Update

„Heute Show“-Crew am 1. Mai attackiert : Berliner Polizei sucht Zeugen nach Angriff auf ZDF-Team

Am 1. Mai ist ein Kamerateam der Satiresendung in Mitte von Maskierten attackiert worden. Die Ermittler suchen nun öffentlich nach weiteren Hinweisen.

Ausrüstung eines Kamerateams liegt nach einem Übergriff zwischen Alexanderplatz und Hackescher Markt auf dem Boden.
Ausrüstung eines Kamerateams liegt nach einem Übergriff zwischen Alexanderplatz und Hackescher Markt auf dem Boden.Foto: Christoph Soeder/dpa

Am Überfall auf ein Team der ZDF-Satiresendung „heute show“ waren offenbar weitaus mehr Angreifer beteiligt als bislang bekannt. Die Polizei geht jetzt von 25 statt wie bislang von 15 Tätern aus und hat am Dienstag einen Zeugenaufruf gestartet. Die Maskierten hätten in Kleingruppen auf das Team eingetreten und eingeschlagen, zum Teil mit Metallstangen. Ein 50-jähriger Mann wurde laut Polizei bis zur Bewusstlosigkeit getreten. Eine 41-jährige Frau, ein 35-jähriger und ein 59-jähriger Mann wurden verletzt.

Die Polizei geht von einem gezielten Angriff aus. Das ZDF-Team war auf dem Rosa-Luxemburg-Platz unterwegs, um bei der sogenannten Hygiene-Demonstration – ein Mix aus Verschwörungsideologen, Impfgegnern und Rechtsextremen – zu drehen. Bei einer Pause in der Rochstraße nahe dem Alexanderplatz kam es zur Attacke. Alle Angreifer seien dunkel oder schwarz gekleidet sowie vermummt gewesen.

Ein 50-Jähriger sei bis zur Bewusstlosigkeit getreten worden, so die Polizei, eine 41-Jährige, ein 35-Jähriger und ein 59-Jährige as dem Team seien ebenfalls schwer verletzt worden und kamen ins Krankenhaus zur ambulanten Behandlung, drei dazugehörige Männer im Alter von 21, 31 und 38 blieben den Angaben zufolge unverletzt.

Täter wechselten bei der Flucht die Kleidung

Noch bei ihrer Flucht hätten sie teils ihre Kleidung ausgezogen oder sie gewechselt, teilte die Polizei mit.

Erst am Montag sprach Polizeipräsidentin Barbara Slowik von aufwendigen Ermittlungen. Zahlreiche Videos müssten ausgewertet werden. Jetzt bittet die Polizei um Mithilfe und fragt, wer den Vorfall beobachtet hat und Video- oder Fotoaufnahmen gemacht hat.

[In unseren Leute-Newslettern berichten wir wöchentlich aus den zwölf Berliner Bezirken. Die Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]
Die Spuren führen ins linksradikale Milieu. Auf der Flucht konnte die Polizei sechs Verdächtige zeitweise festnehmen. Für eine Untersuchungshaft reichten die Beweise aber nicht aus. Der Trupp könnte Jagd auf vermeintlich Rechte von der Hygiene-Demo gemacht haben. Die Polizei rechnet einige Verdächtige der linken Szene zu, darunter zwei Geschwister, eine 27-Jährige und ein 25-Jähriger aus Baden-Württemberg. Verwandte haben laut „Welt am Sonntag“ die beiden auf Fotos von der Festnahme identifiziert. Der 27-Jährige soll Trainer in einem Kickbox-Klub sein.

Ob dieser Umstand möglicherweise die Tatmotivation begründete, sei Gegenstand der Ermittlungen, so die Staatsanwaltschaft, „gleichermaßen wie die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der Tatbegehung und der Versammlungslage am Rosa-Luxemburg-Platz gibt.“

Polizeipräsidentin Barbara Slowik hatte am Montag gesagt, die Kriminalpolizei befrage bereits eine „Vielzahl“ von Zeugen und werte „sehr, sehr umfangreiches Bildmaterial“ aus. Kriminaltechniker würden „diverse Beweismittel“ auf Spuren zu untersuchen. (mit dpa)