Pläne für das Dragoner Areal vorgestellt : So könnte Kreuzbergs neues Quartier aussehen

Ein Hochhaus mit 16 Geschossen am Rand, ein großer Marktplatz im Zentrum, Gärten und 525 günstige Wohnungen – Kreuzberg plant die Stadt von unten.

Das Dragoner Areal in Kreuzberg hat Berlin vom Bund gekauft. Nun wird es zum "Rathausblock" weiterentwickelt.
Das Dragoner Areal in Kreuzberg hat Berlin vom Bund gekauft. Nun wird es zum "Rathausblock" weiterentwickelt.Foto: picture alliance / Rainer Jensen

Die Pläne sind vielversprechend: Ein Hochhaus mit 16 Geschossen am Rand, ein großer Marktplatz im Zentrum, Gärten für die Mieter der 525 günstigen Wohnungen. Dazu noch ein Anbau für das Kreuzberger Rathaus, einer für das Finanzamt. Eine große Halle für den Kiez, wo an Rädern geschraubt wird, wo geredet und gefeiert wird.

Der „Rathausblock“, besser bekannt als Dragoner Areal, soll eine Kiezerweiterung für alle werden. Und mit dem am Donnerstag von Baupolitikern, Juroren, Vertreter der Initiativen und der Grundbesitzer vorgelegten städtebaulichen Entwurf nahm das "Modellprojekt" die erste Hürde.

Bei dessen Vorstellung wirkten die Herrschaften ein wenig abgekämpft. Bezirksbaustadtrat Florian Schmidt (Grüne) wohl nicht nur, weil er gefühlt „hundert Entwürfe“ zum Dragoner Areal gesehen habe, sondern wohl auch wegen des politischen Streits um unvollständige Akten in seinem Amt zur Gründung der umstrittenen „Diese eG“ Genossenschaft.

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Der geplante "Rathausblock" entspricht Schmidts Linie einer Stadtentwicklung, die gemeinschaftlich, genossenschaftlich orientiert ist, orientiert an den Bedürfnissen von Menschen, die steigende Mieten und Verdrängung fürchten. Mit dem Modellprojekt werde man, wie Staatssekretär für Wohnen Sebastian Scheel (Linke) sagte, der Erwartung gerecht, dass nicht „an der Stadtgesellschaft vorbeigeplant wird“. Denn das „akzeptieren die Menschen nicht mehr“.

Sechs Kooperationspartner sollen die Interessen der vielen unterschiedlichen Akteure des künftigen Quartiers bündeln: Dazu zählen etwa die Kfz-Werkstätten und der Club „Gretchen“, dessen Chefin Pamela Schobeß die „Entwicklung von unten“ lobte.

Dass sie nicht verdrängt werden, darüber wacht auch die Chefin der landeseigenen Immobilien-Gesellschaft BIM, Birgit Möhring. Sie will auf dem historischen Kasernenareal sogar zusätzliche Firmen ansiedeln. „Laut“ darf es zugehen, die Mieten sollen trotzdem bezahlbar sein.

Die "Fabrik" ist der Treffpunkt

Während die einen auf ihren Flächen Getriebe und Öl wechseln, wollen die anderen eine Ecke weiter „Gemüse, Obst und Kräuter“ anbauen. Am liebsten sogar noch auf dem Dach der „Fabrik“. Das ist der Treffpunkt im Zentrum der Anlage. Klimaneutral soll das sein, sagen Vertreter des Siegerentwurfs von „Smaq“, „ManMadeLand“ sowie Barbara Schindler.

Dazu kommt noch eine „grüne Fuge“. Die verläuft quer durch den Block von Norden nach Süden nd lädt zu Streifzügen ein: vom Landwehrkanal bis runter zu den Riemers Höfen. Diese gehen als Gegenentwurf zum Rathausblock durch - zu maximalen Mieten privat und abgeschottet vom Rest des bunten Kreuzberg.

Öffnen wird sich nach den Plänen sogar das Finanzamt. Das sitzt im langen gründerzeitlichen Block am Mehringdamm, der das Dragoner Areal bisher abschottet. Ein „sehr breiter Weg“ sei geplant, sagt BIM-Chefin Möhring. Dafür bekommen die Finanzbeamten einen Anbau und mehr Fläche.

Bis Herbst 2021 sollen die Pläne beschlossen sein

Wie es nun weiter geht: Architekten müssen Form und Materialien für die vielen dicht zusammenstehenden Neubauten entwickeln, der städtebauliche Entwurf legt ja nur deren Volumen fest. Schmidt wünscht sich eine ähnliche Vielfalt wie sie in Wien üblich sei.

Die Stadt mit dem gewaltigen kommunalen Wohneigentum gilt für den neuen linksgedrehten Städtebau Berlins als Vorbild. Aus Wien kommt auch der Jury-Chef Rudolf Scheuvens. Der nennt wiederum das Berliner Verfahren für das Dragoner Areal vorbildlich: „das ständige Feedback, die ständige Auseinandersetzung mit allen Beteiligten“ bringe eine „Stadt der vielen“ hervor.

Dass dabei nicht alles zerredet und in der Sackgasse unversöhnlicher Interessen mündet, ist wohl die eigentliche Überraschung. Und der Zeitplan für das weitere Verfahren steht: Im Herbst kommenden Jahres sollen die Pläne stehen, der Abriss nicht denkmalgeschützter Baracken starten und damit die ersten Baumaßnahmen.

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