• Neue Ermittlungen wegen rechter Anschlagsserie in Neukölln: Lieferwagen in Flammen, SS-Runen an syrischer Bäckerei

Neue Ermittlungen wegen rechter Anschlagsserie in Neukölln : Lieferwagen in Flammen, SS-Runen an syrischer Bäckerei

SS-Runen an der Bäckerei "Damaskus", davor ein brennender Lieferwagen: Jetzt ermittelt die Soko "Fokus", die die rechte Anschlagserie in Neukölln aufklären soll.

Foto: Archiv

Vergangenen Donnerstag hat es offenbar erneut einen rechten Anschlag in Neukölln gegeben. An die Fassade der syrischen Bäckerei „Damaskus“ in der Sonnenallee wurden mit roter Farbe SS-Runen gesprayt. Parallel brannte ein Lieferfahrzeug vor der Bäckerei ab.

Dabei soll es sich laut Tagesspiegel-Informationen nicht um ein Lieferfahrzeug der Bäckerei gehandelt haben, es soll diesen jedoch sehr ähnlich sehen. Wie die Polizei auf Anfrage bestätigte, hat mittlerweile die Sonderermittlungsgruppe "Fokus" die Ermittlungen übernommen.

Das Fahrzeug gehöre einer Privatperson, ein Zusammenhang zur Bäckerei werde derzeit noch geprüft. Die Soko "Fokus" ermittelt zu über 70 Straftaten in Zusammenhang mit der rechten Anschlagserie in Neukölln, darunter auch mehrere Brandanschläge. 

Der siebente Anschlag auf die Bäckerei

Ein Mitarbeiter der Bäckerei sagte dem RBB, dass dies bereits der siebente Anschlag auf "Damaskus" gewesen sei. Aus dem Bezirksamt hieß es, dass die Häufung von Nazi-Symbolen und die verwendete rote Farbe im Bereich der Sonnenallee und Wildenbruchstraße auffällig sei. Daher habe die BAO Fokus die Ermittlungen übernommen.

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Im Dezember 2019 wurden ein Hauseingang und die Fassaden eines Burgerladens und eines Spätis mit Hakenkreuzen und SS-Runen in der selben roten Farbe besprüht. Was die beiden Häuser verbindet: Sie sollen zum Immobilienportfolio der arabischen Großfamilie Remmo gehört haben und tauchten in diesem Zusammenhang auch wiederholt in Medienberichten, etwa bei Spiegel-TV, auf.


Erst Anfang Juni waren erneut rote Hakenkreuze und SS-Runen an Lokalen und Geschäften in der Wildenbruchstraße aufgetaucht. Betroffen war auch das kollektiv betriebene Café "K-Fetisch", das in der Vergangenheit bereits mehrfach Ziel rechter Anschläge war.

Bürgermeister: "Es ist entsetzlich für die Menschen"

Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) verurteilte die Schmierereien. "Neukölln erlebt seit Jahren eine rechte Terrorserie. Nazis nehmen in Kauf, dass Menschen sterben - das hätten Brandschläge auf engagierte Neuköllnerinnen und Neuköllner das in den letzten Jahren gezeigt. Das Bezirksamt steht solidarisch an der Seite derer, die von solchen Nazi-Anschlägen betroffen sind", sagte er dem Tagesspiegel. "Es ist entsetzlich für die Menschen, denen sowas widerfährt, egal ob Brandanschläge oder Schmiereien gegen Geschäfte oder Wohnungen." Die Bäckerei Damaskus sei eine der feinsten Adressen auf der Sonnenallee und eine Bereicherung für Neukölln. "Ich bin über diese widerwärtige Nazi-Propaganda am Haus entsetzt", sagte Hikel weiter.

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