Rocktreff im Volkspark Mariendorf : Das Festival vom Chefarzt

Michael Abou-Dakn leitet die größte deutsche Geburtsklinik. 1984 gründete er den Mariendorfer Rocktreff. Das Festival findet an diesem Wochenende statt.

Der erste Rocktreff im Mariendorfer Volkspark nahm sich bescheiden aus. Abou-Dakn ist rechts im Bild im gestreiften Shirt am Mikrofon zu sehen.
Der erste Rocktreff im Mariendorfer Volkspark nahm sich bescheiden aus. Abou-Dakn ist rechts im Bild im gestreiften Shirt am...Foto: Promo

Berlin, Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre: Die Neue Deutsche Welle schwappt über das Land und die Stadt. So unterschiedliche Bands wie Trio, Extrabreit oder Ideal machen deutsche Popmusik populär und sogar international erfolgreich. Die Welle erreicht auch die einstige Schülerband des Askanischen Gymnasiums in Tempelhof.

„Die GmbH“ heißt sie, sie macht deutschsprachigen Rock mit allen möglichen Einflüssen dieser Zeit. Ihr Frontmann, Sänger und Keyboarder ist Michael Abou-Dakn. Auch als die Mitglieder längst die Schule verlassen haben, spielen sie noch zusammen. Abou-Dakn entscheidet sich für ein Medizinstudium an der Freien Universität. Aber nebenher widmet er sich weiter intensiv der Musik, schreibt Texte für die Songs.

Musikenthusiast und Chefarzt

Tempelhof war damals nicht gerade attraktiv für junge Menschen. „Es galt als langweilig und spießig“, sagt Abou-Dakn rückblickend. Er ist dem Bezirk dennoch treu geblieben und leitet dort als international angesehener Chefarzt seit Jahren im St. Joseph-Krankenhaus die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Sie ist heute die größte Deutschlands, nirgendwo kommen mehr Babys zur Welt als dort.

Aber zurück in die achtziger Jahre: Abou-Dakn, der kurz vor seinem Examen steht, und seine Mitstreiter wollen die popkulturelle Ödnis im Bezirk nicht hinnehmen. Im Nachbarbezirk Kreuzberg gibt es immerhin ein Jazzfestival. Der angehende Mediziner hat die Idee, dass man ähnliches doch auch in Tempelhof etablieren könne. Also bemüht er sich um einen Termin beim seinerzeitigen Jugendstadtrat Udo Keil.

Der CDU-Politiker hat ein Ohr für den Musikenthusiasten, der ihm vorschlägt, in dem Fußballstadion am Mariendorfer Volkspark ein Rockfestival zu veranstalten. Kein Problem, dass die „Rock-Ini“, als deren Vertreter er sich ausgegeben hat, noch gar nicht existiert. Die Gründung wird schnell in einer evangelischen Kirchengemeinde nachgeholt.

Sein Baby ist inzwischen 34 Jahre alt

1984 kann der erste Rocktreff vor allem mit Tempelhofer Schülerbands in Mariendorf stattfinden. Das Plakat malt Abou-Dakns jüngerer Bruder Masen. Der ist künstlerisch begabt und entwirft ein symbolträchtiges Motiv mit Luftbrückendenkmal und einem Stecker. Tempelhof ist also am Netz und hat Rock-Power.

Abou-Dakn – mit gestreiftem Polo-Shirt und nach damaliger Mode gut gewellter Frisur – und seine „GmbH“ stehen selbstverständlich auf der improvisierten Bühne. Wie auch in den kommenden Jahren. Dass sich das kleine Festival in den kommenden Jahren so etablieren würde, hat damals wahrscheinlich keiner geahnt.
An diesem Wochenende – wie immer direkt vor den Sommerferien – ist es wieder so weit. In Mariendorf wird gerockt. Drei Tage lang werden ab Freitag, 18 Uhr, die Bässe durch den Stadtteil wummern. 15.000 Besucher werden laut Veranstalter erwartet. Und Michael Abou-Dakn wird sich auf jeden Fall mal unters Publikum mischen. Wenn auch die derzeitig vorherrschende Stilrichtung „Hardrock“ nicht so ganz sein Ding ist. Großartig findet er den Rocktreff aber immer noch. Er bleibt schließlich sein Baby. Auch wenn dieses inzwischen 34 Jahre alt ist.
Das Programm finden Sie hier: www.rocktreff.de

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