Schadstoffe in der Spree : Sulfat-Richtwerte sind weiter zu hoch

Brandenburg hat es nicht geschafft, die Richtgröße für Sulfat in der Spree einzuhalten. Der festgesetzte Immissionswert wurde bereits an 40 Tagen überschritten.

Manfred Rey Oliver von Riegen
Braune Brühe: Die sogenannte Verockerung ist die Folge einer chemischen Reaktion von Eisen, das im Wasser gelöst ist.
Braune Brühe: Die sogenannte Verockerung ist die Folge einer chemischen Reaktion von Eisen, das im Wasser gelöst ist.Foto: Patrick Pleul/dpa

Brandenburg hat sein Ziel verfehlt, die Sulfatbelastung der Spree in diesem Jahr unter den Richtwert für Trinkwasser zu senken. Der am 30. April dieses Jahres für die Messstelle Neubrück (Oder-Spree) festgesetzte Immissionsrichtwert von 280 Milligramm je Liter sei bereits an 40 Tagen überschritten worden, teilte das Wirtschaftsministerium in Potsdam auf eine Anfrage aus der Grünen-Landtagsfraktion mit. Der Wert für die Sulfatbelastung soll an 328 Tagen im Jahr eingehalten werden.

Sulfate sind Schwefelsalze, die mit anderen Stoffen, wie Eisenhydroxid, vor allem durch das abgepumpte Grundwasser aus den aktiven Tagebauen und durch den Grundwasserwiederanstieg in den stillgelegten Gruben in die Spree gelangen. Diese Stoffe können Fische und andere Tiere sowie Pflanzen schädigen. Für Menschen sind sie nicht giftig, können aber Durchfälle verursachen und den Wassergeschmack verändern.

Die Überschreitung des Messwertes am Pegel Neubrück habe jedoch keine Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität des Wasserwerkes Briesen (Oder- Spree), versicherte das Ministerium. Das mit Sulfat und anderen Stoffen belastete Spreewasser wird mit Grundwasser vermischt und zur Trinkwasserversorgung aufbereitet. Das Wasserwerk Briesen versorgt Frankfurt (Oder) und mehrere umliegende Gemeinden nahezu ausschließlich.

Über das am Müggelsee liegende Wasserwerk Friedrichshagen nutzen die Berliner Wasserbetriebe das Spreewasser. Auf lange Sicht drohen auch hier Problem. Das Sulfat herauszufiltern, wäre so aufwendig und energieintensiv, dass das Wasser dadurch laut einer Senatsschätzung von 2015 etwa ein Viertel teurer werden könnte. Derzeit können die Grenzwerte eingehalten werden – durch Mischung von Uferfiltrat aus dem Müggelsee mit Grundwasser und anderen Quellen.

Massiver Anstieg der Werte Mitte Oktober

Nach Angaben des Brandenburger Wirtschaftsministeriums wurde der Richtwert für Sulfate an der Messstation Neubrück besonders in diesem Frühjahr an diversen Tagen überschritten. Einen massiven Anstieg von über 300 Milligramm je Liter habe es zuletzt Mitte Oktober gegeben.

Die Frankfurter Grünen-Landtagsabgeordnete Sahra Damus forderte Konsequenzen. „Der Sulfaterlass muss ein scharfes Schwert werden. Sollten Werte überschritten werden, müssen Maßnahmen folgen“, erklärte sie am Sonntag. Sie verlangte auch eine engere Abstimmung beim Wassermanagement in der Lausitz mit dem Land Sachsen.

Aus Sorge um die Trinkwasserversorgung haben die Stadt Frankfurt (Oder) und die Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft im Mai dieses Jahres Klage beim Verwaltungsgericht Cottbus eingereicht. Sie richtet sich gegen die Genehmigung zur Flutung des Ostsees – eines früheren Braunkohletagebaus in der Lausitz – mit sulfatbelastetem Spreewasser, das später in den Fluss zurückgelangen könnte.

Landesbergbauamt hat „keine Handreichung über Sofortmaßnahmen“

Laut der Antwort an die Grünen haben bereits im Mai mehrere Ministerien, das Landesbergamt, Gesundheitsämter des Landkreises Dahme-Spree, die Stadt Frankfurt (Oder) und der Wasserwerksbetreiber eine „Aufgabenstellung für eine Gefährdungsabschätzung für das Wasserwerk Briesen“ ausgeschrieben. Das Ergebnis werde zum dritten Quartal 2020 erwartet. Aktuell habe das Landesbergbauamt „keine Handreichung über Sofortmaßnahmen“.

Das sieht man beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ganz anders. „Das Landesbergamt könnte einen Sulfat-Grenzwert wie von uns vorgeschlagen von 240 Milligramm je Liter in der wasserrechtlichen Erlaubnis für die Lausitzer Tagebaue festlegen“, sagte BUND-Landesgeschäftsführer Axel Kruschat. „Was hier in Brandenburg und auch in Sachsen angeblich nicht geht, funktioniert aber beim Tagebau Garzweiler II im nördlichen rheinischen Braunkohlerevier tadellos.“

Der Zusatz von Kalk, der die Schadstoffbelastung des Spreewassers verringern könnte, verhindere angeblich, dass die Tagebaue wirtschaftlich arbeiteten. „Das haben die Bergbaubetreiber aber niemals nachgewiesen“, sagte Kruschat. Seit Jahren bereits klage der BUND gegen die wasserrechtliche Erlaubnis für den Tagebau Welzow Süd I, das Sulfat in die Spree zu leiten. „Was die Bergbauunternehmen an Kosten für die Reinhaltung des Wassers sparen, wird auf die Verbraucher des Trinkwassers abgewälzt“, warf er ihnen vor. (dpa)

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