zum Hauptinhalt
Bald ohne Rettungsstelle. Wesentliche Abteilungen des Tempelhofer Wenckebach-Krankenhauses werden nach Berlin-Schöneberg verlagert.
© imago images/Schöning

Senat macht Weg für Klinik-Verlagerung frei: Rettungsstelle des Wenckebach-Krankenhauses zieht bald nach Berlin-Schöneberg

Der Protest gegen die Verlagerung des Klinikums war umsonst. Die Senatsgesundheitsverwaltung gab grünes Licht für den Umzug wichtiger Abteilungen.

Wenn  alles planmäßig verläuft, werden bereits im kommenden Monat weitere wichtige Abteilungen vom Wenckebach-Krankenhaus in Tempelhof an das Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg verlagert und am bisherigen Standort geschlossen.

Wie  Christoph Lang, Sprecher des Klinikkonzerns Vivantes, zu dem beide Krankenhäuser gehören, mitteilte, sollen im September die Rettungsstelle und die Intensivstation an den Grazer Damm umziehen ebenso wie die Kliniken für Chirurgie – Visceral- und Gefäßchirurgie, für Unfallchirurgie und Orthopädie,  für Innere Medizin/ Kardiologie und für Anästhesie sowie die operative Intensivmedizin und die Schmerztherapie.

Die Senatsgesundheitsverwaltung hat keine krankenhausplanerischen Bedenken und die Genehmigung dafür zeitnah in Aussicht gestellt, dass diese Abteilungen, die quasi das Herzstück eines Krankenhauses darstellen, von Tempelhof nach Schöneberg wechseln.

Am Tempelhofer Standort verbleiben erst einmal die Klinik für Innere Medizin – Geriatrie – Zentrum für Altersmedizin und die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik – Gerontopsychiatrie. Aber auch diese Abteilungen sollen irgendwann zu einem späteren, noch nicht benannten Zeitpunkt umziehen. Lediglich das Hospiz wird dauerhaft auf dem Gelände des Wenckebach-Klinikums bleiben.

Bisher plant Vivantes mit Kosten von 600 Millionen Euro (ohne die Abteilungen für Geriatrie und Psychiatrie) für den Ausbau des Auguste-Viktoria-Krankenhauses zu einem hochmodernen Klinikstandort. Der Anteil für die Fachbereiche des Wenckebach-Klinikums beläuft sich dabei auf 242 Millionen Euro.

„Eine reine Instandsetzung der alten Strukturen am Standort Wenckebach würde 154 Millionen Euro kosten. Damit hätte man aber immer noch kein zeitgemäßes Gebäude“, sagt Vivantes-Sprecher Lang.

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräteherunterladen können.]

Protest gegen die Verlagerung regte sich - wie berichtet - sofort, nachdem der Beschluss zur Schließung des Tempelhofer Klinikums im Herbst 2020 bekannt geworden war. Die Bürgerinitiative brachte einen entsprechenden Einwohnerantrag in der BVV ein – allerdings erfolglos. In der letzten Sitzung vor der Sommerpause beschlossen die Bezirksverordneten, dass sich das Bezirksamt dafür einsetzen solle, „dass der Standort Wenckebach als Gesundheitsstandort für die Akutversorgung erhalten bleibt“. Ein Antrag der CDU, das Krankenhaus als sogenannte Portalklinik zu erhalten, fand keine Mehrheit.

[Mehr als 260.000 Abos und immer konkret aus Ihrem Kiez: Die Tagesspiegel-Bezirksnewsletter gibt es hier leute.tagesspiegel.de]

Was wird aus dem Wenckebach? Das steht noch nicht fest. Die Senatsgesundheitsverwaltung teilte auf Anfrage mit, dass Vivantes zur Nachnutzung eine Studie in Auftrag gebe, „um den Versorgungsstand und künftige Versorgungsbedarfe in der Region zu ermitteln“. Diese werde dann in Absprache mit dem Bezirk im bezirklichen Krankenhausbeirat vorgestellt. Kritik kommt von der bezirklichen CDU. Der gesundheitspolitische Sprecher der Union in der BVV, Guido Pschollkowski, sagte, es bleibe ungewiss, was dort jetzt kommen werde: „Merkwürdig ist jedenfalls, dass jetzt, wo alles entschieden ist, eine Bedarfsanalyse durchgeführt wird.“

Seniorenvertretung befürchtet Verfall der Gebäude

Ähnlich argumentiert die Seniorenvertretung des Bezirks: „Besonders ärgerlich ist, dass für die Nachnutzung des Wenckebach die Planungen jetzt erst beginnen; man also bewusst den Verfall der Gebäude in Kauf nimmt.“ Vielleicht haben sich die Seniorenvertreter dabei an ein schlechtes Beispiel aus Neukölln erinnert.

Dort wurde Anfang der Nullerjahre die Frauenklinik vom Mariendorfer Weg nach Rudow verlagert. Das denkmalgeschützte Gebäude stand jahrelang leer, verfiel zunehmend, bevor dann vor einigen Jahren mit dem Umbau als Wohnhaus begonnen wurde.

Zur Startseite