4. Station: Wasserball

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Randsportarten während der WM : Ferner liefen
Randgeschehen. Die U13-Ersatzspieler vom SC Wedding und ihre Trainer beobachten einen Sieg ihres Wasserball-Teams.
Randgeschehen. Die U13-Ersatzspieler vom SC Wedding und ihre Trainer beobachten einen Sieg ihres Wasserball-Teams.Foto: Ariane Bemmer

Anfrage beim Berliner Schwimmverband: Wie ist das Leben eines Wasserballers im Schatten der immer größer werdenden Fußballer?

Antwort: „Ein Vergleich zwischen einer Randsportart wie dem Wasserball mit dem Fußball, wo im Profibereich mit Millionengehältern gehandelt wird, kann nur zu Unmut führen. In den Randsportarten muss der Aktive grundsätzlich einen hohen finanziellen Eigenanteil für die persönliche Ausrüstung einbringen, während namhafte Fußballvereine ihren Aktiven die Ausrüstung unentgeltlich zur Verfügung stellen und auch für sonstige Kosten aufkommen.“

Wie namhaft sind Berlins Wasserballer?

Antwort: „Berlin stellt mit den Wasserfreunden Spandau 04 den diesjährigen deutschen Meister (33. Titel seit 1979) sowie deutschen Pokalsieger (zum 28. Mal) und damit die erfolgreichste Männermannschaft in Deutschland. Mit den Männern der SG Neukölln und des SC Wedding 1929 sowie den Frauen der SG Neukölln sind drei weitere erfolgreiche Mannschaften in der deutschen Wasserball-Liga (DWL) vertreten. Darüber hinaus stellen diese Vereine Mannschaften in den Jugendbereichen U11, U13, U15 und U17. Damit dürfte Berlin im bundesweiten Vergleich eine der Spitzenpositionen einnehmen.“

Diese Spitzenposition sieht am vorletzten Juniwochenende so aus, dass im schummrigen Foyer der Schwimmhalle am Schöneberger Sachsendamm an die Wand gequetscht ein kleiner Tisch steht, hinter dem eine Frau sitzt, die Programmhefte verkauft. „Deutsche Wasserball-Pokal-Endrunde U13“; für 1,50 Euro. Spenden seien auch gerne gesehen, sagt sie und rüttelt an einer Dose, die ebenfalls auf dem Tisch steht. In drei Turniertagen seien keine zehn Euro zusammengekommen, sagt sie.

In der Schwimmhalle ist die Luft warm und feucht, und der Lärm ist groß. Auf den Zuschauerrängen verteilen sich in Grüppchen Turnierteilnehmer, die gerade Pause haben, Spielerfamilien und Spielerfreunde, ausgestattet mit Lärmmachgerätschaften: Trommeln, Tröten und Klatschpappen. Unten im Becken schwimmen sich zwei Teams ein: die Spieler vom SSV Esslingen aus Süddeutschland, die bisher kein Spiel verloren haben, und die Jungs vom SC Wedding, dem Verein, der das Turnier ausrichtet. Die kraulen plantschend und spritzend quer durchs Becken, hin und her, wie junge Robben sehen sie aus: froh, im Wasser zu sein und etwas zum Spielen zu haben.

Das Programmheft erläutert die Regeln: vier mal fünf Minuten Spielzeit. Alle Pausen: zwei Minuten. Angriffszeit: 30 Sekunden.

Die Spieler flitzen, als gehörte der Mensch ins Wasser

Ein Gong ertönt, und Manfred Rademacher, Fachwart Wasserball vom Berliner Schwimmverband und Turniermoderator, erklärt die Einschwimmphase für beendet. Die Spieler verlassen das Wasser, nehmen am Beckenrand Aufstellung. Während das Wasser im Becken allmählich zur Ruhe kommt, stellt Rademacher alle Spieler vor, die je einen Schritt vormachen und sich verbeugen. Die Zuschauer mahnt Rademacher zum frenetischen Applaus, vor allem beim letzten Angriff, das habe bisher nicht recht geklappt. Dann ruft er einen Technikchef aus, in den Lüftungsschächten säßen immer noch zwei Handwerker und kämen nicht raus. Rademacher stellt das Mikro aus und lacht sich schlapp über seinen Witz.

Die Spieler stülpen sich ihre Kappen über und hüpfen zurück ins Wasser. Es geht los. Der Ball ist im Spiel, die Trommler trommeln ... Die Spieler flitzen hin und her, als gehöre der Mensch ins Wasser, den Ball vor sich herschiebend, werfend, fangend, Angriff und Retour. Da verschluckt sich keiner oder reibt sich chlorrote Augen. Das erste Tor geht an Esslingen, aber Wedding holt auf. So geht es ein ums andere Mal, bis die Weddinger selbst in Führung liegen. 7:6 und noch 19,7 Sekunden Spielzeit. Die Zuschauer kreischen und lärmen mit allem, was sie haben. Die Esslinger greifen an, aber der Torwart hält. Abpfiff. Jubel.

Nach zwei Siegen und zwei Niederlagen an drei Spieltagen ergibt das für den Gastgeber den fünften von sechs Plätzen. Der SSV Esslingen wird hinter dem OSC Potsdam Zweiter. Den Fußball? Vermisst hier keiner. Und das dürfte bei der nächsten Station kaum anders sein. Oder?

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