Auftakt der „Klimastreikwoche" in Berlin : An der Freien Universität soll Hörsaal 1a besetzt werden

Die Bewegung „Students for Future“ ruft zur bundesweiten Klimastreikwoche auf. An der Freien Universität kam es am Montag zur studentische Vollversammlung.

Elias Fischer
Im Rahmen der Public Climate School (PCS) rief der AStA eine studentische Vollversammlung ein.
Im Rahmen der Public Climate School (PCS) rief der AStA eine studentische Vollversammlung ein.Foto: FU For Future

Platz für 550 Studenten bietet der Hörsaal 1a in der Rost- und Silberlaube, doch nicht alle sind besetzt. Dabei berief der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der FU, die circa 33.000 Studenten zählt, im Rahmen der Public Climate School (PCS) am Montagmittag eine studentische Vollversammlung ein. Anlass war eine vorangegangene Vollversammlung im Juni, in der knapp 500 Studenten einen Forderungskatalog zum Thema Nachhaltigkeit an der FU aufstellten.

Neben den Maßnahmen im Katalog, der den Appell an das Präsidium enthält, bei künftigen „Entscheidungen wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimaschutz vor, während und nach dem Entscheidungsprozess“ zu beachten, verlangten die Studenten eine weitere Vollversammlung. Diesem Wunsch wurde nun entsprochen, knapp 400 Studenten erschienen.

Der Organisation der Vollversammlung hat sich die „Fridays fot Future“-Gruppe (FFF-Gruppe) der FU angenommen. Diese gibt bei der Anmoderation direkt das Ziel aus: „Das heutige Plenum soll als Raum für Diskussionen über die Forderungen dienen“. Man wolle die Forderungen der Sitzung im Juni „bekräftigen, erweitern und konkretisieren“, heiß es weiter in einer Pressemitteilung der FFF-Gruppe der FU.

„Auftakt in die Klimastreikwoche“

Der Zeitpunkt der Vollversammlung ist nicht zufällig gewählt: Sie leitet die einwöchige PCS an der FU einleitet. Während der auch "Klimastreikwoche" genannten PCS ruft die Students for Future, eine AG der FFF, zur „Bestreikung des regulären Lehrbetriebs an Hochschulen auf". Die Abstimmung, ob die PCS an der FU tatsächlich als eine „Klimastreikwoche“ gehandhabt werde, bildet den Kernpunkt auf der Agenda der Vollversammlung.

Vorerst resümiert aber ein Student der FFF-Gruppe der FU die Zeit zwischen der letzten Versammlung im Juni und in der Sitzung am Montag: „Es ist vieles passiert, weil viele Studenten ein prall gefülltes Programm auf die Beine gestellt haben.“ Dennoch sei fast nichts passiert, da das Präsidium kaum Veränderungen erkennen lässt, da das Klimapäckchen der Bundesregierung nicht dafür sorgt, dass man die Klimaziele 2030 und 2050 nicht einhalten kann.

Daraus kristallisiert sich ein Anspruch der Studenten an ihr Handeln. „Es muss gelingen, die Forderungen an das Präsidium mit gesamtgesellschaftlichen zu verknüpfen“, heißt es aus dem Plenum. Yunus Ozgür, Aktivist der Hochschulgruppe organize:strike, stimmt in diesen Kanon ein. Die Studenten müssten Druck auf die Regierung aufbauen.

Verlängerung der Vollversammlung

Nach zahlreichen Solidaritätsbekundungen mit der Klimastreikwoche, beispielsweise durch den AStA in personae Robert Jung, Referent für Hochschulpolititk, oder mit der Rojava, der Demokratischen Förderation Nord- und Ostsyrien, stellt die Moderation die entscheidende Frage: „Seid ihr dafür, dass wir den Klimastreik durchführen?“ Die Abstimmung, die im Modus des Mehrheitsentscheids durchgeführt wird, fällt klar zugunsten des „Klimastreiks“ aus.

