Oranienburg : Wegen der Hitze: Sprengverbot in Brandenburg

In der Region Oranienburg dürfen Privatgärten nicht mehr tagsüber gewässert werden. Grund: der Druck in den Leitungen nimmt ab.

Gießkannen sollen nicht mehr rund um die Uhr gefüllt werden.
Gießkannen sollen nicht mehr rund um die Uhr gefüllt werden.Foto: dpa

Liest man auch nicht alle Tage: "Sprengverbot" von Gärten in Brandenburg, nahe der Berliner Landesgrenze. Grund: die Hitze, die auch am Donnerstag anhalten soll. Dieses Sprengverbot sei "erstmalig", berichtet die örtliche Tageszeitung MAZ.

"Allgemeinverfügung" steht dann auch auf der Internetseite des örtlichen Wasserverbandes NWA, was so viel bedeutet wie: Niederbarnimer Wasser- und Abwasserzweckverbandes. Dort finden Sie auch die Liste der betroffenen Versorgungsgebiete.

Wassernutzung für den menschlichen Gebrauch ist gestattet

Konkret: Es gilt ein beschränktes "Entnahmeverbot" von Gartenwasser für diverse Gegenden, darunter auch Ortsteile von Oranienburg oder die Gemeinde Wandlitz. "Die Entnahme von Wasser aus der öffentlichen zentralen Trinkwasserversorgungslage zum Zwecke der Bewässerung und Beregnung von Grundstücken sowie zu Zwecken, die nicht unmittelbar dem menschlichen Gebrauch entsprechen, wird bis auf Widerruf untersagt."

Gartenarbeit am Morgen: Bis 7 Uhr ist das Sprengen erlaubt

Das Verbot gelte täglich von 7 bis 21 Uhr. Bei weiterer Hitze könne diese Sperrzeit ausgeweitet werden. Heißt: Wer seinen Pflanzen am Leben erhalten will, sollte sich ganz früh oder ganz spät darum kümmern.

Der Druck in der Leitung nahm stark ab

Weiter heißt es in der Begründung: "Die anhaltende frühsommerliche Trockenheit bei gleichzeitig hohen Temperaturen und fehlender Niederschläge" habe in der Region zu "einem unverhältnismäßig höheren Bezug von Trinkwasser" geführt. Der Mehrverbrauch überlaste die Technik; der Druck in der Leitung sinke enorm: "ein Komplettausfall durch Unterschreitung des Mindestdrucks ist zu verhindern." Wer das nicht ernst nimmt, für den hat der Verband noch einen Hinweis: "Bußgeld bis zu 50.000 Euro".

Was die Berliner Wasserbetriebe sagen

Gilt diese aktuelle Lage jetzt auch für Gärten und Lauben in Berlin? "Nein, wir haben keinen Grund, die Entnahme zu verbieten", sagte am frühen Donnerstagmorgen Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe (der sich an so ein Verbot in der Stadt auch nicht erinnern kann).

"Zu DDR-Zeiten gab es so etwas schon mal"

Gartenbesitzer in eben jener Brandenburger Region wiederum erinnern sich, dass es auch zu DDR-Zeiten so ein Sprengverbot gegeben habe.

Brunnen in Berlin reichen weit in die Tiefe

Die Netze in Berlin sind nicht nur komplexer, sondern dürften logischerweise auch leistungsstärker sein als die im ländlichen Umland. Die Systeme der Stadt sind auch auf Großindustrie ausgelegt, viele Fabriken wurden nach der Wende aber geschlossen. Es dürfte also Reserven geben, zumal es am Wochenende auch regnen soll. Außerdem ist da noch eine Feinheit: Dort oben hinter dem nördlichen Stadtrand fließt kein größerer Fluss wie etwa Spree oder Havel, durch den Wasser im Umfeld gewonnen werden kann.

Die Nachfrage ist aber enorm: „Am Montag haben wir 820.000 Kubikmeter verkauft“, hatte die Wasserbetriebe-Sprecherin Astrid Hackenesch-Rump in dieser Woche im Tagesspiegel erst erzählt. Üblich sind für die Jahreszeit je nach Wetter etwa 700 000 Kubikmeter am Tag. Wobei die Trockenheit an den teils 100 Meter tiefen Brunnen der Wasserbetriebe so schnell kein Nachschubproblem verursacht.

Bezirksamt Mitte: Bitte gießen Sie 10 Liter Wasser

Am Nachmittag meldete sich prompt das Bezirksamt Mitte und stellt klar: "Gießen ist erwünscht! Aufruf an alle Bürgerinnen und Bürger!", schrieb Stadträtin Sabine Weißler. "Aufgrund der lang anhaltenden Hitzeperiode und der damit verbundenen fortschreitenden Trockenheit bitte ich alle Bürgerinnen und Bürger, dem Grünflächenamt unterstützend zu helfen, die Straßenbäume zu wässern. Insbesondere die neu gepflanzten Bäume und das Straßenbegleitgrün brauchen jetzt zusätzliche Bewässerungen. Dies empfiehlt sich vorzugsweise am frühen Morgen oder nach Sonnenuntergang. Da die Erdkruste durch die Trockenheit wie wasserabweisend wirkt, wäre es sinnvoll, den Baum zunächst anzugießen und zu warten, bis etwas Feuchtigkeit eingezogen ist, so nimmt der Boden auch den Rest des Wassers besser auf. Danach sollten mindestens zwei Wassereimer (10L) pro Baum gegossen werden."

Wie der Natur in der Hitze geholfen werden kann

Wann Sie sprengen sollen in Berlin und wie Sie Straßenbäumen helfen, hat Tagesspiegel-Redakteur Stefan Jacobs unter diesem Link aufgeschrieben.

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