Neukölln-Glosse : Picknick vor der Klinik

Bei Sonnenschein hat sich eine Großfamilie zum Picknick zusammengefunden. Manchen Patienten fühlen sich von dem friedlichen Bild gestört. Eine Glosse.

Das milde Wetter nutzen, um draußen zu sitzen? Kommt drauf an, wo.
Das milde Wetter nutzen, um draußen zu sitzen? Kommt drauf an, wo.Foto: Gregor Fischer/dpa

Die kleine Parkanlage am Klinikum Neukölln: ein schmaler, ruhiger Spazierstreifen, mit künstlichem Bachlauf verziert, hügelig und dicht mit Bäumen bepflanzt. Meistens ist es hier klinisch still. Aber nicht an diesem Sonntagnachmittag: Bei Sonnenschein hat sich eine türkische Großfamilie beim Patientenbesuch zum Picknick zusammengefunden – alle Generationen auf einem lauten Haufen versammelt, mit Decken, Kühlboxen und Tupperware.

Das Bild will sich nicht recht in die Stimmung des Krankenhauses einfügen, weshalb sich einige Spaziergänger untereinander im Anspruch auf schlechte Laune bestärken – „das ist Krankenhausgelände hier!“, sagt einer, „und kein Spielplatz“. Können die denn keine Rücksicht auf die Menschen nehmen, die sich hier in Ruhe in Selbstmitleid zu ergehen versuchen?

Klares Beispiel für fehlgeschlagene Integration. Eine Spur der Anpassung ist aber doch zu erkennen: Die Familie hat sich nicht auf der erstbesten und schönsten Rasenfläche ausgebreitet, sondern ganz am Ende des Parks, wohin kaum Patienten gelangen. Auch hat sie den Kindern offenbar übermäßigen Spaß untersagt – die spielen leise im Schatten. So viel Rücksicht auf die deutsche Laune darf schon sein.

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