Es folgt eine weitere Abstimmung. Es geht um die Verlängerung der studentischen Vollversammlung. „Um zu garantieren, dass alle Forderungen der Studierenden in den Entscheidungsprozess der Vollversammlung eingehen und in ausreichendem Maß diskutiert werden können“, lautet es in der Pressemitteilung der FFF Gruppe der FU, „möge die Versammlung beschließen, ihre Sitzung im Hörsaal 1a bis zum Donnerstag, den 27.11., zu verlängern“.

Oder in anderen Worten: Es geht um die Besetzung des Hörsaals. Das Resultat der Abstimmung ist auch hier eindeutig. Die Versammlung wird verlängert. In den kommenden Tagen wolle man in offenen Fokusgruppen die Forderungen der Studierendenschaft gebündelt diskutieren sollen, erklären die Mitglieder der FFF-Gruppe der FU.

Am Donnerstag sollen „die Ergebnisse der Fokusgruppen als Ausganspunkt der abschließenden Beschlussfindung der studentischen Vollversammlung dienen“, schreibt die FFF Gruppe an der FU ,wobei man weiteren Raum für Änderungsanträge und Wünsche gewähren wolle.

Ein Wunsch scheint jetzt schon unumstößlich: mehr Mitbestimmungsrechte der Studenten in der Klimapolitik an der FU: „Wir fordern einen Plan, wie der Betrieb in einer Universität mit hervorragender Forschung und Lehre ab 2025 klimaneutral ablaufen kann“, heißt es in der Pressemitteilung der FFF-Gruppe der FU. Während der Vollversammlung kritisierte Robert Jung, dass die FU eher undemokratisch sei. Der Wunsch nach paritätischer Mitbestimmung sei auf Widerstand im Präsidium gestoßen, der Einfluss der Studierende bleibe daher gering.

Bundesweites Unterfangen

Die PCS ist kein Unterfangen, das sich auf die FU beschränkt. Sie finde bundesweit statt, „um im hochschulöffentlichen Raum Themen des Klimawandels und der Nachhaltigkeit zu behandeln“, sagt der Pressesprecher der Humboldt-Universität (HU) Hans-Christoph Keller. So sympathisieren in Berlin auch andere Hochschulen mit den Bemühungen rund um die PCS, die am Freitag, den 29.11., in einer großen Klimaschutz-Demo endet und sich nicht nur an Studenten richtet.

Das Präsidium der HU, sagt Keller, habe die Lehrenden gebeten, „die Themen der PCS in ihre Veranstaltungen einzubinden“. An der TU, dessen Präsident Christian Thomsen auf der Demo eine Rede halten wird, werden ebenfalls „alle Beschäftigungsbereiche gebeten, interessierten Beschäftigten eine Teilnahme zu ermöglichen“, schreibt die Pressesprecherin der TU Stefanie Terp.

Auch an der FU wolle man so verfahren, sagt Goran Krstin, Pressesprecher der FU, „sofern keine dienstlichen Belange dagegensprechen. Das Präsidium der Freien Universität erklärten sich bereits im Sommer dieses Jahres solidarisch mit den Zielen der Fridays-for-Future-Bewegung“.

Vielfältiges Programm zum Thema Klimaschutz

Fünf Tage laden Engagierte zu Vorlesungen, Diskussionen und Workshops auf. So laden beispielsweise Studenten der Universität der Künste ganzwöchig dazu ein, einen Demonstrationswagen zu bauen. An der Charité referiert Detlev Ganten, Präsident des World Health Summit, über das „Zusammenspiel von Gesundheit und Klima“ und an der HU diskutiert man am Dienstag über die „Verkehrswende im Fernverkehr“ mit Vertretern des Deutschen Gewerkschaftsbundes und Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft.

Uniübergreifend haben die einzelnen FFF-Gruppen ein buntes, vielfältiges Programm zu einem brandaktuellen Thema, das laut der FFF-Gruppe der FU angehe, zusammengestellt. „Vielleicht“, so hofft ein Sprecher aus dem Plenum, „schaffen wir es, wieder eine richtige Studentenbewegung zu initiieren“.