Sängerin Annett Louisan im Interview : „Berlin bedeutet für mich Inspiration.“

Die Sängerin wohnt nun in Hamburg, Anregungen holt sie sich noch immer aus der Hauptstadt. Einen Teil des neuen Albums hat sie in Berlin aufgenommen.

Sebastian Goddemeier
Die Berliner Konzerte seien ihre "absoluten Highlights" der Tournee, sagt Louisan.
Die Berliner Konzerte seien ihre "absoluten Highlights" der Tournee, sagt Louisan.Foto: Georg Wendt/dpa

Sie haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, gerne zu feiern. Wie viel ist davon heute, mit 42 Jahren und als Mutter einer einjährigen Tochter, noch übrig?

Davon ist noch was übrig. Ich kann es nur nicht mehr so stark ausleben. Durch meine Tochter muss ich meine Partylaune dosieren. Das ist aber gut so. Alles immer auszureizen, nur weil man es kann, ist nicht gut. Lieber warten und die Vorfreude genießen.

In Berlin kann man ja recht gut feiern.

Mein Liebling ist die Bar Bobo in Friedrichshain. Dort finden regelmäßig Live-Sessions statt und man trifft sehr viele interessante neue Musiker. Ich gehe weniger in Clubs.

Sie haben auch mal in Berlin gelebt.

Berlin bedeutet für mich Inspiration. Eine Weltstadt. Berlin ist anders. Mein Mann und ich haben eine Wohnung in Kreuzkölln. Er arbeitet viel in Berlin. Und ich möchte immer wieder in der Stadt sein. Gerade im ersten Jahr, nachdem ich meine Tochter bekommen habe, waren wir viel in Berlin.

Gibt es Orte, die Sie jedes Mal besuchen, wenn Sie hier sind?

Ich bin kein Autofahrer und habe keinen Führerschein. Dadurch bin ich ein Kieztyp. Alles, was ich zu Fuß und mit dem Fahrrad erreichen kann. Meist bin ich in Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain.

Geht es etwas genauer?

Das Paul-Lincke-Ufer mit all den Cafés und Restaurants bietet mir das volle kulinarische Programm, das ich liebe. Mein Lieblings-Frühstücks-Café ist das schwedische Okay Café in der Pflügerstraße.

Haben Sie einige Ihrer neuen Songs auch in Berlin aufgenommen?

Die gesamte ‚große Liebe’, die eine Seite des Doppelalbums, habe ich in Berlin geschrieben, sowie die EP ‚Berlin Sessions’, welche in der neuen Louisan Box beiliegt, hab ich dort aufgenommen. Berlin inspiriert mich sehr.

Welches Stück mögen Sie auf Ihrem neuen Alben am liebsten?

Das ist abhängig von der Tagesform. So wie mit Musik generell. Es gibt Momente, in denen Musik anders wirkt. ‚Meine Kleine’ oder ‚Traum’ holen mich morgens nicht so ab wie nachts um 23 Uhr. Es gibt verschiedene Fenster zum Herzen. Am emotionalsten stimmt mich ‚Die schönsten Wege sind aus Holz’. Das Lied ist genauso geworden, wie ich es mir gewünscht habe.

Wo haben Sie das Video dazu gedreht?

Das wollte ich eigentlich nicht verraten. Die Leute sollten denken, dass es an der Côte d'Azur entstanden ist. Ist es aber nicht. Das war auf Gran Canaria. Das französische Lebensgefühl kann man überall finden.

Wie teilt sich das Album auf? Es sind immerhin zwei CDs.

Es hat fünf Jahre gedauert, bis ich dieses Album fertiggestellt habe. Unbewusst habe ich zwei Alben geschrieben. Musikalisch passen die zwei Platten nur bedingt zusammen, inhaltlich gehören sie unbedingt verbunden. Dadurch ist die Idee des Doppelalbums entstanden. Auf der einen Seite bin ich als Chansonsängerin zu hören, auf der anderen habe ich meine Sehnsucht nach Popmusik gestillt.

Wie unterscheidet sich die neue Platte von den vorherigen?

Etwas abgegriffen, ich weiß, aber es ist meine bisher persönlichste Platte. Vielleicht kann ich so eine Platte auch nur einmal machen. Dieses Mal wollte ich mehr von mir, meiner Familie und meiner Kindheit erzählen. Dieses Album hat ganz viel in mir geöffnet. Ich habe Ideen für neue, andere Projekte. Gar nicht mehr in so einem Korsett stecken, in das ich mich selbst gezwungen habe in den letzten Jahren. Ich bin sehr stolz auf meinen Sound. Aber es bedrängt einen auch, wenn man nur die Dinge macht, die andere von einem erwarten. Man fängt an zu zweifeln und der eigene Saboteur meldet sich zu Wort. Das ist der Punkt, an dem ich einen neuen Weg gehen musste.

Ihr letztes Konzert fand im Jahr 2017 im Tempodrom statt. Am 11. November spielen Sie wieder dort.

Die Berliner waren mir immer sehr zugetan. Die Konzerte sind immer absolute Highlights auf meinen Tourneen.

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