Oderbrücke Bienenwerder : Radfahrer in Brandenburg jubeln: Der Uhu ist weg

Viele Jahre verhinderten Naturschützer sanften Tourismus. Weil Uhus brüteten, blieb eine Oderbrücke gesperrt. Nun wird gebaut.

Blick vom Oder-Neisse-Radweg: In zwei Jahren soll die Europabrücke für Radfahrer geöffnet werden.
Blick vom Oder-Neisse-Radweg: In zwei Jahren soll die Europabrücke für Radfahrer geöffnet werden.Foto: Jörn Hasselmann

Der Uhu und das Fahrrad haben Frieden geschlossen. 15 Jahre stritten Naturschützer und Tourismusfachleute darum, die alte Eisenbahnbrücke über die Oder bei Bienenwerder wieder zu eröffnen – für Radwanderer. 15 Jahre lang hieß es, das geht nicht, denn auf einem Brückenpfeiler brütet ein Uhu. Nun ist der Fall gelöst: Die polnische Seite hat aus der Not mit dem Uhu eine Tugend gemacht und bei der EU Fördergelder eingeworben.

Nun wird sogar eine Uhu-Beobachtungsplattform gebaut. Im September ist Baubeginn auf polnischer Seite, im Oktober auf deutscher Seite. Karsten Birkholz, Direktor des Amtes Barnim-Oderbruch, sagte dem Tagesspiegel, dass sich für Radfahrer mit der Brücke ganz neue Routen entdecken lassen. Nach polnischen Angaben soll die Brücke 2021 eröffnet werden, mit 3,6 Millionen Euro steuert die EU den größten Teil der Kosten bei.

Seit zwei Jahrzehnten fahren Radfahrer auf dem Oder-Neisse-Radweg – einem der beliebtesten Deutschlands – in Höhe Wriezen an der abgegitterten Brücke vorbei. Hier überquerte die Eisenbahnstrecke Berlin-Wriezen-Jädickendorf (Godkow) die Oder. Bis Ende der 80er Jahre wurde das Bauwerk aus militärstrategischen Gründen instand gehalten, zu DDR-Zeiten wurde sogar eine Brücke, die an der Bornholmer Straße in Berlin nicht mehr benötigt wurde, zur Oder geschafft und dort eingebaut, um Kriegsschäden zu flicken. Deshalb sieht die Brücke auch so ungleichmäßig aus.

Schon vor vielen Jahren wurde eine Öffnung der Brücke versprochen. Nicht jeder hat daran geglaubt.
Schon vor vielen Jahren wurde eine Öffnung der Brücke versprochen. Nicht jeder hat daran geglaubt.Foto: Jörn Hasselmann

Normale Züge fuhren im Oderbruch seit Mitte der 80er nicht mehr, in Polen wurde die Strecke in den 90ern stillgelegt. Vor einigen Jahren sollte eine touristische Draisinenbahn die Brücke retten, das scheiterte an den Uhus. Diese gehören zu den am strengsten geschützten Tierarten, berichtet Amtsdirektor Birkholz. In ganz Brandenburg gebe es nur drei bis fünf Vögel. Die Brücke gehört auf deutscher Seite weiterhin der Deutschen Bahn, zum Glück, sagt Birkholz. Das Amt wäre mit der Unterhaltung finanziell völlig überfordert, es sei ein langjähriger Nutzungsvertrag geschlossen worden.

In Deutschland und Polen ist auf der alten Bahntrasse bereits ein Radweg entstanden. Zwischen Wriezen und dem Oder-Neisse-Radweg bereits im Jahr 2007, zwischen Siekierki und Godkow im vergangenen Jahr. Während Brandenburg sich mit dem Asphaltieren stillgelegter Eisenbahnstrecken noch schwer tut, investiert die Woiwodschaft Westpommern hier viel Geld. Das Tagesspiegel-Magazin „Radfahren“, das im April erscheint, wird zum Beispiel den Bahnradweg von Gryfino nach Swobnica vorstellen, ebenfalls an der Oder. In polnischen Radkarten ist schon eine Verbindung von Swobnica mit der Strecke Godkow - Siekierki eingezeichnet – dann ist eine Rundfahrt möglich.

Bislang gibt es zwischen den Autobrücken bei Hohenwutzen und Küstrin keinen Oderübergang. Im Magazin „Radfahren" von 2018 hatte der Tagesspiegel eine Radtour auf der anderen Seite des Oderbruchs vorgestellt, in Siekierki vorbei an der gesperrten Brücke, die auch als Europabrücke firmiert. Ab 2021 werden viele neue Touren möglich sein. Der Amtschef des Oderbruchs jubelt deshalb: „Die Brücke wird ein Magnet.“ Für die Uhus wurden in der Nähe übrigens einfach neue Nistgelegenheiten geschaffen, teilte die Woiwodschaft mit.

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Vor allem die Polen haben Druck gemacht, endlich zu einer Lösung zu kommen. An der Vertragsunterzeichnung im "Sejm" der Woiwodschaft Westpommern nahmen die gesamte politische Spitze teil: Hauptmarschall Olgierd Geblewicz, Vizemarschall Jarosław Rzepa und Wojewode Marek Subocz.

Vor zwei Jahren lagen noch Gleise in Siekierki, an der polnischen Seite der Brücke. Dahinter ein Denkmal für Kriegsopfer.
Vor zwei Jahren lagen noch Gleise in Siekierki, an der polnischen Seite der Brücke. Dahinter ein Denkmal für Kriegsopfer.Foto: Jörn Hasselmann
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