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Immer wieder im Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft: die Rockergruppe Hells Angels.
© Fredrik von Erichsen/dpa
Update

Encrochat-Ermittlungen: Razzia bei Hells Angels in Berlin und Brandenburg – sieben Verhaftungen

Es geht um Drogen und Waffenhandel: Die Polizei hat am Donnerstag zwei Dutzend Objekte der Hells Angels durchsucht. Möglich machten das Daten von Encrochat.

Bei Durchsuchungen im Rockermilieu in Berlin und im Raum Potsdam sind am Donnerstagmorgen sieben Menschen verhaftet worden. Das teilten die Polizei in Potsdam und die Berliner Staatsanwaltschaft mit.

Unter anderem wegen des Verdachts des Drogenhandels waren Ermittler am Morgen ausgerückt, um zwei Dutzend Orte zu durchsuchen, davon 18 in Berlin. Dort geht es auch um den Verdacht des Handels mit Waffen und Kriegswaffen, wie es hieß.

In Brandenburg wurden nach Polizeiangaben drei Mitglieder der Hells Angels im Alter von 38, 41 und 44 Jahren verhaftet. Es gebe zudem Ermittlungen gegen einen weiteren Verdächtigen. Zu den vier Verhaftungen in Berlin gibt es noch keine näheren Angaben. Zuerst hatte die „B.Z.“ über die Razzia berichtet.

230 Kräfte sind nach Behördenangaben allein in Berlin Einsatz. Durchsucht wurden unter anderem auch Autowerkstätten und Büros in einem kleinen Gewerbegebiet in der Liebermannstraße im Stadtteil Weißensee. Vor dem Gelände standen am Vormittag vermummte Polizisten. Auch Polizeihunde wurden eingesetzt, um nach Rauschgift zu suchen. 

In Brandenburg durchsuchte die Polizei sechs Wohnungen in Potsdam, Werder, Stahnsdorf und Saarmund, wie ein Sprecher des Präsidiums Potsdam sagte. Es gehe um den Handel mit Betäubungsmitteln „in nicht geringen Mengen“. Ziel der Durchsuchungen seien Beweismittel wie Datenträger, Handys und Vermögenswerte.

Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei wurden geringe Mengen Betäubungsmittel, Mobiltelefone, Datenträger und Bargeld in Höhe von über 30 000 Euro sowie eine Machete und ein als Taschenlampe getarnter Elektroschocker sichergestellt. Den Angaben zufolge waren 130 Polizisten aus Brandenburg im Einsatz.

Encrochat-Daten führten zu mehrmonatigen Ermittlungen

Einem Sprecher des Potsdamer Polizeipräsidiums zufolge gingen den Durchsuchungen mehrmonatige Ermittlungen voraus. Hintergrund seien entschlüsselte Daten des Kurznachrichtendienstes Encrochat.

[Lesen Sie mehr bei Tagesspiegel Plus: Datenschatz Encrochat: Die umstrittene Krypto-Jagd auf Drogenbosse, Waffenhändler, Clans]

Erkenntnisse daraus hatten schon im Frühjahr zu einer Razzia in Berlin geführt. Ermittlern liefern die Daten Informationen über schwere Kriminalität, Drogen- und Waffenhandel in großer Klarheit, wie es bei der Polizei heißt.

Kriminelle nutzten Kryptohandys von Encrochat

Sogenannte Kryptohandys von Encrochat wurden vor allem von Kriminellen genutzt. Der Dienst galt wegen seiner aufwendigen Verschlüsselung als nicht zu knacken, die Kriminellen fühlten sich sicher.

Doch der Polizei in den Niederlanden und Frankreich war es im vergangenen Jahr gelungen, mehr als 20 Millionen geheimer Nachrichten abzuschöpfen. 60.000 Teilnehmer hatten den aufwendig verschlüsselten Chatdienst genutzt. Auch die deutschen Behörden bekamen die Daten aus Frankreich über das Bundeskriminalamt (BKA), allein bei der Berliner Staatsanwaltschaft sind bis zu 40 Verfahren anhängig.

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Zwischenzeitlich sah es so aus, als könnten die Erkenntnisse aus den Daten nicht vor Gericht verwertet werden. Die Staatsanwaltschaft wehrte sich jedoch im August vor dem Kammergericht erfolgreich gegen eine entsprechende Entscheidung des Landgerichts.

Justizsenator: Staatsanwaltschaft mit Encrochat-Abteilung

Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) kündigte am Donnerstag weitere umfangreiche Strafverfolgungen im Zusammenhang mit den entschlüsselten Daten an. Zu erwarten sei noch eine „hohe Zahl“ von Encrochat-Verfahren, teilte Behrendt mit. Mit einer neuen Abteilung bei der Staatsanwaltschaft zu Encrochat-Verfahren und zusätzlichen Kammern am Landgericht reagieren wir nun auf die vielen Verfahren, die uns in den kommenden Jahren erreichen werden.“ Er betonte: „Die Berliner Staatsanwaltschaft erhöht den Verfolgungsdruck und zeigt: Straftaten lohnen nicht.“

„Encrochat ist eine absolute Goldgrube für die Sicherheitsbehörden, weil Kriminelle hier über Jahre vollkommen offen über Straftaten kommuniziert haben“, teilte die Gewerkschaft der Polizei Berlin mit. „Die schiere Masse an Erkenntnissen ist Fluch und Segen zugleich, weil das große Kapazitäten der Kripo auf Jahre bindet.“ Die Hells Angels seien eine gefährliche Konstante im Bereich der Organisierten Kriminalität, die auch vor Waffengewalt nicht zurückschrecke. (Tsp, dpa)

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