Sprengstoffpäckchen in Berlin-Kreuzberg : Polizei vermutet DHL-Erpresser als Absender

Am Morgen entschärfte die Polizei ein Sprengstoffpäckchen in der Handwerkskammer. Die Sendung stammte wohl vom DHL-Erpresser:

Das Sprengstoffpäckchen wurde in der Handwerkskammer Berlin gefunden
Das Sprengstoffpäckchen wurde in der Handwerkskammer Berlin gefundenFoto: Jörn Hasselmann

Eine Mitarbeiterin der Handwerkskammer entdeckte die Sendung am Donnerstagmorgen. Beim Öffnen bemerkte sie verdächtige Drähte. Sie brachte den etwa DIN-A-5-großen Brief in den Hof und rief die Polizei. Diese sperrte sofort das Gebäude und alle umliegenden Straßen, also Mehringdamm und Blücherstraße. Entschärfer des Landeskriminalamtes untersuchten die Sendung und entdeckten sprengfähiges Material. Nach Angaben eines Polizeisprechers, hätte es Menschen verletzen können. Die Menge hätte aber nicht gereicht, um das Haus zu zerstören. Noch am Vormittag wurden die Ermittler des Brandenburger Landeskriminalamtes über den Fund informiert. Dies bestätigte die Brandenburger Polizei über Twitter: "In die Ermittlungen werden alle ähnlichen Fälle von verdächtigen Postsendungen mit einbezogen."

Ein Zusammenhang mit der seit Monaten andauernden des Erpressung von DHL liegt also sehr nahe. Zuletzt war im Januar ein ähnliches Päckchen in einer Bank an der Schlossstraße in Steglitz gefunden worden. Zuvor hatten der oder die Erpresser Anfang November Paketbomben an einen Händler in Frankfurt (Oder) und am 1. Dezember an eine Apotheke in Potsdam verschickt. Alle Sendungen waren ähnlich konstruiert, in allen Fällen hatten Mitarbeiter die verdächtigen Drähte bemerkt und die Polizei informiert. Ein beiliegender QR-Code in der Potsdamer Sendung führte die Brandenburger Ermittler zum Erpresserbrief. Die Täter fordern mehrere Millionen Euro vom Paketdienstleister DHL – ausgezahlt in der Kryptowährung Bitcoin. Damit wollen die Erpresser eine klassische Geldübergabe verhindern und kein Risiko eingehen, gefasst zu werden.

Kriminaltechniker nehmen DNA-Proben am Briefkasten der Handwerkskammer.
Kriminaltechniker nehmen DNA-Proben am Briefkasten der Handwerkskammer.Foto: Jörn Hasselmann

Brandenburgs Innenminister Karl- Heinz Schröter (SPD) hatte sich im Dezember zuversichtlich gezeigt, dass die DHL-Erpresser gefasst werden, da die Ermittler in den Paketen die Spuren von mehreren Personen entdeckt haben. Gefasst wurden die Täter aber nicht. Offenbar scheinen sie viel Zeit zu haben, immerhin dauert die Erpressung nun schon fünf Monate.