• Rodungsstopp könnte fatale Signalwirkung haben: Tempo ist nicht nur für Tesla entscheidend

Rodungsstopp könnte fatale Signalwirkung haben : Tempo ist nicht nur für Tesla entscheidend

Dass die Rodung ruht, ist noch kein Grund zur Panik. Aber es muss bald voran gehen - in Brandenburgs und in Deutschlands Interesse. Ein Kommentar.

Felix Wadewitz
Erstmal gestoppt: Die Kiefern in Grünheide werden nicht weiter gefällt.
Erstmal gestoppt: Die Kiefern in Grünheide werden nicht weiter gefällt.Foto: dpa

Die Maschinen zur Rodung stehen jetzt schon wieder still in Grünheide. Gerade als es so aussah, als würde der für deutsche Verhältnisse ehrgeizige Zeitplan für den Bau der Tesla-Fabrik vor den Toren Berlins eingehalten, gibt es den ersten Rückschlag. Zwei Umweltschutzvereine waren vor Gericht gezogen, um die Rodung von Bäumen vorerst zu stoppen. Und nun?

Ein Grund für Panik ist der Aufschub noch nicht. Es geht wohl um einige Wochen bis das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg über einen Eilantrag der Grünen Liga entscheidet. Die stört sich vor allem daran, dass alles so schnell geht. Genau deshalb aber ist die Signalwirkung des erzwungenen Baustopps so fatal.

Tempo ist nicht nur für Tesla entscheidend. Elon Musk war zwar von Anfang an klar, dass es in Deutschland nicht so schnell geht wie in Shanghai, wo die Gigafactory in zehn Monaten hochgezogen wurde. Die Vergabe nach Brandenburg war aber auch daran geknüpft, dass es zumindest deutlich schneller geht als üblicherweise. Deshalb ist die Zeitfrage so wichtig.

Für Berlin und Brandenburg, und auch für den Standort Deutschland bietet sich mit Tesla immer noch die Chance zu zeigen, dass sich Zukunftsprojekte hierzulande nicht zwangsläufig Jahre oder gar Jahrzehnte hinziehen müssen. Das forderte bereits Flexibilität von Politik und Behörden. Zum Beispiel: Das Landesumweltamt in Brandenburg hat Tesla grünes Licht für die Abholzung gegeben, aber das unter Vorbehalt der finalen Baugenehmigung gestellt. Sollte es die nicht geben, müsste Tesla also den alten Wald wieder aufforsten. Das ist pragmatisch und auch angebracht.

Es darf keine Klagewelle geben

Überhaupt macht Tesla bislang eigentlich alles, was von Umweltschützern verlangt wird. Waldameisen, Zwergfledermäuse und Zauneidechsen werden umgesiedelt oder in Ruhe gelassen. Der Wald soll an anderer Stelle wieder aufgeforstet werden. Und das nicht als monokultureller Kiefernforst wie in Grünheide, sondern als ökologisch wertvoller Mischwald. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hat jedenfalls keine Bedenken.

Wenn es bei einem kleinen Aufschub bleibt, dürfte der bis zur Fabrikeröffnung vergessen sein. Doch sollte das jetzt nur der Auftakt zu einer Klagewelle sein und es zu deutlichen Verzögerungen kommen, steigt tatsächlich das Risiko des Scheiterns. Noch immer gibt es viele Leute in Berlin und Brandenburg, die an den BER denken und sagen: „Ich glaube erst, dass das etwas wird mit Tesla, wenn das erste Elektroauto vom Band rollt.“

Das ist ein erschreckendes Zeugnis für die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland. Und nur Optimisten werden daraus machen: Je geringer die Erwartungen, desto größer die Freude, wenn es doch klappt.

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