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Protest in Berlin-Kreuzberg : Rechter Frauenmarsch wegen Blockade abgebrochen

Weil Gegendemonstranten alle Wege blockierten, war für einen aus dem AfD-Umfeld organisierten Frauenmarsch in Berlin früh Schluss. Später versammelten sich rund 350 Menschen zur Abschlusskundgebung.

Da liefen sie noch: Die Teilnehmer vor der Blockade auf der Friedrichstraße.
Da liefen sie noch: Die Teilnehmer vor der Blockade auf der Friedrichstraße.Foto: Maria Fiedler

Eines fällt sofort auf - und auch die Frau, die gerade angekommen ist, sieht es: „Ganz schön viele Männer hier“, raunt sie ihrer Begleiterin zu. Prompt fordert die Frau auf dem Demowagen alle weiblichen Teilnehmerinnen auf, nach vorne zu kommen. Auf den Bildern später sollen vor allem sie zu sehen sein. Schließlich ist ja ein „Frauenmarsch“ angekündigt.

Mehrere Wochen hat die AfD-Politikerin Leyla Bilge zuvor mobil gemacht, etwa 550 Teilnehmer versammeln sich schließlich am Halleschen Tor in Kreuzberg, um über die Friedrichstraße zum Kanzleramt zu laufen. Frauen, davon sind sie hier überzeugt, könnten sich wegen der Migrationspolitik der Bundesregierung nicht mehr sicher im öffentlichen Raum bewegen. Wegen der Flüchtlinge habe sich Deutschland „zu einem Moloch aus Brutalität und sexuellen Übergriffen bis hin zu Mord“ entwickelt. Neben mehreren AfD-Politikern ist auch Pegida-Chef Lutz Bachmann gekommen. „Merkel muss weg“- und „Widerstand“-Rufe schallen in die kalte Winterluft. Zu Anfang erklärt der rechte Publizist David Berger erst einmal: „Wir sind die wahren Feministen.“

Gegendemonstranten blockieren die geplante Route

Doch als sich der Zug in Bewegung setzt, kommt er nicht weit. Schon kurz vorm Checkpoint Charlie ist Schluss. Gegendemonstranten blockieren sämtliche Wege, die Polizei kann sie nicht dazu bewegen, eine der Straßen zu räumen. Auch Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele ist unter den Gegendemonstranten. Diese bezeichnen den Frauenprotest von rechts als „trojanisches Pferd, in dem vor allem antimuslimischer Rassismus steckt“, da er sich pauschal gegen Flüchtlinge und Muslime richte.

Auch Bilge, die Anmelderin der Demonstration, ist keine Unbekannte. Die alleinerziehende Mutter bezeichnet sich als „stolze Deutsche mit kurdischen Wurzeln“. Bei Auftritten kommt sie gern mit schwarzem Niqab auf die Bühne, wirft sie später ab und steht dann im engen schwarz-rot-goldenen Kleid da. Früher war Bilge eine gefragte Gesprächspartnerin, weil sie sich für vom IS bedrohte Christen und Jesiden einsetzte und Hilfsgüter in Flüchtlingslager in Syrien und im Irak brachte. Dann trat sie in die AfD ein, profiliert sich hier als „Frauenrechtlerin“. Jetzt spricht Bilge davon, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört. Auf der Demo fordert sie: „Kriminelle Ausländer sofort abschieben!“

Mehr als 1000 Menschen blockieren zwischenzeitlich auf der Friedrichsstraße den Marsch. Die Polizei steht mit gepanzerten Einheiten zwischen den beiden Gruppen. Es kommt zu Rangeleien und Wortgefechten zwischen Gegendemonstranten und Polizisten. Als nach mehreren Stunden immer noch kein Weiterkommen absehbar ist, entschließen sich die Demo-Organisatoren um Bilge schließlich dazu, den Marsch offiziell abzubrechen. Später versammelten sich aber nach Polizeiangaben noch einmal rund 350 AfD-Anhänger zu der geplanten Abschlusskundgebung vor dem Kanzleramt. Auch dort gab es Zwischenrufe von einigen Gegendemonstranten. (mit AFP)

 

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