Haftstrafe für tschetschenischen Dschihadisten : Gefährder aus Brandenburg verurteilt

Einer der gefährlichsten Islamisten Brandenburgs war auch in Berlin gut vernetzt. Jetzt wurde er zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Eine Fernsehkamera steht am 01.02.2017 in Berlin vor einem Eingang zur mittlerweile verbotenen Fussilet-Moschee in Moabit.
Eine Fernsehkamera steht am 01.02.2017 in Berlin vor einem Eingang zur mittlerweile verbotenen Fussilet-Moschee in Moabit.Foto: dpa

Er galt als einer der gefährlichsten islamistischen Gefährder in Brandenburg, war eng vernetzt in der Islamistenszene und hatte enge Verbindungen in die Fussilet-Moschee, dem einst bekanntesten Salafistentreff Berlins, in dem der Terrorist Anis Amri verkehrte. Am Dienstag wurde der Tschetschene Yusup B. zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, wie das Kammergericht bestätigte. Der Staatsschutzsenat befand den 30-Jährigen der Terrorismusfinanzierung, der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland und der Beihilfe zum Betrug für schuldig. Obwohl das Urteil noch nichts rechtskräftig ist, bleibt B. in Untersuchungshaft.

Der 30-Jährige lebte dreieinhalb Jahre in Brandenburg und galt als Logistiker der Dschihadistentruppe. Er soll die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien mit mehreren Tausend Euro für den Kauf von Waffen und Ausrüstung unterstützt und 2014 zwei IS-Sympathisanten bei der Ausreise in das syrisch-irakische Kriegsgebiet geholfen haben. Seit Ende November 2014 soll sich B. für sein Mobiltelefon mehrere SIM-Karten und Kleidung für den bewaffneten Kampf beim IS in Syrien beschafft haben. Bereits 2012 hatte er sich eine Anleitung zum Bau von Bomben beschafft.

B. operierte von Strausberg aus. Die Stadt in Märkisch-Oderland, wenige Kilometer hinter Berlins östlicher Stadtgrenze, gilt als Hotspot der tschetschenischen Islamistenszene in Brandenburg. B. war 2011 mit seiner Frau und seinem Kind nach Deutschland eingereist. Sein Asylantrag war 2013 abgelehnt worden, er verließ 2015 das Land – mutmaßlich Richtung Syrien, weil er offenbar mitbekam, dass gegen ihn ermittelt wird. Später floh er über die Türkei nach Ecuador. Dort spürten ihn Zielfahnder des Landeskriminalamtes Brandenburg auf. Der Staatsschutz des LKA hatte jahrelang ermittelt und eine achtköpfige Sonderkommission auf B. angesetzt. Anfang August 2018 wurde er am Flughafen Amsterdam gefasst.

0 Kommentare

Neuester Kommentar