„Alternativ bietet sich Besetzen an“ : Kiezkneipe „Meuterei“ solidarisiert sich mit CDU

Die Mietkosten der CDU-Landeszentrale steigen extrem an, die Partei muss ausziehen. Aber sie kann sich über Unterstützung freuen - von unerwarteter Seite.

Die Kollektivkneipe Meuterei, deren Pachtvertrag im Mai 2019 auslief.
Die Kollektivkneipe Meuterei, deren Pachtvertrag im Mai 2019 auslief.Foto: Kai-Uwe Heinrich/Tsp

Die Gentrifizierung in Berlin schreitet unaufhaltsam voran - und sorgt für erstaunliche Solidaritätsbekundungen. So fand am Montag vor der Landeszentrale der Berliner CDU eine Demonstration statt - und zwar von Unterstützerinnen und Unterstützern des Kreuzberger Kneipenkollektivs „Meuterei“. Vor den Räumen der CDU-Landeszentrale am Wittenbergplatz zündeten sie aus Solidarität mit der CDU Pyrotechnik und hielten Banner. Die Räume in der Kleistraße mietete die CDU vor zehn Jahren für etwa zehn Euro pro Quadratmeter - nun stieg der Preis auf 30 Euro pro Quadratmeter an. Der Landesverband zieht also um.

"Schmunzelnd haben wir die Nachricht erhalten, dass die voranschreitende Gentrifizierung auch vor den Verfechter*innen freier Märkte und Freund*innen der Immobilienwirtschaft nicht halt macht. Dass nun der Landesverband der Berliner CDU von Verdrängung betroffen ist und ihm damit die Politik der eigenen Partei auf die Füße fällt, veranlasst uns heute dazu unsere Solidarität auszudrücken", sagte ein Mitglied des Unterstützerkreises des Kneipenkollektivs, die sich in Anlehnung an eine legendäre Karibik-Piratin Anne Bonny nannte.

Mietvertrag der "Meuterei" wurde gekündigt

Erfahrung mit Verdrängung hat auch das Kneipenkollektiv gemacht. Die „Meuterei“, derzeit noch in Reichenberger Straße 58, sollte im vergangenen Mai auch aus ihren derzeitigen Räumen ausziehen. Der Mietvertrag wurde nicht verlängert. Bislang weigert sich das Kollektiv jedoch, die Bar zu verlassen, der laufende Räumungsprozess wurde auf den 26. Februar verschoben.

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Die CDU bekam also am Montag sachkundige Unterstützung - und auch Ratschläge, wie man sich selbst in einer solchen Situation am besten helfen kann. “Wir teilen unsere Erfahrungen gerne mit der CDU. Gute Erfahrungen haben wir zum Beispiel mit der Verweigerung der Schlüsselabgabe gemacht.

Immerhin sind wir damit schon fast 150 Tage ohne Mietvertrag in unseren Räumen. Alternativ bietet sich natürlich Besetzen an. Dafür gibt es einen Leerstandsmelder und die Besetzensprechstunde die wir ihnen ans Herzen legen würden”, sagte Anne Bonny.