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Reinickendorf : Eltern erheben Mobbing-Vorwürfe

Über 100 Eltern und Kinder von Reinickendorfer Schulen wollten über Mobbing reden. Ein Junge von der Hausotter-Schule war auch dabei.

Mobbing geschieht jeden Tag - gerade auch an Schulen.
Mobbing geschieht jeden Tag - gerade auch an Schulen.Foto: imago/emil umdorf

Die Hausotter-Grundschule in Reinickendorf hat weiterhin mit Problemen im sozialen Miteinander zu kämpfen. Einzelne Eltern und Schüler berichten von neuen Zwischenfällen, die auch bei einer Veranstaltung zum Thema „Mobbing“ im Ernst-Reuter-Saal am Mittwochabend zur Sprache kamen. Die Schulleiterin und ihre Konrektorin sind laut Bildungsverwaltung erkrankt. Ein kommissarischer Leiter wurde von außen geholt.

Die Schule war im Februar im Zusammenhang mit Mobbing und dem Tod einer Schülerin in die Öffentlichkeit geraten. Dem trat die Schulleiterin Anfang März im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses kategorisch entgegen. Sie bestritt nicht nur einen Zusammenhang, sondern betonte zudem, dass ihre Schule „keine Mobbing-Schule“ sei.

Allerdings gibt es an der Schule Eltern, die das anders sehen und daher in die von über 100 Menschen besuchten Veranstaltung im Ernst-Reuter-Saal kamen. Dort berichtete ein Viertklässler der Hausotter-Schule, dass er in der Schule gedroht habe, aus dem Fenster zu springen, weil seine Mitschüler ihm zusetzten. Ob er gemobbt wurde oder nur „geärgert“, wie es anschließend von anderer Seite hieß, ist strittig.

Die Suche nach einem Anti-Mobbing-Konzept

Die Veranstaltung, die sich an alle Schulen im Bezirk richtete, war von der SPD Märkisches Viertel initiiert und von den „Grauen“ unterstützt worden. Verbunden war sie mit einem Auftritt des Anti-Mobbing-Coaches Carsten Stahl. Der ehemalige SPD-Abgeordnete Thorsten Karge bedauerte, dass kaum Vertreter von Schulen erschienen seien. Einzelne Schulleiter hätten ihr Fernbleiben mit der Teilnahme Carsten Stahls begründet, dessen Methoden und robustes Auftreten umstritten sind.

Von den "Grauen" sagte der Vorsitzende Michael Schulz, er erfahre "jeden Tag" von neuen Mobbingfällen, seitdem sich herumgesprochen habe, dass er sich in Reinickendorf um das Thema kümmere.

Im Umfeld der Veranstaltung wurde berichtet, dass eine Erstklässlerin der Hausotter-Schule wegen des angeblichen Übergriffs einer Lehrerin ein Schleudertrauma erlitten habe. Die Bildungsverwaltung sagte, mit der Lehrkraft sei „ein Gespräch geführt worden, mit der Mutter ebenfalls. Ein weiteres Gespräch ist für nächste Woche geplant“. Die Mutter betonte gegenüber dem Tagesspiegel, sie erwarte eine schriftliche Stellungnahme der Schule und sehe vorher keinen Sinn in einem Gespräch. Die Forderung nach einer Stellungnahme hatte Michael Schulz von den "Grauen" im Namen der Mutter aufgestellt, was allerdings als ungewöhnlich gilt. Schulz wird vorgeworfen, er wolle sich mit dem Thema "Mobbing" profilieren, was er aber bestreitet.

"Einzelne Eltern schüren Unruhe"

Ein Großteil der Elternschaft stehe hinter der Schule und ihrer Schulleiterin, hieß es am Freitag mit Hinweis auf die letzte Gesamtelternversammlung. Es gebe aber "einzelne Eltern, die weiter Unruhe schüren".

Anfang April wird der Verfasser der Anti-Mobbing-Fibel, Walter Taglieber, an die Hausotter-Schule kommen. Sein Verein Contigo bietet Schulen gezielte Unterstützung gegen Mobbing. Zunächst geht es um einen Vortrag für die Eltern.

Auch eine Zusammenarbeit mit dem Team Fairplayer von FU-Professor Herbert Scheithauer wird erwogen. Es heißt, dass aus dem Kollegium der Hausotter-Schule und aus anderen Kollegien in Reinickendorf Ost eine Gruppe zusammengestellt werden könnte, die dann von den Fairplayern geschult würde, wenn sich mindestens 15 Teilnehmer fänden.

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