
© dpa/Sebastian Gollnow
Schüsse auf ein Schiff, Woolworth-Filiale verwüstet: Zu diesen Einsätzen rückte die Berliner Polizei in der Silvesternacht aus
Angriffe auf Polizisten mit Pyrotechnik und zahlreiche Verletzte: In Berlin verlief die Silvesternacht für Polizei und Feuerwehr keineswegs friedlich, sondern oft aggressiv. Ein Überblick.
Stand:
Die Berliner Polizei ist in der Silvesternacht zu 2340 Einsätzen alarmiert worden. Das waren knapp 200 Einsätze pro Stunde zwischen 18 Uhr und 6 Uhr morgens, wie in der Bilanz der Nacht mitgeteilt wurde. Dabei leitete die Polizei im gesamten Stadtgebiet etwa 800 Ermittlungen wegen verschiedener Delikte ein. Meistens ging es um Verstöße gegen das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz. Dazu kamen Angriffe auf Polizisten und Widerstandshandlungen, Brandstiftungen, Körperverletzungen und Landfriedensbruch.
Polizisten nahmen im Zusammenhang mit Silvester rund 430 Menschen fest. 14 wurden den Angaben zufolge zur Verhinderung weiterer Taten inhaftiert, 7 zum Erlass eines Haftbefehls einem Richter vorgeführt.
Durch die zahlreichen Angriffe besonders mit Feuerwerkskörpern auf die Polizei habe es zahlreiche Verletzte gegeben. 35 Polizisten wurden demnach verletzt, 2 davon so schwer, dass sie stationär in Krankenhäusern aufgenommen werden mussten. In 22 Fällen entstanden die Verletzungen durch das Beschießen oder Bewerfen mit Raketen oder Böllern.
Drohnenpilot festgenommen
Unter den 2340 Einsätzen waren laut Polizei diese relevant: Gegen 21 Uhr konnten Einsatzkräfte im Bereich der Paulstraße/Magnus-Hirschfeld-Ufer in Moabit erfolgreich eine aufgestiegene Drohne stören und deren Piloten anschließend festnehmen. Die Drohne wurde beschlagnahmt. Gegen den Piloten wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Luftverkehrsgesetz eingeleitet.
Gegen 22 Uhr schossen Unbekannte in Mitte von der Rathausbrücke herunter auf ein Fahrgastschiff. Dadurch wurde eine Person verletzt und eine Glasscheibe des Schiffes beschädigt. Die Täter flüchteten unerkannt. Gegen 23 Uhr bemerkte ein Autofahrer auf der Skalitzer Straße in Kreuzberg ein Einschlaggeräusch vom Dach seines Fahrzeuges. Der Fahrer stoppte seinen Wagen und stellte ein Einschussloch im Dach fest. Er selbst blieb unverletzt. Die Ermittlungen in engem Austausch mit der BAO Ferrum dauern an.
Gegen 0.10 Uhr griffen rund 150 Personen am Mehringdamm/Gneisenaustraße/Yorckstraße in Kreuzberg Einsatzkräfte der Polizei gezielt mit Flaschen und Pyrotechnik an. Zwei Personen wurden festgenommen, durch massives Einschreiten beruhigte sich die Lage. Gegen 0.20 Uhr wurde in Mitte auf dem Rosenthaler Platz ein Einsatzwagen aus einer Menschenmenge heraus mit einem Stein sowie mit Pyrotechnik angegriffen. Ein Mann und eine Frau wurden festgenommen, der Mann leistete dabei Widerstand.
Polizei in Moabit angegriffen
Gegen 0.30 Uhr griffen 50 Personen in Moabit einen Einsatzwagen der Polizei im Bereich Huttenstraße/Beusselstraße/Turmstraße mit Pyrotechnik an und entzündeten Gegenstände auf der Fahrbahn. Die Personenzahl wuchs schnell auf rund 500 an. Die Angriffe mit Pyrotechnik waren dabei so massiv, dass die Feuerwehr zur Brandlöschung nicht eingesetzt werden konnte. Dies erledigte dann ein Wasserwerfer der Polizei.
Gegen 0.40 Uhr kippte auf der Straße Markt in Spandau eine angezündete Pyrotechnikbatterie um. Ein in diesem Moment daraus abgefeuerter Feuerwerkskörper entzündete ein von Unbekannten angelegtes Pyrotechnikdepot in der Nähe. Dadurch entzündete sich eine Kugelbombe.
Feuer in Woolworth-Filiale in Spandau
Die Explosion derselben zerstörte die Schaufensterfront einer Woolworth-Filiale und verursachte ein Feuer im Inneren der Filiale. Ein Zeuge konnte das Feuer mit einem Feuerlöscher löschen. Ein siebenjähriges Mädchen erlitt durch den Funkenflug eine oberflächliche Handverletzung, welche medizinisch nicht behandelt werden musste.
Gegen 0.50 Uhr warf ein Unbekannter Pyrotechnik gegen einen Einsatzwagen der Polizei auf der Potsdamer Straße in Tiergarten, der dadurch beschädigt wurde, sodass er nicht mehr eingesetzt werden konnte. Beide Polizeibeamten blieben unverletzt. Der Tatverdächtige flüchtete in unbekannte Richtung.
Gegen 2 Uhr hörten Zeugen in Mariendorf einen lauten Knall auf dem Mariendorfer Damm und sahen zwei Personen, die vom Ort flüchteten. Alarmierte Einsatzkräfte stellten anschließend eine vollkommen zerstörte Fensterfront sowie die ebenso zerstörte Eingangstür eines Nagelstudios fest. Weitere Einsatzkräfte nahmen dazu einen 16-Jährigen fest, der nach Feststellung seiner Identität am Ort entlassen wurde. Das Geschäft wurde behelfsmäßig gesichert. Verletzt wurde niemand. (dpa, Tsp)
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid: