugliedern, lässt Mitarbeiter des Gasturbinenwerks und des Dynamowerks in Berlin seit Monaten bangen. Vergangene Woche hieß es dazu: Siemens streicht 470 Stellen in Berlin. Ende Mai hatte der Tabakkonzern Philip Morris International (PMI) an, dass er in seinem Neuköllner Zigarettenfabrik zum Jahresende 950 der aktuell 1050 Stellen streichen wird.

Bei Verdi sei man angesichts der „hervorragenden Unternehmensergebnisse“ von Paypal, an dem die Niederlassung maßgeblichen Anteil gehabt habe, überrascht von dem „Kahlschlag“. Dazu komme, dass es auch am Standort der Konzerntochter Paypal Deutschland GmbH in Potsdam-Dreilinden in den vergangenen Wochen „umstrukturierende Maßnahmen“ gegeben habe. Dort gibt es den Angaben zufolge seit der Abspaltung von Paypal von eBay im Jahr 2015 gar keinen Betriebsrat mehr.

Verdi Berlin-Brandenburg verbreitete ein Statement von Anselm Mathes, dem Betriebsratsvorsitzenden von Paypal in Berlin: "Der Paypal-Betriebsrat steht, unterstützt von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, bereits in Verhandlungen mit dem Arbeitgeber. Klares Ziel ist, die Arbeitsplätze vor Ort zu erhalten. Inwieweit die Möglichkeit besteht, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen".

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